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Aktuelle Nachrichten – Deutschland

Druck auf UNICEF nimmt zu

DAPD

05.02.2008

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen steht in Deutschland in der Kritik. (UNICEF)
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen steht in Deutschland in der Kritik. (UNICEF)

Frankfurt/Main – Der Druck auf UNICEF Deutschland nimmt auch nach dem Rücktritt der Vorsitzenden Heide Simonis zu. Die Genfer Zentrale des internationalen Kinderhilfswerks äußerte sich „besorgt wegen des Imageschadens“. 5.000 Fördermitglieder haben schon gekündigt, die erste regionale Arbeitsgruppe löste sich auf. Der umstrittene Geschäftsführer Dietrich Garlichs kündigte als Konsequenz aus den Vorwürfen organisatorische Änderungen an, lehnt einen vielfach geforderten Rücktritt aber weiter ab.

Er unterstütze Forderungen nach mehr Transparenz, sagte Garlichs dem WDR. „Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG macht dafür jetzt Vorschläge, und wir werden mit der KPMG gemeinsam diese Vorschläge durchsetzen.“ Der Übergangsvorsitzende Reinhard Schlagintweit sagte der „Financial Times Deutschland“ (FTD), es werde strukturelle Veränderungen in der Geschäftsstelle und bei der Vorstandsarbeit geben. UNICEF stecke in einer „Modernisierungskrise“. Der Vorstand tagt am Mittwoch kommender Woche. Dann soll es auch um die Nachfolge der zurückgetretenen Vorsitzenden Heide Simonis gehen.

Ein Mitglied des UNICEF-Komitees, Edith von Welser-Ude, forderte laut „Frankfurter Rundschau“ vom Vorstand ultimativ die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Der Vorstand dürfe mit seiner „Wagenburgmentalität und Beschwichtigungsstrategie“ nicht weitermachen. „Die Transparenz, die Kontrolle muss wieder hergestellt werden“, verlangte sie im BR. Der Geschäftsführer „durfte offensichtlich schalten und walten wie er wollte“.

Die Vertreterin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag bei UNICEF, Anke Eymer, forderte im „Tagespiegel“ mehr Transparenz und strukturelle Veränderungen in der Zusammenarbeit von Vorstand und Komitee. Die frühere UNICEF-Geschäftsführerin Katharina Schippers verlangte laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ den Rücktritt ihres Nachfolgers Garlichs und des Vorstands.

„Leichtfertiger Umgang mit Spendengeldern“

Solche Stimmen werden auch an der Basis lauter. Die Arbeitsgruppe Niederrhein löste sich auf. 15 der 20 Mitarbeiter seien aus tiefer Enttäuschung zurückgetreten, sagte der Leiter der Gruppe, Herbert Schröders, der AP. Die übrigen wechselten zu Nachbargruppen. „Ich bin entsetzt über den leichtfertigen Umgang mit Spendengeldern und die mangelnde Transparenz“, sagte Schröders und forderte den Rücktritt von Garlichs. Auch die Leiterin der Arbeitsgruppe Marburg, Prisca Priebe, sagte dem „Tagesspiegel“: „Wir bestehen auf einer neuen Geschäftsleitung“. Klaus Hoppe von der Arbeitsgruppe Frankfurt rief Garlichs laut „Frankfurter Rundschau“ ebenfalls zum Rücktritt auf.

Prominente meldeten sich kritisch zu Wort. Nina Ruge, Mitglied des UNICEF-Komitees, sagte der „Bild“-Zeitung: „Es ist den vielen freiwilligen Helfern an der Basis nicht zu vermitteln, wenn ein ehemaliger UNICEF-Mitarbeiter als Pensionär für seine Arbeit 850 Euro Honorar am Tag von UNICEF kassiert.“ Am Montag hatte die Schwimmerin Sandra Völker der Organisation ihre Unterstützung entzogen.

Garlichs bestätigte im WDR, dass UNICEF etwa 5.000 von 200.000 Fördermitgliedern verloren habe. Der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke, sagte den „Stuttgarter Nachrichten“: „Wir schauen, ob die Vorwürfe irgendwelche Konsequenzen auf das Spendensiegel haben.“ Die Sprecherin der Genfer UNICEF-Zentrale, Veronique Taveau, sagte der „FTD“, sie hoffe auf eine schnelle Lösung, damit wieder ungestört gearbeitet werden könne. (AP)

 

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