Braunschweig – Verantwortlich für die Zeitumstellung in Deutschland ist die Arbeitsgruppe Zeitübertragung bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Sie versorgt Millionen Funkuhren, aber auch Labors und Firmen laufend mit der wirklich genauen Zeit. Wenn aber am Sonntagmorgen um 03.00 Uhr Sommerzeit die Chronometer um eine Stunde auf Winterzeit zurückzustellen sind, werden die fünf Mitarbeiter der Arbeitsgruppe wie die meisten Bundesbürger zu Hause im Bett liegen. Denn die Zeitumstellung erfolgt hierzulande automatisch.
Die genaue Zeit verbreitet die PTB über den Langwellensender DCF77, der in Mainflingen 30 Kilometer südöstlich von Frankfurt steht. Dieser Sender beliefert europaweit rund 100 Millionen Funkuhren jede Minute präzise mit deutschen gesetzlichen Zeit. „Ein Großteil der 100 Millionen Funkuhren, die das Signal des Senders automatisch empfangen, steht in Deutschland“, sagt PTB-Physiker Andreas Bauch, der die Arbeitsgruppe Zeitübertragung leitet.
„Um 02.59 sendet DCF77 das Signal aus, dass die nächste Minute nicht um 03.00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, sondern um 02.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit beginnt“, beschreibt Bauch die Zeitumstellung am Sonntag. Der Physiker hat selbst natürlich einen Funkwecker, der automatisch von DCF77 die stets richtige Zeit erhält. In der Nacht der Zeitumstellung legt der promovierte Physikern neben den Wecker noch eine Armbanduhr, die von Hand umgestellt werden muss. „Wenn ich in der Nacht aufwache und Wecker und Armband zeigen verschiedene Stunden an, weiß ich gleich, dass die Umstellung geklappt hat“, sagt er.
Nur ein Mitarbeiter des Senders in Mainflingen hat in der Nacht der Zeitumstellung Bereitschaftsdienst. „Das Hauptrisiko ist, dass der Sender ausgerechnet in der Nacht der Zeitumstellung ausfällt“, sagt Doktor Bauch. Der Mitarbeiter der Media Broadcast, die für die PTB die Sendeanlage betreibt, müsse bis zwei Minuten nach der Zeitumstellung im Sender in Bereitschaft sitzen und könne dann nach Hause gehen.
Der Langwellensender DCF77 hat vor zwei Jahren eine neue Steuereinheit erhalten. Sie sorgt seither für die automatische Zeitumstellung: Am letzten Sonntag im März wird das Sendersignal von der Mitteleuropäischen Zeit auf die Mitteleuropäische Sommerzeit umgeschaltet und so werden alle Funkuhren eine Stunde vorstellt. Am kommenden Sonntag, dem letzten Sonntag im Oktober, werden die gleichen Chronometer von der Mitteleuropäischen Sommerzeit auf Mitteleuropäische Zeit zurückgestellt.
Seit dem Einbau der neuen Steuereinheit habe der Sender zwei Programme, eines mit und eines ohne Zeitumstellung, erläutert Bauch. Entsprechend der gesetzliche Regelung sei derzeit natürlich das Programm mit Zeitumstellung aktiviert. „Das Signal des Senders ist genauer als eine tausendstel Sekunde“, betont der.
Dem Sender geben drei Atomuhren den Takt vor. Deren Zeitangaben werden automatisch verglichen. Uhren und Steuereinheit des Senders haben eine unabhängige unterbrechungsfreie Stromversorgung. Die codierte Zeitinformation wird jeweils in der 15. bis 58. Sekunde jeder Minute übertragen. Gesendet wird auf der Langwellenfrequenz 77,5 Kilohertz.
Zu den Funkuhren, die am Sonntagmorgen nach der Umstellung automatisch die Winterzeit anzeigen, gehören alle Bahnhofsuhren, viele Kirchturmuhren, Zeitanzeigen an Straßenbahnhaltestellen und zudem Millionen von privaten per Funk gesteuerten Weckern oder Uhren.
Die PTB verbreitet die gesetzliche Zeit auch noch auf einem zweiten Weg: Ein Zeitsignal wird über das Telefon-Festnetz versandt und kann von Computern oder Messeinrichtung empfangen werden. „In das Modem für das Festnetz-Signal müssen wir das Datum der Zeitumstellung noch mit der Hand eingeben, ansonsten läuft die Umstellung völlig automatisch“, sagt Bauch. Die wirklich genaue Zeit benötigen viele Forschungseinrichtungen, aber auch Unternehmen – etwa Telefongesellschaften für die Berechnung ihrer Gebühren.
Der präzise Physiker Bauch legt im übrigen Wert darauf, dass sich am Lauf der supergenauen Atomuhren der PTB am Sonntag nichts ändert. „Wir machen das im Prinzip wie der Besitzer einer Armbanduhr. Der dreht die Zeiger eine Stunde zurück, aber das Uhrwerk läuft weiter. Auch wir halten nicht die Zeit an, sondern ändern nur die Zeitanzeige“, sagt Deutschlands Zeittaktgeber. (AP)
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