Umwelt – Drastische Schäden im Wald durch zu viel Wild – Vera Fröhlich
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Ökosystem Wald Drastische Schäden im Wald durch zu viel Wild

Vera Fröhlich

05.05.2010

Mit dem Verlust von Mischbaumarten durch Wildverbiss entsteht ein an Baumarten ärmerer Wald, der das ökonomische Risiko für den Waldbesitzer deutlich erhöht. Foto: Jens Meyer/AP Photo
Mit dem Verlust von Mischbaumarten durch Wildverbiss entsteht ein an Baumarten ärmerer Wald, der das ökonomische Risiko für den Waldbesitzer deutlich erhöht.

Foto: Jens Meyer/AP Photo

Berlin (apn) Rehe, Wildschweine und Hirsche verursachen im deutschen Wald drastische ökologische und ökonomische Schäden. Nach einem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Gutachten kosten allein Schutzzäune 90 Millionen Euro, damit das Schalenwild junge Bäumchen nicht abfrisst. Das Bundesamt für Naturschutz, der Deutsche Forstwirtschaftsrat und die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft forderten eine deutliche Verminderung besonders der Rehbestände über Mindestabschusspläne und geänderte Jagdzeiten.

Der Wildverbiss behindere großflächig die Anlage von naturnahen Mischwäldern und den Umbau herkömmlicher Forsten, heißt es in dem Gutachten. Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Beate Jessel, erklärte: „Wild gehört selbstverständlich zum Ökosystem Wald.“ Aber das Ausmaß der Schäden sei äußerst bedenklich.

„Die Bundeswaldinventur von 2004 etwa hat ergeben, dass knapp ein Fünftel aller Bäumchen verbissen sind“, sagte Jessel. In Westdeutschland habe die absolute Zahl der beschädigten Pflanzen um fast ein Drittel zugenommen. „Das sind Größenordnungen, die die Biodiversität der Wälder, ihre Kohlenstoffspeicher- und Schutzfunktion gefährden.“

Auch werde der Erfolg des Umbaus zu naturnahen Mischwäldern infrage gestellt, der wegen des Klimawandels besonders dringlich sei. „Damit werden nicht nur erhebliche vom Staat und von privaten Waldbesitzern getätigte Investitionen buchstäblich in den Waldboden gesetzt“, sagte die Präsidentin. Diese Situation sei auch untragbar, weil die gesellschaftlichen Ziele der Artenvielfalt und des Klimaschutzes nicht erreicht werden könnten.

„Wald vor Wild“

Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats, Georg Schirmbeck, sagte: „Mit dem Verlust von Mischbaumarten durch Wildverbiss entsteht ein an Baumarten ärmerer Wald, der das ökonomische Risiko für den Waldbesitzer deutlich erhöht.“ Hans von der Goltz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft, rechnete vor: „Die unnötigen Kosten von mindestens 3.000 Euro pro Hektar für Zäune, die heute jedes Jahr auf rund 30.000 Hektar anfallen, summieren sich auf einen Jahresbetrag von mindestens 90 Millionen Euro.“ Ein Hektar entspricht in etwa der Größe eines Fußballfelds.

Die Gutachter regen an, möglichst gemeinsam mit den Jägern die einschlägigen rechtlichen Bestimmungen zu überarbeiten. So müsse die Wildfütterung auf Notzeiten begrenzt werden. Unfallwild dürfe nicht mehr auf die Abschusspläne angerechnet werden. Es müssten effektivere Jagdmethoden eingeführt und die Jagdzeiten angepasst werden. Der Grundsatz „Wald vor Wild“ müsse dringend auf der Fläche umgesetzt werden, forderten die drei Organisationen.

Der Waldreferent des Naturschutzbundes Nabu, Johannes Enssle, kritisierte: „Es kann nicht sein, dass ein großer Teil der Jägerschaft die Wildbestände künstlich nach oben treibt und damit dem Wald letztendlich schadet.“ Die Kosten dafür trage die Allgemeinheit. Denn bis zum heutigen Tag müsse der Wald vielfach vor Rehen eingezäunt werden. „Ein Zustand, der die Steuerzahler jährlich mehrere Millionen Euro kostet.“

http://www.bfn.de/ (AP)

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