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Hitler-Regime Die Wannseekonferenz

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19.01.2012

Das nationalsozialistische Regime hatte bereits vor der Wannseekonferenz damit begonnen, massenhaft Juden zu töten. Foto: Axel Schmidt/dapd Photo
Das nationalsozialistische Regime hatte bereits vor der Wannseekonferenz damit begonnen, massenhaft Juden zu töten.

Foto: Axel Schmidt/dapd Photo

Berlin – Vor genau 70 Jahren erreichte die grausame Judenverfolgung in Deutschland eine neue Stufe der Eskalation. In einer Villa am Berliner Wannsee trafen sich am 20. Januar 1942 Staatssekretäre, hohe SS-Offiziere und Ministerialbeamte des Hitler-Regimes, um den staatlich organisierten Genozid vorzubereiten. Von dem zweistündigen Treffen, der "Wannseekonferenz", existiert lediglich ein 15-seitiges Protokoll von Adolf Eichmann, dem damaligen Judendezernenten in der Reichszentrale der Polizei.

Das Schreiben wurde 1947 in den Akten des Auswärtigen Amtes gefunden. Seitdem gelten Eichmanns Zeilen als Schlüsseldokument zur Geschichte des Völkermordes an den europäischen Juden. Zwar hatte das nationalsozialistische Regime bereits vor der Wannseekonferenz damit begonnen, massenhaft Juden zu töten. Das Treffen gilt jedoch als Startpunkt der industriell organisierten Vernichtung. Militär und Verwaltung wurden offiziell eingeweiht, der Völkermord geriet zum penibel geplanten Verwaltungsakt.

Die Führung der Nationalsozialisten hatte immer wieder die "Ausmerzung" der Juden als Ziel ausgegeben und dafür unterschiedliche Konzepte gewählt: Sie wurden in Lager deportiert, zur Auswanderung gezwungen, ausgebürgert, in Gettos zusammengepfercht oder getötet. Dennoch gab es laut dem Protokoll in einigen "grundsätzlichen Fragen" noch Klärungsbedarf: Zu koordinieren war nicht weniger als die "Endlösung der Judenfrage" - also die vollständige Vernichtung der Juden, für die elf Millionen Menschen in Betracht kämen.

Verschleiernde Sprache

Im Protokoll selbst – das von Alt- und Neonazis als amerikanische Fälschung verunglimpft wird, an dessen Echtheit die seriöse Forschung jedoch nicht zweifelt – wird nicht offen von Mord an den Juden gesprochen. Stattdessen ist das Papier in einer bewusst verschleiernden, bürokratisch verklausulierten Sprache verfasst, die häufig zynisch klingt.

Besonders bekannt wurde ein Satz, den nicht nur sein grausamer Inhalt, sondern auch außergewöhnliche sprachliche Perfidie kennzeichnet: "Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist." In der Übersetzung bedeutete das die planmäßige Ermordung von Juden in den Gaskammern von Auschwitz, Treblinka und anderen Konzentrationslagern.

Eichmann selbst erklärte 1960 in Israel, dass seine schriftliche Zusammenfassung nicht dem genauen Wortlaut der auf der Konferenz abgegebenen Erklärungen entspreche. Vielmehr habe er das Protokoll auf Drängen von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, der das Treffen leitete, erheblich redigieren und mehrfach umschreiben müssen. Tatsächlich hätten sich die Konferenzteilnehmer einer weit drastischeren Sprache bedient und offen über verschiedene Techniken des Massenmordes gesprochen.

 

(dapd)

 

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