Kultur – Die spanische „Compania Nacional de Danza“ zu Gast in Bonn – Bernd und Cecilie Kregel / Gastautoren
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Choreographische Highlights Die spanische „Compania Nacional de Danza“ zu Gast in Bonn

Bernd und Cecilie Kregel / Gastautoren

09.02.2010

Foto: Fernando Marcos

Foto: Fernando Marcos

Leicht wie ein Brautschleier rieseln weiße Staubfahnen auf die Tänzerin herab und zwingen sie doch in die Knie. Nach einem in kämpferischer Ekstase getanzten Pas de deux bleibt sie resignierend in zutiefst anrührender Traurigkeit zurück. Der heimtückisch rieselnden Macht von oben hat sie offenbar nichts mehr entgegenzusetzen.

Es ist ein Einblick in die Welt der Drogen, die der künstlerische Direktor der spanischen „Compania Nacional de Danza“ seinem Publikum aus persönlicher Betroffenheit heraus gewährt. Denn mit „White Darkness“ setzt er seiner Schwester – und somit allen Drogenopfern – ein choreographisches Denkmal. Die schmerzhafte Botschaft am Ende des Bonner Ballettabends springt über auf das Publikum, das sich für diese einfühlsame Behandlung eines kontroversen Themas mit ausgiebigem Applaus bedankt.

Dem Stück voraus ging, als Mittelteil des Abendprogramms, die Choreographie „Gnawa“, in der sich Nacho Duato auf Spurensuche begibt nach seinen nordafrikanischen Wurzeln. Unter spanischen und afrikanischen Klängen entsteht eine tänzerische Welt ursprünglicher kraftvoller Bewegung und sinnlicher Eleganz, die in ihrer suggestiven Ausdrucksform auch die europäischen Zuschauer zu verzaubern weiß.

Nacho Duato blickt dabei zurück auf langjährige Erfahrungen als Tänzer beim Cullberg Ballett und beim Nederlands Dans Theater, bevor ihm vor zwanzig Jahren die Leitung des spanischen Nationalballetts übertragen wurde. Eine Compagnie, die Ende der siebziger Jahre als „Klassisches Nationalballett von Spanien“ gegründet worden war.

Unter Nacho Duatos Leitung öffnete sich das Ensemble stilistisch schon bald der Moderne – eine tänzerische Entwicklung, die an diesem Ballettabend mit mediterraner Spontaneität und südländischem Temperament daherkommt, ohne dabei das klassische Erbe zu verleugnen.

Und doch zwingt Duato in all seinen Choreographien zum genauen Hinschauen. So besonders in seinem Eingangsstück mit dem Titel „Cobalto“, zu dem er auch das einfache und doch beeindruckende Bühnenbild entworfen hat. In diesem Stück reflektiert er in graphischem Schwarzweiß die Macht der Erotik und mit ihr die Welt der erotischen Träume, die sich in äußerlicher Schönheit und Reinheit zuweilen wie ein klares Kobalt-Blau darstellen und doch – so seine Meinung – als bipolar verstanden werden müssen.

Ein choreographischer Erzählfaden, ausgeführt von zehn Tänzerinnen und Tänzern, die das Phänomen der Liebe von der Zeitlupe ineinander verschlungener Körper bis hin zu schnellen ekstatischen Bewegungen durchbuchstabieren. Für das Publikum jedoch gewöhnungsbedürftig, da die emotionale Komponente der Liebe dabei bisweilen zu kurz kommt, sodass es mit seinem Applaus zunächst geizt.

Insgesamt jedoch ist es ein begeisternder Ballettabend in der Bonner Reihe „Highlights des Internationalen Tanzes“, in deren Rahmen demnächst die „Compagnie Marie Chouinard“ aus Kanada (23.3.2010) und „Les Grands Ballets Canadiens de Montréal“ (1. u. 2.4.2010) erwartet werden.

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