Aktuelle Nachrichten – Sport
11.07.2011
Foto: Christian Palma/AP/dapd
Hamburg/Mexiko-Stadt – An den schiefen Stimmen deutscher Fußball-Nationalspieler wird man sich in Zukunft wohl nur noch selten erfreuen können. Wenn das Mikrofon beim Abspielen der Hymne vor den Gesichtern der DFB-Auswahlspieler hergeführt wird, herrscht dann eisige Stille – mit der Textsicherheit haben es die jungen Menschen heute nicht mehr so. Dafür spielen sie Fußball zum Zungeschnalzen – und darum geht es ja schließlich.
Dass man sich um die Zukunft des deutschen Fußballs keine Sorgen machen muss, hat die U17-Nationalmannschaft in den vergangenen drei Wochen bei der Weltmeisterschaft in Mexiko eindrucksvoll bewiesen. Mit einem sensationellen 4:3-Sieg gegen Brasilien und dem damit verbundenen dritten Platz haben die 16 und 17 Jahre alten Nachwuchsspieler am Sonntagabend ein überaus erfolgreiches Turnier beendet. "Respekt und Anerkennung für die Leistung meiner Mannschaft bei dieser Weltmeisterschaft", fasste Trainer Steffen Freund sichtlich stolz die Endrunde zusammen.
Seine Multikulti-Truppe hatte sich der Welt wahrlich eindrucksvoll präsentiert und besonders in der Offensive ein Feuerwerk entzündet: 24 Tore erzielte die Mannschaft in sieben Partien. Bei sechs Niederlagen gab es nur im Halbfinale eine bittere 2:3-Niederlage in letzter Sekunde gegen Gastgeber Mexiko, der sich im Finale mit einem 2:0 gegen Uruguay in der Nacht zum Montag schließlich auch den WM-Titel sicherte.
Das Spiel um Platz drei im mit rund 80.000 Zuschauern sehr gut besuchten Aztekenstadion von Mexiko-Stadt gegen Brasilien war ein Spiegelbild des Turniers. "Die Mannschaft hat wieder einmal bewiesen, welch großer Teamgeist in ihr steckt", sagte der Europameister von 1996, Steffen Freund. Nachdem seine Auswahl bereits mit 1:3 hinten lag, folgte ein unglaublicher Kraftakt zum letztendlich verdienten Sieg. Besonders die Art und Weise, wie diese Mannschaft Fußball zelebriert, lässt jeden Zuschauer ins Schwärmen geraten: Tempofußball auf technisch höchstem Niveau, Kabinettstückchen, die selbst die Brasilianer beeindruckt haben dürften und eine fast schon unverschämte Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor zeichnen den "DFB 2.0" aus.
Wie schon so oft im Turnierverlauf spielten sich dabei erneut vor allem die Leverkusener Samed Yesil und Okan Aydin sowie Levent Aycicek von Werder Bremen in den Mittelpunkt. Die Hälfte der 24 deutschen Turniertreffer erzielte dieses Trio – im Spiel um Platz drei waren es drei: Nach der frühen Führung durch Aydin (20. Minute) schlugen die Südamerikaner durch Wellington (22.) und zweimal Adryan (29. und 33.) zurück. Doch der Dortmunder Koray Günter (45.) sowie Aycicek (55.) und erneut Aydin (63.) drehten die Partie für die DFB-Elf.
Es war das Happy End eines überragenden Turniers für den deutschen Nachwuchs, doch Freund wollte keinen seiner Jungs besonders hervorheben. "Die Mannschaft hat einfach eine tolle WM gespielt", sagte er. Und die dankte es ihrem Trainer, wie sie es traditionell nach jeder Partie tat: "Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt", stimmte die Mannschaft wieder an – und selbst dabei harmonierte die Truppe. (dapd)
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