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21.04.2010
Foto: Carsten Koall/Getty Images
Aus den tragischen Todesfällen von Polens Präsident Lech Kaczynski und den politischen und militärischen Spitzen bei dem Flugzeugunglück in Smolensk kann Gutes erwachsen.
Vor siebzig Jahren wurde in Katyn Völkermord begangen. Es ist an der Zeit, das, was dort geschah, zu so benennen, um auf diese Weise jene zu ehren, die dort ermordet wurden, und den Akt des Gedenkens für die in Smolensk vorzeitig gestorbene polnische Führung zu vervollständigen.
Anfang April 1940 wurden 20.000 polnische Kriegsgefangene, unter ihnen ein Großteil der polnischen Sicherheit und hochrangiges Militär, auf Anweisung von Stalin durch den sowjetischen NKWD (Volkskommissariat des Inneren der UdSSR) niedergeschossen.
Keiner der Täter ist für das, was in Katyn geschah, bestraft worden.
Die Gräber des Massakers im Wald von Katyn wurden 1943 aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung von deutschen Soldaten entdeckt. Weitere Tausende polnische Soldaten waren in nahe gelegenen Lagern und Gefängnissen ermordet worden und Katyn ist für sie alle zur symbolischen Gedächtnisstätte geworden.
Foto: Carsten Koall/Getty Images
Wie in dem Buch von T. Tailor „Die Nürnberger Prozesse“ nachzulesen ist, wussten die westlichen Siegermächte schon bei den Nürnberger Prozessen, dass die Führung der damaligen Sowjetunion ihre Verbrechen in Katyn den Deutschen anhängen wollte und ließen dies nicht zu. Die Version der deutschen Schuld blieb in der Sowjetunion offiziell bis 1990 bestehen. Erst dann war es Michail Gorbatschow, der die Schuld Stalins an dem Massaker zugab.
In Polen verdeckte die pro-sowjetische Propaganda ebenfalls die Verbrechen, und wenn jemand nur Andeutungen machte, dass irgendein Russe in das Massaker verwickelt sein könnte, lief dieser Gefahr, verhaftet zu werden. Und so blieb das Verbrechen von Katyn in Polen bis zum Sturz des Kommunismus 1989 unaussprechlich.
Auch wenn 1990 die russische Regierung zum ersten Mal ihre Verantwortung für das Massaker und dessen Vertuschung anerkannte, ging sie nicht so weit, es Völkermord zu nennen. Folglich ist keiner für das, was geschah, bestraft worden und die Familien der Opfer erhielten auch keine Entschädigung.
Der Premier Vladimir Putin war unlängst der erste russische Führer, der sich dem Gedenken Polens an die Opfer von Katyn anschloss. Und welche Ironie des Schicksals, dass Kaczynski und andere hochrangige polnische Persönlichkeiten auf ihrem Weg zur Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Massakers in Katyn starben.
Lech Walesa, der berühmte Führer der Solidarnosc und ehemalige Präsident Polens liegt falsch, wenn er den Absturz der Maschine als zweites Katyn bezeichnet – trotz der offensichtlichen Analogien: In beiden Tragödien verlor Polen hochrangige Persönlichkeiten auf russischem Territorium um Katyn. Ein Flugzeugunglück ist jedoch kein Kriegsverbrechen und sollte deshalb auch nicht damit verglichen werden.
Aber jetzt muss die Welt der Gräueltaten gedenken, die in Katyn geschahen, und Polen muss mit Unterstützung der Welt härter um Gerechtigkeit kämpfen.
Schon der schlichten Gerechtigkeit wegen und um die Verbrechen des sowjetischen Kommunismus einzugestehen, muss die russische Führung das Massaker von 1940 als Völkermord anerkennen, so wie die Deutschen den Holocaust anerkannt haben.
Sowjetische Offiziere, die an den Ermordungen teilnahmen und noch leben, sollten verhaftet werden und vor einem Kriegsverbrechen-Tribunal Rechenschaft ablegen. Die russische Regierung sollte den Familienmitgliedern der Opfer Entschädigung anbieten.
Und Putin sollte nicht dafür gepriesen werden, die Exekution von 20.000 Menschen „ein politisches Verbrechen“ zu nennen. Das Flugzeugunglück war kein zweites Katyn, aber es wird hoffentlich die Tür dazu öffnen, Katyn endlich bei seinem wahren Namen zu nennen: Völkermord.
Ewa Bronowicz ist Schriftstellerin in New York City, USA.
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