Foto: Ulla Trampert/Pixelio
Frankfurt/Main (apn) Die Finanzkrise Griechenlands könnte nach Einschätzung von Experten in einer Art Domino-Effekt auch andere „unsichere Staaten“ in Europa in Zahlungsprobleme bringen. Damit würden womöglich nicht nur die europäische Währungsunion, sondern auch deutsche Banken gefährdet. „Das Hauptrisiko für den deutschen Finanzsektor besteht in kollektiven Schwierigkeiten der PIIGS-Staaten“, heißt es nach einem „Spiegel“-Vorabbericht in einem internen Vermerk der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
Unter den PIIGS-Staaten versteht man an den Finanzmärkten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Griechenland könne für solche Schwierigkeiten „möglicherweise der Auslöser sein“, schreibt das Blatt unter Berufung auf den Vermerk weiter. Deutsche Banken sollen demnach Papiere dieser Staaten im Wert von 522,4 Milliarden Euro halten, was rund 20 Prozent der gesamten Auslandsforderungen deutscher Banken entspreche. Sie seien „Hauptgläubiger in Spanien und Irland und zweitwichtigster Gläubiger in Italien“. Eine BaFin-Sprecherin wollte den Bericht auf Anfrage der Nachrichtenagentur DAPD am Samstag nicht kommentieren.
Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sieht sogar die ganze Weltwirtschaft für den Fall in Gefahr, dass Domino-Effekte auch andere Länder in die Insolvenz zwingen: „Das kann, wenn man es falsch angeht, die Welt sogar in eine neue Rezession stürzen“, sagte er dem „Focus“. Wenn die EU Griechenland jetzt fallen ließe, wäre das ein schlechtes Signal für andere unsichere Länder. Sollte auch Irland zahlungsunfähig werden, folgten bald Portugal, Italien und Spanien: „Die Währungsunion wäre am Ende“, wird er weiter zitiert.
Der ifo-Chef äußerte sich den Angaben zufolge aber überzeugt davon, dass sich der Absturz der Währungsunion noch abwenden lasse. Griechenland müsse massiv sparen, und zudem müssten der Internationale Währungsfonds (IWF), die Europäische Union und einzelne EU-Länder helfen.
Der neue deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger erklärte, die Gefahr für die Stabilität des Euro sei „beherrschbar, aber ernst zu nehmen“. Zugleich mahnte er die EU-Mitgliedstaaten im „Hamburger Abendblatt“ zur Haushaltsdisziplin.
Gut drei Wochen vor Ablauf des Ultimatums der EU an Griechenland werden derweil in der Bundesregierung mögliche Hilfen Deutschlands geprüft. Laut „Spiegel“ könnte die Gesamthilfe der Euro-Gruppe ein Volumen von 20 bis 25 Milliarden Euro erreichen. Auf Deutschland entfielen darauf vier bis fünf Milliarden Euro, wie das Blatt weiter schrieb. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sprach am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur DAPD von Spekulationen, sowohl was mögliche Größenordnungen als auch Instrumentarien betreffe.
Die EU-Finanzminister hatten Griechenland am vergangenen Montag zu großen Anstrengungen noch in diesem Jahr bei der Sanierung seines Haushalts aufgerufen und als Frist den 16. März gesetzt. Bis dahin müsse das Land zeigen, dass es auf dem richtigen Weg sei, das Defizit im Bruttoinlandsprodukt von 12,7 Prozent auf 8,7 Prozent zu senken. Als mögliche Maßnahmen schlugen sie der griechischen Regierung weitere Ausgabenkürzungen und neue Steuern vor, so etwa eine Steuer beim Kauf von Luxusgütern und Autos.
Der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou zeichnete derweil im „Spiegel“ ein selbstkritisches Bild von der Lage seines Staates und beteuerte zugleich seinen Willen zu einschneidenden Reformen. „Wir wissen, dass wir vor großen Problemen stehen, an denen wir Griechen selbst schuld sind“, wird er zitiert. „In den Behörden und Staatsbetrieben ist Korruption leider weit verbreitet. Unser politisches System fördert Vetternwirtschaft und Geldverschwendung.“ (AP)
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