Kultur – Die Himmelsleiter – Ingeborg Eisenreich-Kaufel / Gastautorin
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Eine Weihnachtsgeschichte Die Himmelsleiter

Ingeborg Eisenreich-Kaufel / Gastautorin

27.12.2009

Foto: Carsten Grunwald / pixelio.de

Foto: Carsten Grunwald / Pixelio

Andy konnte nicht schlafen, es war so warm im Zimmer. Er wälzte sich von einer Seite auf die andere – puuuuh war das heiß, ob der neue kuschelige Schlafanzug daran schuld war? Die Oma hatte ihn geschenkt – es war sein Lieblingsschlafanzug mit Motiven vom 1. FC Bayern, alle Spieler waren darauf zu bewundern.

Die Oma hatte immer so gute Ideen!

Andy stand leise auf um im Badezimmer ein Glas Wasser zu trinken.

Oooh, was war denn das? Er schaute aus dem Badezimmerfenster und sah einen blutroten Himmel. So etwas hatte er in seinem ganzen kleinen Leben noch nie gesehen. Ob die Engel dort schon den Kuchen und die Weihnachtsplätzchen backten?

Neugierig wie er war schlüpfte er in seine Winterstiefel, schnell noch Jacke und Schal übergeschmissen und wie ein Wirbelwind war er auch schon die Treppe runter und aus der Tür geschossen, raus auf die Wiese vor dem Haus um dort den roten Himmel zu bestaunen. Es hatte leicht geschneit und die Wiese schaute wie überzuckert aus.

Etwas bewegte sich dort oben. Ein großer, heller, silbriger Streifen durchfuhr den roten Himmel und dann wurde eine riesige leuchtende Leiter vom Himmel auf die Erde geschoben, direkt auf die Wiese vor ihm!

Plötzlich spürte er eine kleine Hand in der seinen und jemand zupfte an seiner Jacke, – na, wer wohl? Es war der kleine Bruder Felix – uuiiihhh – ooohhh – sagte er nur, ansonsten war das kleine Plappermaul still, nur der Mund stand weit offen und die Augen kullerten ihm fast aus dem kleinen Gesicht.

Felix hatte seinen Bruder wohl doch gehört und neugierig wie auch er, war Felix seinem Bruder nachgeschlichen.

Oh ja – Stiefel anziehen, Jacke und Schal, das konnte Felix auch, er war schließlich schon groß, brauchte keine Windeln mehr so wie das kleine Baby von seiner Tante Claudia. Obwohl, der Kleine war ja ganz süß, schrie laut, strampelte und lachte, aber spielen konnte man nicht mit ihm.

Da war sein größerer Bruder schon viel besser zu gebrauchen. Der zeigte ihm als älterer Bruder immer Sachen, die man eigentlich nicht machen sollte (sagten Mami und Papi).

Er war schon groß, ging schließlich in den Kindergarten, hatte viele Freundinnen und sagte den anderen Kindern wo es lang ging.

Andy drückte nur seine Hand, sagte aber kein Wort.

Engel, die einander helfen. Copyright: Reni 1575-1642, Guido, Bologna, Italy / Visipix.com
Engel, die einander helfen. Copyright: Reni 1575-1642, Guido, Bologna, Italy / Visipix.com

Nun sahen die beiden Buben, Hand in Hand stehend, wie sich der Himmel öffnete, ein großes goldenes Loch entstand und eine wunderbare, zarte leise Musik erklang. Ein großes Glücksgefühl überkam die Kinder!

Doch was geschah jetzt!?? Plötzlich schwebten Hunderte von kleinen Engeln mit leuchtenden Gewändern auf der Leiter zur Erde nieder. In den Händen hielten die Engel viele Geschenkpakete. Die kleinsten Engel purzelten manchmal ein Stück die Leiter herunter, aber immer war ein größerer Engel zur Stelle, um die Kleinen wieder aufzufangen und keiner der Engel verlor dabei ein Paket.

Plötzlich sagte eine Stimme, „ Hallo Ihr Zwei, solltet Ihr denn nicht schon schlafen?“ – Die Buben fuhren erschrocken zusammen. Neben ihnen stand der Weihnachtsmann und ein großer Engel.

Der Engel hatte langes goldenes Haar und ein blaues Gewand, so blau wie der Himmel, und viele goldene Sterne leuchteten auf dem blauen Gewand.

