Aktuelle Nachrichten Europa – Diskussion über früheren Abzug nach Tod französischer Soldaten – Deb Riechmann und Sylvie Corbet/AP
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Tod am Hindukusch Diskussion über früheren Abzug nach Tod französischer Soldaten

Deb Riechmann und Sylvie Corbet/AP

20.01.2012

Ein Mann in der Uniform afghanischer Soldaten habe am Freitag im Osten des Landes vier NATO-Soldaten getötet, erklärte das internationale Bündnis. Foto: Allauddin Khan/AP Photo
Ein Mann in der Uniform afghanischer Soldaten habe am Freitag im Osten des Landes vier NATO-Soldaten getötet, erklärte das internationale Bündnis.

Foto: Allauddin Khan/AP Photo

Kabul – Vier französische und sechs US-Soldaten sind innerhalb von 24 Stunden in Afghanistan ums Leben gekommen. Die französischen Soldaten wurden von einem mutmaßlichen Mitglied der afghanischen Streitkräfte erschossen. Ihr Tod ließ in Frankreich die Diskussion über den Verbleib seiner Truppen am Hindukusch erneut aufflammen. Präsident Nicolas Sarkozy setzte am Freitag die Ausbildungsprogramme für afghanische Sicherheitskräfte aus. Die sechs US-Marineinfanteristen kamen beim Absturz ihres Hubschraubers ums Leben.

Ein Mann in der Uniform afghanischer Soldaten habe am Freitag im Osten des Landes vier NATO-Soldaten getötet, erklärte das internationale Bündnis. Der Täter sei festgenommen worden. Das afghanische Verteidigungsministerium erklärte, zunächst könne man nicht eindeutig sagen, ob der Schütze ein Mitglied der afghanischen Streitkräfte oder ein Aufständischer in Uniform war.

Sarkozy bestätigte den Tod der vier Soldaten. Der Angriff sei während einer Übung auf einem gemeinsamen Stützpunkt französischer und afghanischer Truppen verübt worden, sagte der französische Außenminister Alain Juppé.

Laut Juppé wurden 15 Soldaten verletzt. Er machte jedoch keine Angaben über ihre Staatsangehörigkeit. Verteidigungsminister Gérard Longuet teilte mit, acht französische Soldaten seien verletzt worden und der befehlshabende Offizier befinde sich in kritischem Zustand.

Sarkozy erklärte in Paris, es sei inakzeptabel, dass afghanische Sicherheitskräfte auf französische Soldaten schießen. Französische Soldaten sind seit zehn Jahren in Afghanistan im Einsatz. Der Angriff vom Freitag zählt zu den folgenschwersten für Frankreich.

Bereits am 29. Dezember erschoss ein afghanischer Soldat zwei französische Fremdenlegionäre. Die französischen Soldaten erwiderten das Feuer und töteten den Mann. Bislang kamen 82 französische Soldaten in Afghanistan ums Leben.

"Das französische Heer ist im Dienste der Afghanen im Kampf gegen Terrorismus und die Taliban in Afghanistan. Das französische Heer ist nicht in Afghanistan, damit afghanische Soldaten auf sie schießen", sagte Sarkozy. Sollte die Sicherheitslage nicht wiederhergestellt werden, stelle sich die Frage nach einem vorgezogenen Abzug der französischen Truppen, sagte Sarkozy weiter.

Gegenkandidat will Abzug bis Jahresende

François Hollande, Kandidat der Sozialisten für die Präsidentenwahl im Frühjahr, erklärte, im Falle seines Wahlsiegs werde er sich für einen Abzug der französischen Soldaten noch in diesem Jahr einsetzen.

Longuet brach am Freitag gemeinsam mit dem Stabschef des französischen Heers nach Kabul auf. Nach ihrer Rückkehr werde über das weitere Vorgehen entschieden, sagte Sarkozy. Juppé nannte es eine Frage der Verantwortung, "den Zeitplan für den Rückzug unter Berücksichtigung der neuen Umstände anzupassen". Longuet zeigte sich zurückhaltender. Eine solche Entscheidung sollte in Ruhe gefällt werden, sagte er.

Derzeit sind etwa 3.600 französische Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Ihre Hauptaufgabe war zuletzt vor allem die Ausbildung afghanischer Einheiten.

Rasmussen bezeichnet Vorfall als isoliert

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach Frankreich und den Truppen in Afghanistan sein Beileid aus, bezeichnete solche Tragödien jedoch als Einzelfälle. Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte am Freitag, "solche tragischen Rückschläge dürfen uns von unserer Entschlossenheit und dem Engagement für Frieden und Aussöhnung in Afghanistan nicht abbringen".

Sechs US-Soldaten kamen nach Angaben der Koalition am Donnerstag bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. Die Ursache werde noch untersucht, hieß es am Freitagmorgen in einer Erklärung. Feindaktivitäten habe es in der Region im Süden Afghanistans nicht gegeben. Ein Sprecher der Taliban teilte mit, die Aufständischen hätten den Transporthubschrauber im Bezirk Musa Kala in der Provinz Helmand abgeschossen. Dabei seien alle Insassen getötet worden.

 

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