Aktuelle Nachrichten – Innovation
05.09.2011
Foto: E-Plus
„Im Trend, aber nicht trendy“, so bezeichnete Gunnar Bender, Mitglied der Geschäftsleitung von E-Plus, das Joint Venture von E-Plus und Nokia Siemens Networks für eine energieautarke Mobilfunkstation. Rainer Bomba vom Bundesverkehrsministerium nannte sie „ein eindrucksvolles Beispiel für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie.“ Er überreichte einen millionenschweren Scheck zur Förderung der Innovation am Montag in Berlin. Im BASE-camp Unter den Linden gab es dazu eine inhaltsreiche launige Präsentation.
Der Betrieb eines Mobilfunknetzes ist nicht nur energie- sondern auch kostenintensiv und erzeugt den Großteil des Energiebedarfs für Mobilfunkanbieter. Um den Energieverbrauch zu senken und damit Kosten einsparen zu können, hat die E-Plus Gruppe mit Nokia Siemens Networks eine vom Stromnetz unabhängige Mobilfunkstation entwickelt. Diese befindet sich zurzeit in Versmold bei Bielefeld in der Testphase. Die Kosteneinsparung soll mit der Nutzung erneuerbarer Energien und einem geringeren Sendestromverbrauch erreicht werden.
Beim Betrieb der 40 Meter hohen Basisstation kommen ausschließlich regenerative Energien zum Einsatz. Die Stromversorgung ist eine Hybridlösung aus Solarenergie, Windkraft und Brennstoffzelle. Die Solarkomponenten des Senders erstrecken sich über eine Fläche von 57,5 m² und werden mit einem Nachführungssystem, das mit optischen Sensoren arbeitet, immer im optimalen Winkel zur Sonne ausgerichtet.
An der Spitze der Sendestation befindet sich eine Windturbine mit vertikaler Achse, die auch kurzfristige Windstöße zur Stromerzeugung ausnutzen kann. Bei guten Wetterbedingungen versorgen die beiden Komponenten die Station mit Strom und laden die integrierten Akkus auf, die bei schlechten Wetterverhältnissen die Station bis zu 60 Stunden in Betrieb halten können. Entladen sich die Akkus aufgrund anhaltender ungünstiger Wetterbedingungen bis zu einem einstellbaren Wert, werden die Brennstoffzellen der Station hinzugeschaltet. Das Brennstoffzellensystem enthält zwei Bündel mit jeweils zwölf Wasserstoffflaschen. Jedes Bündel kann den Standort für etwa fünf Tage mit Strom versorgen.
Gesteuert und überwacht wird der Betrieb der Mobilfunkanlage mit dem Nokia Siemens Networks Green Energy Controller. Er überwacht unter anderem die Leistung der energieerzeugenden Elemente und den Ladezustand der Akkus. Bei unzureichendem Ladezustand schaltet der Energy Controller die Brennstoffzelle hinzu. Droht eine Überladung der Akkus, sorgt der Controller dafür, dass die Windturbine zum Stillstand kommt.
Mit dem Nokia Siemens Network NetAct-System werden die gemessenen Energiedaten gesammelt und ausgewertet. Die Energieversorgung kann so langfristig optimiert werden. Außerdem sollen die Daten als Grundlage für die Planung weiterer Standorte dienen.
In Zukunft sollen noch mindestens zwölf weitere Sendestationen gebaut werden, um geografische und meteorologische Einflüsse in der Praxis testen zu können. Fast ein Drittel der Finanzierung soll dabei durch die Einsparung der nicht benötigten Stromanbindung erfolgen. Auch der Bund unterstützt das Projekt der E-Plus Gruppe mit rund 2,3 Millionen Euro aus dem Nationalen Investitionsprogramm für Wasserstoff- und Brennzellentechnologie des Bundesverkehrsministeriums.
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