Andy staunte nur und auch Felix hatte es die Sprache verschlagen – er schluckte nur schwer!

Der Weihnachtsmann lachte. Mit seinem langen weißen Bart, mit seinen dicken Stiefeln und dem roten langen Weihnachtsmantel sah er einfach toll aus. Mit seinen tiefblauen freundlichen Augen strahlte er die Kinder an, zwinkerte und sagte „Wollt Ihr mich ein kleines Stück begleiten?“ – Beide nickten mit dem Kopf und klein Felix meinte kess:

„Ja schon – Dürfen wir?“

Dann sahen die Kinder auch schon einen riesengroßen Schlitten, gezogen von 16 Rentieren, geschmückt mit silbernen Glöckchen und silbernem Zaumzeug.

Das Gespann kam direkt auf sie zugefahren, nein, was sag ich denn, sie schwebten und machten kaum ein Geräusch, nur die silbernen Glöckchen klangen in der kalten Winternacht.

„Oho“ – sagte der Weihnachtmann, „Ihr seid ja ganz pünktlich“.

Er streichelte die Rentiere und gab jedem ein großes Stück Zucker.

Sie hatten noch eine große lange Fahrt vor sich und durften nicht so bald müde werden. Alles ging auf einmal sehr schnell, die vielen Engel legten ihre Pakete auf den Schlitten, winkten den Kindern und flugs waren sie die große Himmelsleiter wieder hinauf geklettert und hinter dem mächtigen, goldenen Himmelstor verschwunden.

So schnell wie die Leiter ausgefahren war fuhr sie auch wieder in den Himmel zurück. Die leise Musik verstummte, das rote Licht erlosch und alles war wie immer, dunkler Himmel mit vielen glitzernden Sternen, der Mond leuchtete schwach weit oben am Himmel und manchmal fiel eine Sternschnuppe zur Erde.

Aber der Weihnachtsmann, der große Engel und der Schlitten mit seinen Rentieren waren noch da.

Die Kinder saßen jetzt vorne auf der Schlittenbank aneinander gekuschelt neben dem Weihnachtsmann, der Engel saß hinter ihnen und passte auf, dass die beiden nicht herunterfielen.

Der Weihnachtsmann schnalzte mit der Zunge und los ging die Fahrt. Es war affengeil! Andy dachte bei sich *** fast so schnell wie im Flugzeug ***.

Nach einer Weile, man hörte nur die Glöckchen, vernahm man ein kleines zaghaftes Stimmchen: „Es ist so dunkel, ich sehe gar nichts, wo fahren oder fliegen wir denn hin?“

Der Weihnachtsmann antwortete: „hab keine Angst, wir sind bald bei unserem ersten Kind. Ich muss dieses Jahr besonders viele arme, kranke, traurige und hungernde Kinder besuchen. Zu vier verschiedenen Kindern kann ich euch mitnehmen, und zu zwei ganz besonderen Adressen, aber dann müsst Ihr ganz schnell wieder heim ins Bett. Schließlich soll euch die Mami oder der Papi am Morgen wieder in eurem Bett vorfinden. Und dann wird eure Mami für euch ein ganz besonderes Frühstück machen – Pfannkuchen mit viel, viel Rosinen – Ihr werdet sehen!“

Kaum hatte der Weihnachtmann zu Ende gesprochen, waren sie auch schon bei dem ersten Kind angekommen.

Der Schlitten hielt an und alle stiegen ab.

Hier war es schon hell und Andy fragte: „Wo sind wir hier?“

Der Weihnachtsmann antwortete: „Wir sind sehr weit geflogen, wir sind in Afrika.

Dieses Mädchen hier ist etwas ganz Besonderes, sie ist immer gut zu den Menschen gewesen, aber jetzt ist sie furchtbar traurig, ihre Eltern sind beide gestorben.

Sie ist ganz alleine auf der Welt, ohne Großmütter und Großväter, ohne Tanten und Onkels.“ –

Andy wurde ganz nachdenklich, „ was haben wir doch für ein Glück“, dachte er, „wir haben so viele Omas und Opas, dass wir ihnen schon Beinamen geben müssen.“

Die älteste Oma, die vom Bauernhof unten, hat immer viele Schmerzen und kann nicht mehr richtig gehen.

