Foto: dapd/Sebastian Willnow
Leipzig – Natürliche Alterung, schlechte Verarbeitung bei der Herstellung, minderwertige Materialien und nicht zuletzt auch rücksichtloses Verhalten von Lesern: Die Liste der Gründe, warum Bücher beschädigt werden, ist lang. Und in einer so großen Einrichtung wie der Deutschen Nationalbibliothek treten Schäden naturgemäß in größerem Umfang auf. Solche Bücher landen dann bei Martina Hohensee und ihrem Team in der DNB-Buchbinderei. "Etwa 4.000 sind es jedes Jahr", berichtet die Buchbindemeisterin.
Sie ist Leiterin des Arbeitsgebiets Buchbinderei und Restaurierung bei der DNB. Derzeit unterstehen ihr acht Mitarbeiter und sechs Auszubildende sowie zwei Restauratoren. "Die Mitarbeiter beherrschen im Prinzip natürlich alles, was in der Reparatur gefragt ist, sind aber durchaus spezialisiert", sagt Hohensee. Und das ist bei der Fülle der auftretenden Schäden auch notwendig: Mal müssen Einbände repariert werden, mal gerissene Seiten, dann wieder sind Bindungen beschädigt.
"Im modernen Bereich ist die Bindung schlechter geworden", weiß die Buchbinderin aus Erfahrung. Auch die billige Herstellung von Taschenbüchern, die in der Regel von einer Klebebindung zusammengehalten werden sollen, führt zur schnelleren Beschädigung auch dann, wenn Benutzer eigentlich vorsichtig mit den Büchern umgehen. Der Ressourcenmangel nach den Weltkriegen habe ebenfalls seine Spuren hinterlassen. "In der DDR ist - entgegen mancher Vorurteile - sehr hochwertig produziert worden", unterstreicht Hohensee. So wiesen auch preiswerte Bücher in der Regel eine Fadenheftung auf.
Viele Schäden treten Hohensees Angaben nach beim Kopieren von Büchern auf. "Da drücken die Nutzer schon einmal kräftig auf den Buchrücken, weil sie verhindern wollen, dass die Kopien nicht ordentlich werden", sagt die Arbeitsgebietsleiterin. Dadurch kann die Bindung Schaden nehmen oder Seiten reißen ein. Noch schlimmer sind allerdings die Schäden, die von extrem rücksichtlosen Nutzern angerichtet werden. "Es kommt immer wieder vor, dass ganze Seiten oder Abbildungen mit einem Cuttermesser fein säuberlich aus Büchern oder Zeitschriften herausgetrennt und mitgenommen werden", sagt Hohensee kopfschüttelnd. Dann müssen die DNB-Mitarbeiter versuchen, ein Ersatzexemplar oder zumindest eine Kopie der entsprechenden Seiten aufzutreiben.
Wie die Buchbinderin erklärt, darf dem Leser ruhig auffallen, wenn an den Büchern Eingriffe vorgenommen wurden. "Es muss kein Geheimnis bleiben, wenn etwas repariert ist", sagt sie. Natürlich solle die Reparatur nicht sofort ins Auge fallen, aber beim Bemühen darum, den Originalzustand der Medien zu erhalten, müssten Kompromisse eingegangen werden. Neben Reparaturen kümmern sich die Mitarbeiter der Buchbinderei auch um den Neueinband von Zeitungen und Zeitschriften. Und für besonders wertvolle Medien werden auch Verpackungen wie Boxen, Kästen oder Mappen angefertigt, in denen diese dann zurück ins Magazin gehen. So sollen Schäden vermieden werden - bevor erneut repariert werden müsste.
dapd
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