Menschen & Meinungen – Die rapide Verstädterung beeinflusst unsere Gesundheit – César Chelala / Gastautor
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Luftverschmutzung in Vororten Die rapide Verstädterung beeinflusst unsere Gesundheit

César Chelala / Gastautor

11.01.2010

Foto:Martin Bernetti/AFP/Getty Images
Foto:Martin Bernetti/AFP/Getty Images

Umzüge, egal ob von ländlichen in Stadtgebiete oder von einem Land in ein anderes, verändern oft gleichzeitig das charakteristische Krankheitsprofil. Neue Krankheiten tauchen auf, bei den alten kommt es zu einem Rückfall. Beispielsweise fand in den 1980ern wegen Konflikten in einigen Ländern Zentralamerikas eine große Migration nach Costa Rica statt. Damals kam es vor allem an den Grenzen zu einem augenfälligen Anstieg an Malaria und anderen infektiösen und parasitären Krankheiten.

Gesundheitsvorsorge nicht selbstverständlich

Es stimmt natürlich, die offensichtlicheren Krankheitseffekte des städtischen Lebens - emotionaler Stress, Verlust von Familienstrukturen, Verkehrsstaus, Lärm, Umweltverschmutzung - betreffen Menschen aller Einkommensschichten. Viele Stadtbewohner haben dennoch Zugang zu einer Grundversorgung wie Trinkwasser, ein Zuhause, ordentliche Abfallbeseitigung, Transport und Gesundheitsvorsorge. Für die Armen ist sie nicht selbstverständlich oder sogar gar nicht vorhanden. Folgt man dem klassischen „Weniger ist mehr", dann ist es sogar so, dass die in den Armenvierteln Lebenden für gewöhnlich eine extra Dosis an Umweltverschmutzung erhalten, weil sich die Industrie lieber in etwas außerhalb gelegenen Gebieten ansiedelt, wo Regulierungsbestimmungen weniger streng genommen werden.

Horrorgeschichten über die Auswirkung von Umweltzerstörung auf den Menschen gibt es genügend. Studien belegen, dass bei schwangeren Frauen, die Kohlenmonoxid ausgesetzt sind, der Fötus geschädigt wird. Experten sind sich auch darüber einig, dass die Hauptbestandteile von Autoabgasen auf Kinder einen stark schädigenden Einfluss haben. Deren Verhalten und psychosoziale Entwicklung kann dabei in Mitleidenschaft gezogen werden.

Kinder über 4,5 Millionen Tonnen Schadstoffen ausgesetzt

In Mexiko City, einer Stadt, die für ihre Luftverschmutzung bekannt ist, sind Kinder über 4,5 Millionen Tonnen Schadstoffen ausgesetzt. Zwischenzeitlich, wenn die Luftverschmutzung einen besonders hohen Grad erreicht hatte, wurden in der Stadt alle Kinder unter 14 Jahren vom Schulbesuch befreit. Das Umweltproblem von Mexiko City ist keine Ausnahme. Nahezu alle großen Städte in der westlichen Hemisphäre kämpfen denselben Kampf.

Einwohner von Santiago de Chile müssen sich mit chronischen Atemwegserkrankungen auseinandersetzen infolge hoher Konzentrationen von Schadstoffen in der Atmosphäre. Dass die Schadstoffe so lange in der Luft verbleiben, liegt auch an den dortigen topografischen und klimatischen Besonderheiten.

Buenos Aires ist genauso wenig vor diesen Problemen gefeit. Seine Schadstoff- und Lärmemissionen machen die argentinische Hauptstadt zu einer der verschmutztesten Städte der Welt.

Die Luftverschmutzung liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit anderen Formen von Verschmutzung, die von Abfällen herrühren, Pestiziden und toxischem Industriemüll. In Santiago fließen schätzungsweise jährlich 300 Millionen Kubikmeter an ungeklärtem Abwasser in die beiden Flüsse der Metropole und den Hauptbewässerungskanal.

Boden für Infektionen

Die dichte Besiedelung in Stadtgebieten, kombiniert mit unzureichenden sanitären Bedingungen und mangelhafter Abfallbeseitigung, schaffen die ideale Voraussetzung für die Verbreitung von Infektionskrankheiten. In Delhi leben 52 Prozent der Menschen in Slums ohne eine Grundversorgung.

Das unkontrollierte Wachstum in den heutigen Städten kann nicht mehr ignoriert werden. Die größte Herausforderung ist: Wie kann die Qualität des städtischen Lebens verbessert werden, indem man ein harmonisches Wachstum erreicht. Städte können - und sollten - von den Erfahrungen anderer Städte mit ähnlicher Situation lernen. Dies erfordert nicht nur den Einsatz von Städteplanern, sondern auch von Umweltexperten und solchen für die Volksgesundheit, Politiker, und ganz besonders die Gemeinschaften selber. Nur wenn das zu einer Realität wird, ist es vielleicht möglich, diese fast ideale Situation zu erreichen, die Hippokrates vor ungefähr 2.600 Jahren beschrieben hat; eine Balance zwischen dem Menschen und seiner Umwelt.

Dr. César Chelala, geboren 1940 in Argentinien, ist ein international anerkannter Journalist und Gesundheitsexperte für mehrere internationale Organisationen. 1979 gewann er als Ko-Autor den begehrten Overseas Press Club of America Award für den besten Artikel zu Menschenrechten.

Originalartikel auf Englisch: Rapid Urbanization Has an Impact on Health

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