Die Fisch-Oma und der Opa sind immer lustig. Der Fisch-Opa spielt viel mit Andy und Felix und die Fisch-Oma hat immer viel Süßes und Eis bereit, wenn wir sie besuchen. Dann gibt es die Holz-Oma und den Holz-Opa, beide haben immer Zeit für uns. Der Holz-Opa hat ganz tolle Uhren und die Holz-Oma backt immer so leckere Kuchen.

Die Rosenheimer Großmutter und der Großvater wohnen jetzt in Spanien an einem großen Meer. Die sehen Andy und Felix nicht mehr so oft, aber wenn, ist immer etwas Besonderes los.

Im vergangenen Sommer haben wir mit Mami und Papi die Großeltern in Spanien besucht, es war dort ganz toll, das Meer war ganz warm und immer schien den ganzen Tag die Sonne. Im nächsten Jahr fahren wir bestimmt wieder hin.

Als er gerade an seine Tanten und Onkels dachte, unterbrach ihn der Weihnachtsmann in seinen Gedanken. Er gab Felix ein ganz großes Paket und dem Andy ein ganz kleines Paket. –

„ Das ist aber leicht,“ sagte Felix und der Weihnachtsmann antwortete, „in diesem Paket ist viel Freude am Leben, Mitgefühl und Liebe zu den Mitmenschen, das wird die kleine Tita brauchen“.

„ Aber mein kleines Paket ist so schwer“, ächzte Andy.

„ Ja, in diesem Paket sind Goldmünzen und wenn Tita welche braucht, nimmt sie einige davon für die armen Menschen hier. Solange Tita für die Menschen hier sorgt, wird das Paket niemals leer.“

Beide Kinder gingen auf ein kleines rundes Haus zu, es war ohne Fenster und Türen. Das Haus hatte nur ein einziges rundes Zimmer. In der Mitte stand ein Bett, Tita saß auf dem Bett, Sie war gerade mal zehn Jahre alt und hatte große, runde dunkle Kulleraugen, die mit Tränen gefüllt waren und auf ihr Bett tropften.

Als sie den Weihnachtsmann, die Buben und den Engel sah, begannen ihre Augen zu leuchten und zu glänzen vor Glück. Der Weihnachtsmann sagte nur: „Hüte diese Schätze gut und sorgsam.“ Tita nickte und lachte, sie war glücklich. Andy drückte ihr noch eine kleine Puppe in die Hand und ehe sie sich‘s versahen, saßen sie schon wieder im Schlitten auf dem Weg zum nächsten Kind.

„Hallo, aufgewacht“, rief der Weihnachtsmann, „wir sind schon in Amerika“.

Andy und Felix waren etwas eingenickt, die Glöckchen klangen so schön beruhigend und alles war bisher so aufregend gewesen.

Sie hielten vor einem riesigen großen weißen Gebäude mit vielen Fenstern. Die ersten Sonnenstrahlen trafen das Gebäude und es sah so friedlich aus.

Aber dann sah Andy die vielen Krankenwagen und den Hubschrauber.

„ Ja“, sagte der Weihnachtsmann, „wir sind an einem Krankenhaus.“

Der Schlitten mit den Rentieren blieb plötzlich mitten in der Luft stehen, ein großes Fenster wurde geöffnet, und nun geschah etwas Wunderbares; der Weihnachtsmann, der Engel, Andy und Felix flogen einfach durch die Luft, dann durch das geöffnete Fenster in ein schönes Zimmer mit einem Krankenbett.

Jack, so hieß der kleine Junge, lag in diesem Bett. Er war erst drei Jahre alt und wartete schon auf den Weihnachtsmann. Vor Aufregung hatte Jack ganz rote Wangen.

Er sollte heute operiert werden. Er wusste nicht was das war, aber er hatte Angst.

Der Weihnachtsmann sagte, „ hab keine Angst, es wird alles gut werden. Hier ist ein goldener Ball für dich. Du wirst einmal ein ganz großer Fußballstar werden, viel Geld verdienen und den Menschen helfen.“

Und schwups, waren sie auch schon wieder unterwegs.

Andy sah unter sich ein Schloss mit einem großen Garten, Springbrunnen, eine große Wiese, Bäume und einige Pferde.

Auf der Wiese spielte ein kleiner Junge, so alt wie Andy.

Auf dieser Wiese gab es alles an Spielzeug, was sich ein kleiner Junge nur wünschen konnte. Eine große Eisenbahn, Rutschen, Schaukeln, Autos groß und klein und vieles mehr.

