Aktuelle Nachrichten – Umwelt
08.11.2011
Foto: Oliver Lang/dapd Photo
Düsseldorf – Strom aus Braunkohle ist in Deutschland kaum weniger umstritten als die Atomenergie. Befürworter sehen in ihr den einzigen Energieträger, der in Deutschland ohne Subventionen im großen Stil gefördert werden kann. Umweltschützer warnen dagegen, Braunkohle sei "Gift fürs Klima". Fragen und Antworten:
- Wie viel Braunkohle wird in Deutschland eigentlich gefördert?
Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 169,4 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Sie deckte rund ein Zehntel des deutschen Energiebedarfs. Damit war die Braunkohle nach Angaben des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins (DEBRIV) der wichtigste heimische Energieträger, vor den erneuerbaren Energien, Erdgas, Steinkohle und Mineralöl.
- Wo wird Braunkohle abgebaut?
Der Tagebau konzentriert sich auf vier Regionen: das Rheinland, die Lausitz, Mitteldeutschland sowie Helmstedt. Die Vorräte dort reichen nach Angaben der Energiewirtschaft noch für Jahrzehnte.
- Was geschieht mit der Braunkohle?
Sie wird fast ausschließlich zur Gewinnung von Strom und Fernwärme eingesetzt. Kraftwerke auf Braunkohlenbasis erzeugten 2010 rund 147 Milliarden Kilowattstunden Strom und deckten damit fast ein Viertel des deutschen Stromverbrauchs.
- Wird die Braunkohle ebenso subventioniert wie die Steinkohleförderung oder die Solarenergie?
Nein. Braunkohle ist, wie ihre Befürworter gerne betonen, der einzige heimische Energieträger, der ohne Subventionen ausreichend verfügbar ist. Denn die Förderung im Tagebau macht die Braunkohle konkurrenzlos günstig. Nach Angaben des Energiekonzerns RWE ist Steinkohle für Kraftwerke doppelt so teuer, Erdgas kostet sogar drei bis viermal so viel wie Braunkohle. Dieser Preisvorteil macht die höheren Kostenbelastungen durch die für die Verstromung benötigten CO2-Zertifikate mehr als wett.
- Wie sind die Zukunftsaussichten der Braunkohle?
Das ist umstritten. Nach Ansicht ihrer Befürworter könnte die Bedeutung der Braunkohle als Eckpfeiler der deutschen Energieversorgung in den nächsten Jahren wegen des Ausstiegs aus der Kernenergie und der Einstellung des deutschen Steinkohlenbergbaus sogar noch zunehmen. Schließlich werden auch bei einem drastischen Ausbau der erneuerbaren Energien konventionelle Kraftwerke benötigt, um deren schwankende Leistungen auszugleichen. Umweltschützer fordern dagegen den Ausstieg auch aus der Braunkohle.
- Was spricht gegen die Braunkohle?
Nach Einschätzung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist Braunkohle "der klimaschädlichste alle Energieträger". Je Tonne verfeuerter Rohbraunkohle werde unweigerlich eine Tonne des Treibhaugases Kohlendioxid freigesetzt. Selbst in modernen Anlagen sei der CO2-Ausstoß pro Kilowattstunde dreimal so hoch wie bei modernen Gaskraftwerken. Greenpeace nennt Braunkohle deshalb auch "Gift fürs Klima" und plädiert für den Ausstieg aus der Braunkohle bis spätestens 2030.
Doch nicht nur die Klimaschädlichkeit ruft Kritiker auf den Plan, auch die Landschaftszerstörung durch die riesigen Tagebaue und die für den Abbau notwendige weiträumige Absenkung des Grundwasserspiegels stoßen auf Widerstand.
(dapd)