Aktuelle Nachrichten – Menschen & Meinungen
10.02.2010
Port-au-Prince (apn) Man glaubt es kaum: Geschlagene 27 Tage soll ein junger Mann nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti unter den Trümmern eines Markts verschüttet gewesen sein – und überlebt haben. Die Geschichte einer wundersamen Rettung weckt Zweifel. Doch Ärzte halten es für möglich, dass sie stimmt.
Skeptische Fachleute wandten ein, dass kein Mensch beinahe vier Wochen lang ohne Wasser am Leben bleiben könne. Der letzte bestätigte Fall einer Überlebenden in Haiti war ein 16-jähriges Mädchen, das 15 Tage nach der Katastrophe vom 12. Januar aus dem Schutt gezogen wurde. Der jüngste Bericht stützte sich zunächst allein auf die Angaben der zwei Männer, die den 28 Jahre alten Markthändler Evans Monsigrace am Montag zu einer Sanitätsstation schleppten – ausgetrocknet, ausgemergelt, mit dürren Beinen.
Doch am Dienstag war Monsigrace wieder so gut genug beisammen, um seine Geschichte zu erzählen. Es fand sich zwar zunächst keine Bestätigung dafür von unabhängiger Seite. Aber Ärzte halten es nun für möglich, dass er dank Wasser und vielleicht ein bisschen Obst so lange verschüttet überlebt haben kann.
Er habe auf dem Markt in der Innenstadt von Port-au-Prince Reis verkauft und gerade Schluss gemacht für diesen Tag, als das Beben hereinbrach, berichtete er den Ärzten. Er habe keine größeren Verletzungen davongetragen und sei auf der Seite liegend eingeklemmt gewesen – in der Ecke des Marktes, wo Speisen und Getränke verkauft wurden. „Wenn das stimmt, glauben wir ihm“, erklärte der Internist Dushyantha Jayaweere von der Uniklinik Miami, die in Haiti mit einem Lazarett hilft.
Dorthin wurde der Markthändler wegen seines kritischen Zustands gebracht, nachdem ihn die beiden Männer am Montag zunächst bei einer Sanitätsstation der Heilsarmee abgeliefert und erklärt hatten, er sei seit dem Beben verschüttet gewesen. „Als er hier ankam, hat er deliriert und wollte nur noch sterben“, sagte Nery Ynclan von der Universität Miami. Inzwischen werde er gegen Dehydrierung und Unterernährung behandelt, sei stabil und knabbere schon Schokolade.
Jayaweera sagte, der Mann habe zunächst angegeben, dass er überhaupt nichts zu essen und zu trinken gehabt hätte. Seine Nierenfunktion sei aber normal gewesen, was darauf hindeute, dass er zumindest an ein wenig Trinkbares herankam. Möglicherweise habe ihn irgendjemand mit Wasser und Nahrung versorgt, spekulierte der Fotograf Michael Andrew, der ehrenamtlich bei der Heilsarmee hilft und ein Video von der Behandlung Monsigraces filmte. Unklar blieb auch, warum niemand die internationalen Bergungsteams auf das Schicksal des Verschütteten aufmerksam machte. Seiner Mutter zufolge fanden ihn Räumtrupps beim Abtragen des Schutts und alarmierten seine Brüder. (AP)
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