„Aber Weihnachtsmann“, sagte Andy, „dieser Junge ist doch gar nicht arm.“

„Oh doch,“ sagte der Weihnachtsmann, „ er hat alles was er möchte, aber keiner hat ihn lieb. Seine Eltern arbeiten und arbeiten und haben keine Zeit für ihn. Er ist immer alleine und hat keine Freunde zum Spielen. Er ist immer traurig, weil er so alleine ist.

Er darf auch nicht in die Schule gehen, die Eltern fürchten, ihr Junge könnte entführt werden, weil die Eltern so schrecklich reich sind. Er muss immer zu Hause bleiben und ein Lehrer kommt jeden Tag zu ihm ins Haus, denn er muss wie alle Kinder viel lernen.“

Und schon hielt der Schlitten auf der Wiese an.

Der kleine Junge war ein englischer Lord mit grünen Augen, rotem Haar und vielen Sommersprossen, er hieß Mike.

Kaum sah er den Schlitten, jauchzte er und lief mit Windeseile auf den Schlitten zu.

Der Weihnachtsmann gab Felix ein kleines weißes Kätzchen und Andy einen kleinen schwarzen Hund.

Die beiden Tiere waren so süß, sie sahen aus wie Blacky und Whity. Mike breitete seine Arme aus und nahm ganz vorsichtig klein Whity und Blacky entgegen.

„Nun hat er etwas zum lieb haben und die Tiere werden Mike lieb haben“, sagte der Weihnachtsmann.

Mike streichelte seine beiden Lieblinge und gab ihnen ein Bussi aufs Schnäuzchen und husch war der Schlitten schon wieder unterwegs.

„Nun fahren wir zur Irmgard. Das ist eine junge Frau, die wir jetzt besuchen.

Sie sitzt in ihrem Rollstuhl und hat ein schreckliches Erlebnis hinter sich. Bei einem Verkehrsunfall hat sie ihre Familie verloren, ihren Mann und ihre beiden kleinen Kinder. Tom war erst drei Jahre und Verona sieben Jahre alt. Alle drei sind im Himmel und es geht ihnen sehr gut. Irmgard selbst kann nicht mehr gehen und möchte am liebsten auch sterben. Aber sie hat eine wichtige Aufgabe hier auf Erden zu erledigen, sie muss sehr stark werden, um anderen Menschen helfen zu können. Dabei muss ich ihr zuerst selbst helfen“.

„Wisst ihr, jede Nacht, wenn Irmgard schläft, ist sie im Himmel bei ihrer Familie, erlebt alles mit ihnen, freut sich über ihre Kinder, spricht mit ihrem Mann.

Eigentlich ist alles so wie es auf der Erde war, nur weiß sie das am anderen Tag nicht mehr. Da sie fortwährend tags und auch teilweise nachts in Liebe an ihre verlorene Familie denkt, ist sie nachts mit einer Silberschnur verbunden, um bei ihnen sein zu können.

Die Familie kann sehen, dass sie noch eine Weile auf der Erde verweilen muss und wartet auf sie.“

Mit einem Ruck stand der Schlitten still, der Weihnachtsmann stieg aus.

„Ihr wartet hier auf mich, es dauert nicht zu lange.“

Andy und Felix sahen den Weihnachtsmann im Wohnzimmer stehen, er reichte

Irmgard die Hand, sagte etwas, Irmgard stand aus dem Rollstuhl auf, machte ein paar Schritte zum Fenster, strahlte über das ganze Gesicht, man konnte direkt fühlen wie glücklich sie war.

Ja und dann blieb dem Andy und dem Felix vor Überraschung der Mund offen stehen.

Der Weihnachtsmann und Irmgard flogen so einfach Hand in Hand in den Himmel hinaus. Lange konnte man sie mit den Augen verfolgen, denn da wo Irmgard und der Weihnachtsmann hinflogen, war es hell und golden, wie ein breiter Pfad.

„Schwups, jetzt sind sie weg“, meinte Felix, Andy kniff sich vorsichtshalber mal ins Bein, er glaubte auch zu träumen, aber es tat richtig weh, war wohl etwas zu stark gewesen.

Danach kam ihnen alles recht dunkel vor und siehe da, der Weihnachtsmann saß wieder neben ihnen im Schlitten.

