Aktuelle Nachrichten – Menschen
30.10.2012
Foto: dapd/Lukas Barth
Berlin – Bücher im Bett, Apps für unterwegs: So könnte einer aktuellen Umfrage zufolge die Zukunft des Vorlesens aussehen. Digitale Medien bieten demnach neue Chancen für die Leseförderung. Bisher nutzt jede siebte Familie Bilder- und Kinderbuch-Apps, wie die Stiftung Lesen am Dienstag in Berlin mitteilte. Fast 90 Prozent der befragten Eltern betrachten die digitalen Angebote demnach als Ergänzung. Für Väter und bildungsferne Familien könnten die Neuen Medien der Studie zufolge ein Anreiz sein, ihren Kindern häufiger vorzulesen.
"Bücher werden nicht verdrängt", sagte Studienleiterin Simone Ehmig. Beim Vorlesen im Bett sei "ganz klar das gedruckte Buch der Favorit". Unterwegs seien Tablets und Smartphones das Mittel der Wahl. Die digitalen Leseangebote hätten ein "hohes Potenzial, Vorlesen noch selbstverständlicher und vielfältiger in den Alltag von Familien zu integrieren - auch in Situationen, in denen bisher mit einem gedruckten Buch nicht vorgelesen werden konnte", lautet das Fazit der Studie.
An der von der Wochenzeitung "Die Zeit" und der Deutschen Bahn unterstützten repräsentativen Umfrage nahmen je 250 Väter und Mütter von zwei- bis achtjährigen Kindern teil.
"Ob App oder Buch - Hauptsache lesen"
"Bücher sind fürs Kuscheln, Apps für die Bahnfahrt oder das Wartezimmer", sagte der Bahn-Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube. Letztlich gehe es darum, Kinder für das Lesen zu begeistern: "Ob App oder Buch - Hauptsache lesen." Lesen sei der Schlüssel zur Bildung.
Die neuen Angebote ermöglichen es der Studie zufolge auch, bildungsferne Schichten zu erreichen. Familien mit niedriger Bildung, in denen das Lesen und Vorlesen einen geringeren Stellenwert habe, verfügten häufig über ein Tablet. Dies sei bei 27 Prozent dieser Haushalte der Fall, bei Familien mit einem mittleren oder hohen Bildungsniveau liege die Quote bei 24 beziehungsweise 26 Prozent.
Neue Technik könnte Väter zum Vorlesen motivieren
Auch bei den Vätern, die sich in der Regel mehr für Technik begeisterten, könnten die Neuen Medien demnach für einen Schub sorgen. Generell lesen Männer ihren Kindern deutlich seltener vor, laut der Umfrage nutzen sie elektronische Medien aber häufiger. Von den befragten Männern haben bereits 20 Prozent Apps zum Vorlesen genutzt, bei den Frauen waren es 13 Prozent. Von den Vätern, die selten oder nie vorlesen, könnten sich immerhin 18 Prozent vorstellen, dies in Zukunft mit Hilfe eines Tablets oder Smartphones zu tun.
Insgesamt zeigten sich von den Eltern, die noch keinen digitalen Medien zum Vorlesen nutzen, fast die Hälfte offen dafür, künftig Bilder- und Kinderbuch-Apps einzusetzen. Eltern, die hiermit schon Erfahrung haben, schätzen unter anderem die multimedialen Möglichkeiten. Gerade bei Jungen, die eher schwer fürs Lesen zu begeistern seien, könnte dies nach Ansicht von Ehmig gut ankommen.
Auch Maas gab das Ziel aus, "Kinder über jegliches Medium zum Lesen zu bewegen". Lese-Apps könnten für Kinder eine "Einstiegsdroge" sein - vor allem für Jungen, die nach seiner Einschätzung lieber zum digitalen als zum gedruckten Buch greifen.
dapd
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