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01.10.2009
Wie ein riesiges Spinnennetz überziehen die alten Jakobswanderwege ganz Europa. Vor der spanischen Grenze jedoch münden alle ihre Ausläufer ein in die beiden „Pyrenäen-Zubringer", die gabelförmig aufeinander zulaufenden Wege von Navarra und Aragon. Nicht weit entfernt von Pamplona, der Provinzhauptstadt Navarras, vereinigen sich auch diese beiden „französischen Wege" in dem kleinen Ort Puente la Reina zu einem Hauptwanderweg, der nun geradewegs zum ersehnten Ziel hinführt. Zahlreiche Pilgerherbergen und Einkehrlokale stehen an der Hauptstraße des Straßendorfes bereit für den nicht abbrechenden Strom der Pilger.
„Auf und voran!" lautet der aufmunternde Ruf, mit dem sie sich seit zwölfhundert Jahren gegenseitig anfeuern und Mut machen. Und wissen dabei doch oft selbst nicht zu sagen, ob sie persönlich eher die sportliche Herausforderung oder das spirituelle Erlebnis dabei antreibt. Aber wer von ihnen kann sicher sein, ob nach achthundert anstrengenden Kilometern auf Schusters Rappen die ursprünglichen Motive immer noch die gleichen geblieben sind?
Bei allen Unterschieden gibt es ein Nadelöhr, das sie schließlich alle verbindet: die „Puente la Reina" am Ausgang des gleichnamigen Ortes. Jene mittelalterliche mächtige Brücke aus Stein, über deren schwungvollen Rundbögen der Jahrhunderte alte Geist der Santiago-Pilgerschaft in besonderem Maße erfahrbar wird. Hier zu stehen im Strom der Jakobspilger heißt, gleichsam einen Zipfel zu erhaschen vom langen Mantel der Pilgergeschichte zum Grabe des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela.
Denn in all den Gesichtern der vorüber eilenden Pilger spiegelt sich wie eh und je das gesamte Spektrum individueller Gemütsregungen: die einen in freudiger Aufbruchstimmung, die nach den ersten Tagesetappen noch anhält. Die anderen bereits gezeichnet von den bisherigen Anstrengungen und der Furcht, den Herausforderungen bis zum angestrebten Ziel im fernen Galizien nicht gewachsen zu sein. So ist die „Puente la Reina" zugleich ein Ort, der mich hier und jetzt vor die Entscheidung stellt, dem Beispiel der Pilger zu folgen und auch mich auf das aufregende Abenteuer des Jakobswegs persönlich einzulassen.
Nicht alle touristischen Ziele sind in der Erinnerung gleichrangig. Besonders bleiben die Orte in der Erinnerung haften, die auf irgendeine Weise auch die Seele des Reisenden erreicht haben - Orte des Wohlfühlens und des persönlichen Erlebens.
In der Reihe Lieblingsplätze - Orte, an denen die Seele baumelt - stellt unser Autor Bernd Kregel in lockerer Folge solche Orte des positiven Erinnerns vor.
01. Piazza San Marco, Venedig / Italien
02. Kathedralenplatz, Santiago de Compostela / Spanien
03. Montmartre, Paris / Frankreich
04. Münsterkreuzgang, Bonn / Nordrhein-Westfalen
05. Ohlsdorfer Parkfriedhof, Hamburg
06. Suomenlinna, Helsinki / Finnland
07. Askona, Lago Maggiore / Italien08. Oriental, Bangkok / Thailand
09. Santorin, Ägäis / Griechenland
10. Piazza Navona, Rom / Italien 11. Four Seasons Hotel, Amman /Jordanien 12. Puente la Reina, Navarra / Spanien 13. Dubrovnik, Adria / Kroatien 14. Aleppo / SyrienHier können Sie sich im Newsletter eintragen.
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