Entfremdung beginnt heute bereits vor dem ersten Atemzug. Doch wird uns die schmerzfreie Geburt als das Non-Plus-Ultra des Fortschritts gepriesen, zusammen mit der Planbarkeit der Geburt und der bereits fortgeschrittenen Planbarkeit der Qualitätsmerkmale eines neuen Lebens. Kaiserschnitt nach Wunsch mit Video-Aufzeichnung als Ultima Ratio bereits in den Köpfen der Schulkinder als Beweis dafür, das ein bequemes und schmerzfreies Leben dank der heutigen Wissenschaft möglich sei. Jedes vierte Kind wurde in 2003 laut Statistischem Bundesamt bereits auf diese Art entbunden.
Doch das Leben ist anders. Gerade der Schmerz, den wir so fürchten, ist bei der Geburt ein wichtiger Helfer. Er hilft, die hormonellen Abläufe bei Mutter und Kind zu regeln, fördert die erste grundlegende Beziehungserfahrung von Mutter und Kind. Die Schmerz-Information erleichtert die Erholung und Rückbildung und schenkt dem Kind den ersten Eindruck einer neuen Welt nach einem schmerzhaften Übergang, den wir „Geburt“ nennen. Selten jedoch werden Mütter über das sinnvolle Zusammenwirken dieser natürlichen Faktoren informiert. Und das obwohl diese speziellen Hormone, wie unteranderem Oxitoxin jetzt auch zur Produktion von Glücksgefühlen bei Depressionen eingesetzt werden.
Es gibt viele Möglichkeiten dem Schmerz zu begegnen, Frauen sind ihm nicht hilflos ausgeliefert. Massagen, Akupunktur oder Hypnose können helfen eine Geburt ohne die übliche Betäubung zu ertragen oder die Medikation auf ein Minimum zu reduzieren. Vertrauen hilft gegen die überwältigenden Gefühle von Hilflosigkeit. Ausreichend Information und Menschen, die Geborgenheit geben und Stärke vermitteln, helfen gegen das Ausgeliefertsein. Das Schönste jedoch ist der Lohn der gemeinsamen Anstrengung, der Mutter und Kind die für immer verbindet.
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