Fernreisen - Die Welt entdecken – Die Wiederentdeckung der slowakischen Hohen Tatra – Bernd Kregel / Gastautor
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Zauber der Wildnis + Fotogalerie Die Wiederentdeckung der slowakischen Hohen Tatra

Bernd Kregel / Gastautor

30.07.2012

Blick über den Tschirmer See auf die Hohe Tatra.  Foto: Bernd Kregel
Blick über den Tschirmer See auf die Hohe Tatra.

Foto: Bernd Kregel

Als „kleinstes Hochgebirge der Welt“ wächst die Hohe Tatra für ihre Besucher weit über sich hinaus.

Die Unterwelt ist voller Tücken. Orpheus konnte bereits ein Lied davon singen, als er seine geliebte Eurydike für immer dort zurücklassen musste. Und auch Alberich hatte das Nachsehen, als ihm Wotan im Zwielicht des Erdinneren den Nibelungenhort listig entriss. So kostet der Eintritt ins Innere der Erde stets Überwindung, selbst wenn in den Fels getriebene Stufen und hinter Gesteinsbrocken verborgene  Leuchten den Zugang  heute wesentlich erleichtern.

So wie in der Höhle von Belianska, die weit verzweigt in den Tiefen der östlichen Hohen Tatra eingeschlossen liegt und nur durch einen engen Felstunnel betreten werden kann. Doch dann plötzlich weitet sich der Blick und riesige unterirdische Kuppeln wölben sich im ewigen Fels empor wie prächtige Kathedralen. Gerade so, als hätten sich die Berggeister mit einer barock anmutenden Ausstattung aus Stalagmiten und Stalaktiten seit Urzeiten hier unten wohnlich eingerichtet. Eine zauberhafte Kulisse, bei der wohl die hörbare Begeisterung der Höhlenbesucher den seit damals durch menschliche Stimme traumatisierten Orpheus erneut an den Rand des Wahnsinns treiben müsste.

Wildheit und Unzugänglichkeit der Bergwelt

Ja, die Berge der Hohen Tatra haben es in der Tat in sich! Obwohl geographisch nur ein Anhängsel des weit nach Nordosten ausladenden Karpaten-Bogens, brauchen sie sich als „das kleinste Hochgebirge der Welt“ mit ihren beeindruckenden Berggiganten dennoch nicht zu verstecken. Im Gegenteil! Denn in majestätischer Pose markieren sie mit ihrem weiß gezackten Panorama die polnisch-slowakische Grenze und erfüllen dabei bis heute die Funktion eines mächtigen Sperrriegels in Richtung Südosteuropa.

So war auch die nur schwer kontrollierbare Wildheit der Hohen Tatra seit jeher berüchtigt. Denn in ihrer Unzugänglichkeit diente sie als Rückzugsgebiet für die „Goralen“, die als legendäre „Waldmenschen“ stets draufgängerisch und tapfer genug waren, um ihre eigene Freiheit gegenüber fremden Herrschaftsansprüchen zu verteidigen. Ja selbst die Tierwelt konnte sich hier in ihrer Ursprünglichkeit weitgehend behaupten. Denn nirgendwo in Europa gibt es heute so viele frei lebende Bären wie an den Hängen und in den Tälern des Bergmassivs der Hohen Tatra.

Bergversessenheit und Katzenjammer

„Ihr habt uns unsere Berge genommen“, beklagen sich daher voller Wehmut die Tschechen. Und haben dabei doch keinerlei Grund zur Beschwerde. Denn die staatliche Aufteilung der einstigen Tschechoslowakei erfolgte einvernehmlich und versprach beiderseitige Vorteile. Bedenkt man jedoch die tief verwurzelte Bergversessenheit der Tschechen, so ist der neuerliche Katzenjammer über den schwer zu verschmerzenden Verlust der Hohen Tatra nur allzu verständlich.

Denn hier konnte man im Sommer, ohne eine staatliche Grenze überschreiten zu müssen, seine Wanderleidenschaft in herrlichster Natur ausleben. Und im Winter lockten alpine Skigebiete, für die sich die Anreise aus der tschechischen Metropole jederzeit lohnte. Denn noch gab es hier die Anlagen der Wintersportmeisterschaften aus Jahr 1970, die sich tatsächlich am Südrand der Hohen Tatra bis in die gegenwärtige Zeit hinüber gerettet haben.

 

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