Kultur – Die „Miss Tschörmänie“ der Politik – Holger Mehlig
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Der erste Comic über Merkels Lebensweg Die „Miss Tschörmänie“ der Politik

Holger Mehlig

02.07.2009

Bundeskanzlerin Angela Merkel als witzige Comicfigur: Die Journalistin Miriam Hollstein und der Karikaturist Heiko Sakurai haben den ersten Comic über den Lebensweg der CDU-Chefin kreiert und in Berlin vorgestellt. Auf amüsante und informative Art zeigen sie in "Miss Tschörmänie", wie aus der märkischen Pfarrerstochter die erste Frau auf dem Kanzlerstuhl wurde. (AP Photo/Herbert Knosowski)
Bundeskanzlerin Angela Merkel als witzige Comicfigur: Die Journalistin Miriam Hollstein und der Karikaturist Heiko Sakurai haben den ersten Comic über den Lebensweg der CDU-Chefin kreiert und in Berlin vorgestellt. Auf amüsante und informative Art zeigen sie in "Miss Tschörmänie", wie aus der märkischen Pfarrerstochter die erste Frau auf dem Kanzlerstuhl wurde. (AP Photo/Herbert Knosowski)

Berlin – Biografien über Kanzlerin Angela Merkel gibt es viele. Die Journalistin Miriam Hollstein und der Karikaturist Heiko Sakurai haben nun den ersten Comic über ihren Lebensweg kreiert. In „Miss Tschörmänie“ zeigen sie auf zumeist amüsante und informative Art, wie aus der märkischen Pfarrerstochter die erste Frau auf dem Kanzlerstuhl wurde – und wie sie dabei mehr oder weniger charmant ihre zahlreichen männlichen Parteifreunde aus dem Weg räumte.

Mit dabei ist natürlich auch ihr „Lieblingsfeind“ aus der SPD, ihr Vorgänger im Kanzleramt, Gerhard Schröder. Dieser, so will es die Story, sitzt nun zusammen mit dem Ex-Anwärter auf den Kanzlerposten, Edmund Stoiber (CSU), am Nachmittag der Bundestagswahl 2009 in einer Bar in Berlin-Mitte.

Zusammen trinken die beiden abgehalfterten Politiker ein Glas Bier und Wein nach dem anderen und warten auf die ersten Prognosen – und übertreffen sich dabei im Laufe der Geschichte in gemeinen Kommentaren. Sie wirken dabei ein wenig wie die beiden alten Männer in der Muppet-Show-Loge -, nur dass ihr Witz doch zumeist ein wenig altbacken und albern wirkt. Was zu dem Comic eigentlich gar nicht passt.

Stringent und an Fakten orientiert

Denn ansonsten ist er stringent, an den Fakten orientiert und mit viel Text erzählt. Wie Sakurai es in seinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen schafft, mit wenigen Strichen die Kanzlerin zu skizzieren, um sie dann mit nur kleinen Veränderungen changieren zu lassen, sie von einer kühlberechnenden zur zweifelnden Frau zu verwandeln, ist großartig. Text wäre gar nicht nötig, um ihre Genugtuung nach dem Rücktritt Stoibers vom Amt des bayerischen Ministerpräsidenten zu zeigen.

Hollstein beschreibt anhand zahlreicher Episoden, wie Merkel mit Gespür, Taktik und Förderern wie Helmut Kohl Karriere macht. Die Biografie geht auch in die Tiefe: So ist zu sehen, wie es zum sogenannten Andenpakt junger aufstrebender CDU-Politiker wie Peter Müller, Christian Wulff und Roland Koch kam – und wie Merkel sich gegen die Männerseilschaft behauptete. Manche Details werden offenbar: Ihr Mann Joachim Sauer, der Auftritte in der Öffentlichkeit scheut, taucht auch im Comic nur einmal auf – beim Grillen mit George W. Bush in Trinwillershagen – sein Gesicht ist von Rauchschwaden verdeckt.

„Bisschen schleimig, der Jacques“

Amüsant sind die Gedanken, die Merkel und Co. unterstellt werden. In der legendären Elefantenrunde nach der Bundestagswahl 2005, als Schröder Merkels Sieg nicht anerkennen wollte und sie fragte, ob sie allen Ernstes glaube, dass seine SPD sie zur Bundeskanzlerin mache, sitzt Merkel zusammengesunken auf ihrem Stuhl: „Jetzt bloß nicht heulen“, ist in der Gedankenblase zu lesen. Und als der französische Präsident Jacques Chirac ihr ein Handküsschen aufdrückt: „Bisschen schleimig, der Jacques.“

Auch aktuelle Debatten sind enthalten: Umweltgesetzbuch, der Streit mit dem Papst über die Pius-Brüder und natürlich die Finanz-und Wirtschaftskrise. Am Ende sind Schröder und Stoiber vor ihren Gläsern eingeschlafen. Merkel spricht das Schlusswort: „Ihr Jungs seid Vergangenheit, ich aber bin Geschichte.“

Das 64-seitige Buch ist im Eichborn-Verlag (ISBN 978-3-8218-6063-3) erschienen. Es kostet 9,95 Euro. (AP)

 

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