Aktuelle Nachrichten – Städtereisen & Kulturreisen
16.09.2011
Foto: Ingrid Wittig/The Epoch Times
„Preußisch Grün“- Erkundungstouren per Wasser und zu Lande. Die vielseitige Veranstaltungsserie „Preußisch Grün“, die durch die einzigartigen königlich-preußischen Gärten in Potsdam Sanssouci, in Babelsberg und auf die Pfaueninsel führt, zählt zu den beliebten Erkundungstouren der Berliner und ihrer erlebnishungrigen Touristen.
Eine besondere Augenweide ist es, bei schönem Wetter ab Berlin Wannsee Richtung Pfaueninsel auf dem Oberdeck eines der Schiffe der Stern und Kreis Schifffahrt zu sitzen, in das silberglänzende Wasser der Havel zu schauen, die vielen Segelboote, die lautlos vorbeiziehen, zu betrachnten, die Landschaft, den Wind und die Sonne zu genießen.
In eine Rolle schlüpfen
Die neugierige Blicke der Fahrgäste bleiben plötzlich an einem Mann hängen, der ungeduldig darauf wartet, als Hermann Fürst von Pückler-Muskau vorgestellt zu werden. Man sieht ihm die Erleichterung an, nachdem das ein Mitglied der Besatzung übernommen hat. Der Schauspieler erklärt, dass es ihm ein Vergnügen sei, in die Rolle des 1785 geborenen Landschaftsarchitekten, Schriftstellers und Weltreisenden hinein geschlüpft zu sein, um unter anderem so manche interessante Geschichte über die Weiterentwicklung englischer Parkideen in Deutschland zu erzählen. Er plaudert darüber, dass er Lenné kenne, der weite Teile der Pfaueninsel gestaltet habe und sein Bekanntheitsgrad in Potsdam und Babelsberg ebenso groß sei wie der von Lenné.
Gleichzeitig versteht er es, die Passagiere neugierig auf einen Spaziergang mit ihm durch den Babelsberger Park am Sonntag, dem 18.09.2011, zu machen. Dann dreht er seinen Kopf mit dem Zylinder lächelnd zur Pfaueninsel und weist darauf hin, dass er jetzt nicht an Land gehe, sondern weiter zum Neuen Garten führe, um sich dort mit standesgemäßen Freunden zu treffen.
Pfaueninsel
Da es für Linienschiffe keine Anlegestelle auf der Pfaueninsel gibt, ist die kurze Überfahrt mit dem Fährschiff eine Ouvertüre für das Erleben dieses besonderen Gartens. Ganz unterschiedlich wirkt die Behandlung von Außenansicht und Innenraum der Pfaueninsel auf ihre Besucher. Das Ufer ist vom Wasser aus durch Bäume und steile Böschungen verdeckt. Es wurde nie gestaltet und bewahrt bis heute noch etwas von der geheimnisvollen, ursprünglichen Wildnis. Umso überraschender erscheint das vielgestaltige Innere der Insel. Es empfängt den Besucher schlichte Ländlichkeit. Unmittelbar an der Landungsstelle des Fährschiffes stolpert man fast in das alte Fährhaus, das rekonstruiert worden ist und heute als Inselshop viel Interessantes über die Lebensgewohnheiten von Friedrich Wilhelm II. zum Stöbern und Kaufen anbietet. Er erwarb die Rechte an der Pfaueninsel im November 1793.
Am Fährhaus erhält man auch einen Hörstationen- und Inselplan, der die Erkundungstour unterstützt, indem er historische Gebäude und weitere besichtigungswürdige Orte anzeigt.
Das Schloss und der Landschaftsgarten
Friedrich Wilhelm II. ließ 1794 für sich und seine Geliebte Wilhelmine Encke, die spätere Gräfin Lichtenau, ein ländliches Lustschloss auf der Pfaueninsel bauen. Aus der Nähe wirkt der mit Holzbohlen verkleidete Fachwerkbau wie die romantische Kulisse einer Ruine. Und so sollte das Schloss auch aussehen. Im Kontrast dazu überrascht die prächtige frühklassizistische Inneneinrichtung. Sie vermittelt ein authentisches Bild höfischer Wohnkultur um 1800.
Ab 1797 verbrachte König Friedrich Wilhelnm III. mit seiner geliebten Königin Luise viele Sommertage auf der Pfaueninsel. Sie starb 1810. Im Jahr 1818 erhielt Peter Joseph Lenné vom König den Auftrag, große Teile der Insel zu einem Landschaftsgarten umzugestalten. Die Wege wurden so angelegt, dass die mächtigen etwa 400 alten Eichen oftmals als Blickpunkte fungierten. Charakteristisch für die Landschaftsgestaltung sind die vielfältigen Sichtachsen zu den auf der Insel befindlichen Bauwerken, zum Beispiel zur Meierei. Sie bilden Ausgangspunkte für die Anlage verschlungener Wege und Gartenflächen mit etwa 10.000 Pflanzen, die heute noch auf der Insel gezüchtet werden. Zu ihnen gehören zum Beispiel Bananen-, Mangold -, Rhabarber-, Artischocken-, Tabak-, Süßkartoffel- und Rizinuspflanzen.
