Essen – Übergewicht und Fettsucht nehmen in den Industrieländern rasant zu. Die übermäßigen Pfunde erhöhen bei den Betroffenen das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Gelenkschäden oder Krebserkrankungen. Viele Übergewichtige versuchen, nicht nur durch Diät oder Bewegung, sondern mit der Einnahme von Schlankheitspillen abzunehmen. Deren Effekt und Nebenwirkungen hängen aber entscheidend von den jeweiligen Erbanlagen ab, wie eine Studie des Universitätsklinikums Essen zeigt.
Demnach bringen die Schlankmacher einem großen Anteil der Patienten nicht nur wenig Nutzen, sondern sie lösen unter Umständen sogar gefährliche Nebenwirkungen aus. Die Forscher konzentrierten sich vor allem auf eine häufige Veränderung eines Gens, das für die Bildung des sogenannten stimulierenden G-Proteins zuständig ist. Dieses Protein ist etwa an der Fettverbrennung und der Steuerung der Herzfrequenz beteiligt. In der Studie wurden 110 übergewichtige Patienten in zwei Gruppen geteilt, die ein Jahr lang Diät hielten. Zusätzlich nahm eine Hälfte den Schlankmacher Sibutramin, die übrigen Teilnehmer dagegen ein Scheinpräparat.
Bei Menschen mit einer bestimmten, weit verbreiteten Genvariante führte die Einnahme von Sibutramin im Vergleich zum Placebo zu keiner zusätzlichen Gewichtsabnahme. Dafür verursachte der Wirkstoff bei ihnen einen starken Anstieg von Puls und Blutdruck. Patienten mit einer anderen Genvariante profitierten dagegen von dem Medikament und hatten nach Angaben der Uniklinik Essen auch seltener Nebenwirkungen. Die Forscher appellieren an die Pharmaindustrie, weitere Untersuchungen zu ermöglichen und so die Sicherheit der Arzneien zu erhöhen. Künftig könnten Gentests dabei helfen, für jeden übergewichtigen Patienten die optimale Therapie zu bestimmen und gefährliche Nebenwirkungen von Medikamenten zu vermeiden. (AP)
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