„So“, meinte er zufrieden, „Irmgard darf jetzt bei ihrer Familie im Himmel Weihnachten feiern. Danach wird sie auf die Erde zurückkehren und den Menschen erzählen, wie schön es hier oben ist, sofern man auf Erden nicht zu böse war. Damit wird sie vielen unglücklichen Seelen helfen können“.

„Und nun fahren wir zu einem ganz besonderen Ort“, sagte der Weihnachtsmann, „wir müssen uns beeilen, es wird bald hell werden.“

Die Kinder spürten, dass der Schlitten schneller wurde, Andy dachte noch, nun hat der Weihnachtsmann den zehnten Gang eingelegt.

„Wir fahren jetzt in das Zentrum der Erde, in das Wohnzimmer der Kinder“, sagte der Weihnachtsmann.

Es dauerte nicht lange und sie hielten vor einer riesigen Halle.

Die Halle war mit vielen leuchtenden Sternen geschmückt.

Als sie mit dem Schlitten in die Halle fuhren, begannen alle Kinder gleichzeitig an zu singen und zu klatschen.

In der Mitte der Halle stand ein großer Christbaum, geschmückt mit Kerzen, bunten Kugeln und viel Lametta.

Es waren sehr viele Kinder in der Halle, bestimmt tausend oder noch mehr, große und kleine, mit weißer, brauner, gelber und roter Hautfarbe. Sie waren aus allen Ländern der Welt. Alle Kinder waren glücklich, lachten und freuten sich.

Auch Andy und Felix lachten und sangen und tanzten mit den anderen um den Christbaum herum. Es war einfach wunderschön.

Dann wurde es auf einmal sehr still, alle Kinder holten sich ein kleines Kissen.

Auch Andy und Felix bekamen vom Weihnachtsmann ein Kissen, dazu erklärte er den beiden, „jetzt müsst ihr besonders gut aufpassen, denn was nun geschieht, ist einmalig auf der ganzen Welt. Ihr wisst ja sicherlich schon, dass man in einem speziellen Gerät die ausgesendeten Gedanken sichtbar machen kann. Sie werden so wie die Herztöne bei einem EKG, das ist ein Gerät für das Herz, auf einem Papierbogen aufgezeichnet. Positives, das heißt nur Gutes denken, ist körperlich und seelisch die beste Medizin, sie kommt immer wieder als etwas Positives und mit viel Glück zu dir zurück, egal wie schlecht es euch einmal im Leben gehen sollte.“

„Ach“, meinte Klein-Felix, „das verstehe ich nicht.“

„Das ist ganz einfach“ sagt der Nikolaus, „du setzt dich hin, faltest deine Hände so wie in der Kirche und denkst ganz, ganz fest an gute Dinge für die anderen Menschen, für deine Eltern, die Verwandten, Kinder im Kindergarten, deinen Bruder und natürlich an dich selbst, was du alles besser machen kannst. Zum Beispiel deinen Bruder nicht immer ärgern, nicht immer alles besser wissen usw. und plötzlich, wenn deine Gedanken ganz stark und aufrichtig sind, werden lauter kleine Hubschrauber aus deinem Kopf in den Himmel steigen. Jeder Hubschrauber hat eine andere Farbe und je höher sie steigen und je schneller sie in den Himmel düsen, je besser warst du. Bei vielen Kindern sind es inzwischen schon kleine Raketen geworden, sie sind alle glücklich, gesund und sehr zufrieden. Nach einiger Zeit habt ihr darin auch Übung, man kann natürlich auch für andere Personen einiges erbitten.“ Diese Kinder wissen das alle, sie senden jeden Tag zu einer bestimmten Zeit ihre Gedanken zum Himmelsvater.“

Andy und Felix staunten nicht schlecht, da saßen doch tatsächlich an die 1000 Kinder auf ihren kleinen Kissen, im Schneidersitz, rund um den riesigen Weihnachtsbaum, die Händchen zum Gebet erhoben und die kleinen Köpfe geneigt und dazu war es mucksmäuschenstill, nur leise Musik spielte im Hintergrund.

„So, ihr Zwei, setzt euch auch auf eure Kissen und denkt an etwas sehr Gutes.“

Das war gar nicht so leicht, was sollte man da nur denken.

Andy überlegte nicht lange, dachte an seinen Freund, der gerade mit starker Grippe im Bett lag. Er sollte schnell gesund werden, damit sie wieder zusammen spielen konnten.