Alle Wege führen fast unauffälllig zum Schloss. Zwischen den Rundbeeten am Schloss und auf den Wiesen sind viele freilebende Pfaue zu sehen, die wegen ihrer Schönheit jedes Besucherherz höher schlagen lassen. Sie gaben der Insel ihren Namen.
Die Insel ist heute ein kulturgeschichtliches Zeugnis von seltener Geschlossenheit und Originalität und ein äußerst wertvolles Naturreservat. Bei den Erkundungsspaziergängen über die Insel werden Geschichte und zeitlose Natur bewusst. So wichtig wie die Wege als geistige Leitlinie waren, so wenig durften sie das Bild der schönen Natur stören. Man verbarg sie durch Bodenwellen oder deckende Buschgruppen. Im Bereich der großen Schlosswiese ist das deutlich zu beobachten.
Zeitzeugen am Schloss
Die Pfaueninsel galt als bevorzugter Ort der privaten Selbstdarstellung des preußischen Königshofes. Um den Besuchern in unserer Zeit das Lustwandeln durch den Schlossgarten um 1800 schmackhaft zu machen, erhält das "Paretzer Liebhabertheater" von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten hin und wieder Einladungen, um in Originalkostümen den Park zu beleben. So war es nicht verwunderlich, dass Friedrich Wilhelm II. mit seinem Gefolge plötzlich vor uns auftauchte, um sich an den blauen Hortensien, die er besonders gern mag, fotografieren zu lassen.
Viele Pfaueninsel-Besucher verlassen nach zwei bis drei Stunden diesen Ort, um noch eine Schiffstour zum nördlichen Teil des Neuen Gartens zu unternehmen. Da das Schiff direkt am Cecilienhof anlegt, liegt die Besichtigung des Schlosses im englischen Landhausstil nahe. Das Ensemble wurde (1913 -1917) für Kronprinz Wilhelm und seine Gemahlin Cecilie erbaut und ist in seinem Erscheinungsbild den landschaftlichen Gegebenheiten perfekt angepasst worden. Die gepflegten Innenhöfe überraschen die Besucher. Wunderschöne Formgehölze wechseln sich mit Nutzpflanzen und Blumen ab und sind farblich perfekt aufeinander abgestimmt.
Der Landschaftsgarten entstand Ende des 18.Jahrhunderts durch Lenné. Es war eine Zeit, in der sich die Mode von strengen höfischen Formen löste. Mit dem Neuen Garten und seinen Bauten distanzierte sich König Friedrich Wilhelm II. bewusst von der barocken Gartenanlage Sanssouci- dem Schaffenswerk seines Onkels, dem "Alten Fritz".
Der Garten gliedert sich nach englischem Vorbild in relativ abgeschlossene Gartenpartien. Bereits vorhandene und in seine Planung einbezogene Gartenhäuser sind heute noch vorhanden. Sie werden nach ihrer Farbgebung weißes, braunes, rotes und grünes Haus genannt.Lenné schuf nach englischem Vorbild eine Parkanlage mit geschwungenen Wegen, weiten Grünflächen und natürlichem Baumbewuchs.
Auch hier sind die Sichtachsen wie auf der Pfaueninsel wichtiges Element der Landschaftsgestaltung.Sie ermöglichen über das Wasser hinweg Blickverbindungen zu den Gärten von Sacrow, zur Pfaueninsel, nach Glienicke, Potsdam, Babelsberg und Pfingstberg.
Meierei
Direkt am Anlegesteg Cecilienhof befindet sich die Meierei. Das Gebäude entstand 1790. Der königliche Hof wurde zu dieser Zeit von hier aus mit frischen Milchprodukten beliefert. Heute ist die Meierei eine Gasthausbrauerei. Wem nach dem langen Tag der Sinn nach einem selbstgebrauten Bier steht, sollte unbedingt hier rasten, weil es außerdem noch einen kostenlosen herrlichen Weitblick über den Jungfernsee gibt.
Auch im Herbst sind die Spaziergänge mit Zeitzeugen durch die königlich-preußischen Gärten empfehlenswert.
Informationen für Schifffahrten: www.sternundkreis.de; Telefon: 030/53 63 60-0,
für die landschaftlichen Erkundungsziele: www.spsg.de/preussisch-gruen
und info@spsg.de
Telefon Besucherzentrum: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten 0331/96 94-200
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