Städtereisen - Kulturreisen - Kurztripps – Die Normandie putzt die Schmuckstücke ihrer Schatzkammer – Bernd Kregel / Gastautor
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In neuem Licht + Fotogalerie Die Normandie putzt die Schmuckstücke ihrer Schatzkammer

Bernd Kregel / Gastautor

08.08.2012

Mont St. Michel: Kapelle von Erzengel Michael „mit Nachdruck“ eingefordert.  Foto: Bernd Kregel
Mont St. Michel: Kapelle von Erzengel Michael „mit Nachdruck“ eingefordert.

Foto: Bernd Kregel

Stolze Mauern des Mont St. Michel

Massiver Druck als pädagogisches Mittel? Die Pädagogen rümpfen heute die Nase. Und doch sahen früher selbst Heilige darin ein bewährtes Mittel, um jemand „mit Nachdruck“ auf die Sprünge zu helfen. Der konkrete Anlass: Zweimal schon hatte Erzengel Michael – so erzählt man sich an der normannischen Kanalküste – den Bischof Aubert von Avranches erfolglos aufgefordert, auf dem weithin sichtbaren Mont St. Michel eine Kapelle zu errichten. Schließlich erschien er diesem erneut im Schlaf und drückte ihm mit dem Daumen ein Loch in den Schädel, der noch heute ziemlich ramponiert im Museum bestaunt werden kann. Das saß, und bereits wenig später war, wie man sich denken kann, das gewünschte Bauwerk vollendet.

Zumindest in der ersten Version. Denn auch in der Folgezeit baute man das Felsgemäuer nach den jeweiligen Bedürfnissen um und demonstrierte auf diese Weise dessen herausragende Bedeutung inmitten von Schlick und Schlamm. Ob wohl auch Erzengel Michael vor über tausend Jahren schon ahnte, dass der solide Burgberg bis in die Neuzeit hinein niemals von einer feindlichen Macht eingenommen würde? Denn selbst die Engländer holten sich im Hundertjährigen Krieg an den stolzen Mauern blutige Nasen. Aber erst dann, wenn ihnen die Gezeiten, die sich hier in der unglaublichen Differenz von fünfzehn Metern auf und ab bewegen, das militärische Abenteuer nicht bereits im Vorfeld zunichte gemacht hatten.

Zugleich war der wehrhafte Mont St. Michel natürlich auch ein geistliches Zentrum, das über die Jahrhunderte hinweg an der klösterlichen Bestimmung des Betens und Arbeitens festhielt. Bis in unsere Tage, wie eine Nonne des Berges – nennen wir sie Marie – am eigenen Beispiel erklärt. Sieben Schwestern und sechs Brüder sind es, die hier morgens auch außerhalb des Klosters ihrer Beschäftigung nachgehen. Als Computer-Fachfrau arbeitet sie zusätzlich an einer christlichen Website und muss sich nun sputen, rechtzeitig an ihrem Platz zu sein. So beendet sie das kurze Gespräch mit einem freundlichen Lächeln, und schon ist sie in einem der schmalen Gässchen am steilen Berghang verschwunden.

 

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