Aber da sagte eine Stimme in ihm, du denkst schon wieder an dich, du sollst nur an die anderen denken.

Mh, mh, lassen wir das Spielen weg, er soll schnell wieder gesund werden, damit es ihm wieder gut geht. Ich werde mein ganzes Taschengeld nehmen und Mami und Papi etwas Schönes zu Weihnachten schenken, mh, mh, und meinem Bruder auch mh, mh.

Es war gar nicht so leicht an etwas Gutes zu denken.

Da hatte es Felix einfacher, er dachte, die kranke Oma sollte schnell gesund werden, er mochte sie recht gerne, sein Spielzeug bekommen die armen Kinder und wenn Mami etwas sagte was er tun sollte, wollte er es ohne zu maulen auch gleich machen.

Das Aussenden der guten Gedanken dauerte zwar nur zehn Minuten, aber manchen Kindern kam es wie eine Ewigkeit vor.

Danach wurde die Musik lauter, die Kinder standen auf, fassten sich bei den Händen

und alle sagten gemeinsam einen einzigen, positiven Satz: „Wir werden immer zuerst an die anderen denken und versuchen ihnen zu helfen, solange wir leben.“

Felix war sprachlos und Andy dachte sofort, „au Backe das wird schwierig“.

Der Weihnachtsmann lachte, „das wird schon, mit der Zeit werdet ihr automatisch so denken und helfen, die Welt ein wenig zu verändern. So nun noch schnell unsere Gaben verteilen, diese Kinder waren recht eifrig und ausgesprochen brav dieses Jahr und haben sich ein Geschenk redlich verdient“.

Die Pakete aus dem Schlitten waren schnell verteilt, auch Andy und Felix bekamen ein kleines Paket. Was da wohl drin war?

Viele, viele Kinder nahmen Abschied von Andy und Felix, sie wurden von vielen sogar

umarmt, es war als ob man sich als Freunde schon immer kannte und wusste, wir sehen uns irgendwann einmal wieder.

Dann kam auch schon der Engel, nahm die beiden an die Hand, führte sie zum Schlitten und ab ging die Fahrt zurück nach Hause.

Unterwegs sahen sie durch eine Lücke in den Wolken viele Kinder, die zu Hause ihr Spielzeug einpackten.

„Was machen die Kinder da unten?“, fragte Felix.

„Sie packen alle ihre alten Spielsachen ein, die sie nicht mehr brauchen und mit denen sie nicht mehr spielen. Sie haben viel zu viel davon. Die Spielsachen kommen in einen großen Karton und werden in das Wohnzimmer der Kinder geschickt,“ sagte der Weihnachtsmann.

„So Ihr Zwei, jetzt schnell ins Bett und noch eine Runde schlafen. Ich muss weiter und habe heute noch sehr viel zu tun.“

Der Engel segnete die beiden Buben noch für ihr Leben lang.

Am nächsten morgen war es sooo still im Kinderzimmer, zu still, verdächtig still.

Mama Claudia und Papa Arno trauten dem Frieden nicht.

Beide gingen leise zum Kinderzimmer und schauten vorsichtig hinein.

Jedes Kind hatte einen Karton vor seinem Bett stehen und mit großem Ernst wählten sie ihr Spielzeug aus, nahmen dann die ausgewählten Sachen und legten sie vorsichtig in den Karton.

„Was macht Ihr da?“, fragten die Eltern erstaunt wie aus einem Mund.

„Wir packen unser altes Spielzeug ein für das Wohnzimmer der Kinder, wir haben ja so viel davon“, sagten die Buben.

Die Eltern schauten sich nur an und eine kleine vorwitzige Träne bahnte sich ihren Weg über die Wange zu ihren Herzen.

Ach, was haben wir doch für herrliche Kinder!!!

Auf dem Frühstückstisch lagen zwei riesige Pfannkuchen mit vielen Rosinen.

Andy und Felix schauten sich fragend an. –

Haben wir nur geträumt oder war alles Wirklichkeit?

Was war nur in den zwei Paketen vom Weihnachtsmann?

Waren auch diese Pakete geträumt oder waren sie Wirklichkeit?

 

Ingeborg Eisenreich- Kaufel ist Kinderbuchautorin."Die Himmelsleiter" schrieb sie für die Epoch Times Deutschland.

 

 

 

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