Aktuelle Nachrichten – Reise
27.02.2012
Foto: Mario Vedder/dapd Photo
Frankfurt/Main – Um ihre Sicherheit sorgt sich die 46-jährige Annette Mais auf ihrer Reise Flughafen Frankfurt nach London am Montag nicht. "An ein Chaos draußen glaube ich nicht", sagt die Darmstädter Architektin, die zu einem Kunden in England fliegt. Seit Sonntagabend streiken auf dem Vorfeld erneut rund 180 Beschäftigte, die der Flughafenbetreiber Fraport mit neugeschultem Personal zum Teil ersetzt. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) kritisiert, der Betrieb sei "auf Kante genäht". Über die Höhe der Löhne, die für die sicherheitsrelevanten Jobs auf dem Vorfeld ausgehandelt werden sollen, staune sie allerdings, sagt Mais.
Der Flughafenbetreiber hat wiederholt erklärt, dass in dem erbittert geführten Arbeitskampf die Sicherheit der Passagiere wie gewohnt höchste Priorität habe. Schon über die letzten zwei Jahre hinweg sei neues Personal für den Einsatz auf dem Vorfeld eingewiesen worden, sagt Fraport-Sprecher Wolfgang Schwalm. Nur noch gut 150 der 1.286 geplanten Flüge sollten am Montag ausfallen, über 85 Prozent der Starts und Landungen abgewickelt werden. Für den ersten Streiktag am Flughafen Frankfurt hatte Fraport vor knapp zwei Wochen noch eine Abfertigungsquote von lediglich 50 Prozent zugesichert.
Für einen Mitarbeiter der Vorfeldkontrolle im Tower auf dem Flughafen forderte die GdF im Oktober eine auf vier Jahre gestreckte Gehaltserhöhung von jährlich 53.000 auf 79.600 Euro, plus Zulagen und verkürzte Arbeitszeiten. Fraport errechnete daraus Steigerungen um bis zu 73 Prozent, was die GdF "für den Einzelfall" auch bestätigt. Ein erfahrener "Senior" der Vorfeldkontrolle soll nach den ursprünglichen Vorstellungen der Gewerkschaft dann ohne Zulagen 86.700 Euro verdienen. Mit diesen Zahlen konfrontiert, sagt Architektin Mais: "Die Sicherheit, um die es da geht, muss hoch sein."
Pro Schicht sorgen rund 30 Vorfeldleute auf dem Frankfurter Flughafen für die Sicherheit auf dem Boden. Von dem insgesamt 200 dafür ausgebildeten Personal seien 16 nicht in der GdF organisiert, "sie arbeiten wie gewohnt", sagt Fraports Operations-Vorstand Peter Schmitz. Bodenlotsen im Airporttower übernehmen von der Langener Flugsicherung alle Jets, wenn sie die Landebahn verlassen, und geben ihre Überwachung erst bei einem erneuten Start an die Kollegen wieder ab. Wer jetzt neu oder wieder – weil er bereits früher schon dort eingesetzt war – im Tower arbeite, habe die notwendige Lizenz in der Vergangenheit erworben, sagt Fraport-Sprecher Schwalm.
Unter der Kontrolle des Towers sind außerdem Beschäftigte der Vorfeldaufsicht in den schwarz-gelben "Follow-Me"-Wagen unterwegs und leiten oder schleppen die Jets über das Flughafenareal. In der Vorfeldzentrale übernehmen andere Experten gleichzeitig die Regie an den Halteplätzen der Gates. Beide Tätigkeiten seien "Anlernberufe", wie Schwalm sagt, für die in den vergangenen drei Monaten Mitarbeiter ausgebildet worden seien. Nach einer Probezeit werde dem neuen Personal auch der Vorfeld-Führerschein ausgestellt.
In der Höhe der Gehälter, über die verhandelt wird, sehe sie einen "Sicherheitsfaktor", sagt die Darmstädter Architektin, die am Montag über München nach London fliegen muss. Dass das Leben der Passagiere in Gefahr sei, behauptet auch die GdF nicht. An eine reibungslose Abwicklung des Flughafenbetriebs während des Streiks glaubt GdF-Sprecher Markus Siebers dennoch nicht. "Das bleibt hochgradig problematisch." Schon bei einer Änderung der Buchungslage oder bei Schlechtwetter seien ernsthafte Störungen wahrscheinlich, zeigt sich der Gewerkschafter überzeugt. Die Sicherheit am Flughafen in Frankfurt ist jedenfalls gewährleistet.
(dapd)
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