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Die Suche nach Uran in Afrika wird zum großen Geschäft

Joseph Schatz

20.01.2008

Lusaka – Die vielzitierte Renaissance der Atomenergie hat den den Blick von Investoren in eine Gegend gelenkt, die im globalisierten Wirtschaftsgeflecht ansonsten eher im Abseits liegt: das südliche Afrika. Hier, vor allem in der riesigen Karoo-Senke, werden noch große Uran-Vorkommen vermutet, und internationale Minengesellschaft wittern das große Geschäft. Immerhin hat sich der Preis für Uran seit dem Jahr 2000 fast verzehnfacht.

„Es handelt sich um den größten Schub für die Uran-Förderung seit Ende der siebziger Jahre“, erklärte Alasdair Cook, Chef des australischen Minenausrüsters African Energy Resources. Das Unternehmen hat in den letzten drei Jahren Millionen von Dollar in die Erforschung einer Mine im Süden Sambias gesteckt. Im Nordwesten Sambias hat die kanadische Equinox Ltd. in der Lumwana-Kupfermine nach eigenen Angaben hochwertiges Uran entdeckt.

Die sambische Regierung arbeitet an neuen Richtlinien, mit denen sie die Förderung, Verarbeitung und den Export von Uran-Produkten regulieren will, wie der stellvertretende Bergbauminister Maxwell Mwale der Nachrichtenagentur AP erläutert. Angesicht der Sorgen über die weltweite Klimaerwärmung und der angestrebten CO2-Reuzierung sei Atomenergie wieder attraktiv. „Wir mussten neue Regeln in Kraft setzen, die den Standards der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA entsprechen“, sagt Mwale.

Namibia war mit 3.067 Tonnen im Jahr 2006 der sechstgrößte Uran-Produzent der Welt. Die Rossing-Mine ist sogar die drittgrößte Uran-Mine weltweit. 2006 nahm die Mine Langer Heinrich die Produktion auf, was die Bedeutung Namibias als Förderland noch weiter erhöht.

Mit einem Weltmarktanteil von sieben Prozent liegt Südafrika noch knapp vor Namibia, die Tendenz ist aber leicht fallend. Angesichts von Energieengpässen im eigenen Land hat sich die südafrikanische Regierung aber jetzt für den Bau neuer Atomkraftwerke stark gemacht und will dabei auch die Förderung und Weiterverarbeitung von Uran intensivieren. Ausländische Minenbetreiber sollen nur noch dann Förderrechte erhalten, wenn es genügend Uran gibt, um den inländischen Bedarf zu decken. Im vergangenen Jahr eröffnete das kanadische Unternehmen Uranium One eine Mine in Südafrika.

Ein Sonderfall ist Kongo. Der zentralafrikanische Staat ist schon seit langem ein Uran-Produzent. Ein Teil des Materials der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki stammt aus dem Land. In jüngster Zeit sorgen Berichte über illegale Minen und Umweltvergehen für Alarm. Im November wurde ein Regierungsbeamter unter dem Verdacht verhaftet, die Entsorgung von 17 Tonnen radioaktiven Abfalls in einem Fluss angeordnet zu haben.

Der Run auf Uran in Afrika beschränkt sich aber nicht auf den Süden des Kontinents. Niger ist größter Uran-Produzent Afrikas und liegt weltweit an vierter Stelle hinter Kanada, Australien und Kasachstan.

Weitere Projekte zur Uran-Förderung gibt es in Botswana und in Malawi. Dort hat die Regierung der australischen Minengesellschaft Paladin Schürfrechte gewährt, was prompt zu Beschwerden der malawischen Menschenrechtsorganisation Zentrum für Menschenrechte und Rehabilitation führte. Die räumt zwar ein, dass das fast 200 Millionen Dollar umfassende Projekt Arbeitsplätze schaffen kann. Doch sorgen sich die Menschenrechtler um die Auswirkung der Uran-Förderung auf die Umwelt und melden Zweifel an, ob der wirtschaftliche Nutzen die sozialen Risiken aufwiegt.

Sorge vor Extremisten

Industrieexperten geben zu, dass das vom Uran freigesetzte Gas Radon Strahlungsrisiken birgt. Allerdings sei diese Belastung durch moderne Techniken sowohl im Tagebau als auch bei dem Abbau unter Tage für die Arbeiter und auch die Umwelt auf ein vernachlässigbares Maß gesenkt worden, erklärt der weltweite Atomindustrie-Verband WNA.

Mit Unbehagen verfolgen internationale Antiterrorspezialisten die Entwicklung. Sie sorgen sich, dass Extremisten sich auf dem schwarzen Markt radioaktives Material beschaffen könnten. Die verstärkte Förderung von Uran macht es nach ihrer Ansicht noch dringender, strikte Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. (AP)

 

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