Fußball – Effenberg in Gladbach ausgepfiffen und gescheitert – Ralf Loweg
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Keine "Initiative Borussia" Effenberg in Gladbach ausgepfiffen und gescheitert

Ralf Loweg

29.05.2011

Der ehemalige Fussball-Nationalspieler, Stefan Effenberg, bei der Ankunft in Mönchengladbach am Borussia Park Stadion zur Ordentlichen Jahreshauptversammlung des Vereins.  Foto: Mark Keppler/dapd
Der ehemalige Fussball-Nationalspieler, Stefan Effenberg, bei der Ankunft in Mönchengladbach am Borussia Park Stadion zur Ordentlichen Jahreshauptversammlung des Vereins.

Foto: Mark Keppler/dapd

Düsseldorf/Mönchengladbach – Stefan Effenberg ist mit seinem Umsturz-Versuch beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach kläglich gescheitert. Lediglich 335 Mitglieder stimmten auf der Jahreshauptversammlung des Vereins am Sonntag für den Antrag des ehemaligen Profis, der mit seiner "Initiative Borussia" das bisherige Präsidium stürzen und selbst die Macht übernehmen wollte. Die überwältigende Mehrheit von 4.269 stimmte gegen Effenberg und dessen Team, dem unter anderem Ex-Trainer Horst Köppel als möglicher neuer Präsident angehörte.

Effenbergs Abgang vor der Abstimmung

Als das Ergebnis verkündet wurde, gab es tosenden Beifall. Effenberg bekam von der Schmach nichts mit, denn er hatte das Stadion bereits vor der Abstimmung verlassen. Selbst seine vorbereitete Rede hatte der "Tiger" nicht gehalten – offenbar auf Anraten aus den eigenen Reihen. Zuvor hatte es von den meisten Mitgliedern immer wieder lautstarke Proteste und Pfiffe gegeben, sobald der Name Effenberg überhaupt nur genannt wurde. Die Homepage der "Initiative Borussia" wurde unmittelbar nach der Niederlage aus dem Netz genommen.

Damit bleibt die Führungsriege der Mönchengladbacher unverändert im Amt, was nach dem geschafften Klassenverbleib und der nervenaufreibenden Relegation gegen den Zweitligisten VfL Bochum allgemein hin auch erwartet worden war. Die starken Männer sind somit wohl weiterhin Präsident Rolf Königs und Sportdirektor Max Eberl. Der Geschäftsführer heißt Stephan Schippers, und als Vize-Präsident ist der ehemalige Nationalspieler und Ur-Borusse Rainer Bonhof tätig.

Königs: "Initiative in der falschen Spur"

"Die ganze Sache hat mir schon Kopfschmerzen bereitet", sagte der sichtlich erleichterte Königs nach dem Ergebnis. Es sei ein Wunder gewesen, dass sich die Mannschaft von diesen Störfeuern nicht habe ablenken lassen und den Klassenerhalt geschafft habe. Der Präsident sprach von einem wichtigen und eindeutigen Votum der Mitglieder. Einen Seitenhieb auf Effenberg wollte er sich nicht verkneifen. Königs: "Die Initiative war die ganze Zeit in der falschen Spur. Ihre Ziele hätten dem Verein nicht genutzt, sondern geschadet. Und das haben die Mitglieder erkannt."

Dabei hatte sich Effenberg vor den Stunden der Entscheidung recht optimistisch gegeben. "Ich appelliere an die Mitglieder, auf ihren gesunden Menschenverstand zu hören. Der größte Fehler wäre, zu glauben, dass jetzt alles in Ordnung ist – ganz im Gegenteil. Die Mitglieder dürfen sich nicht blenden lassen", sagte Effenberg im Interview der Bild am Sonntag. Doch damit fand er bei den Fans offensichtlich kaum Gehör.

Vollmundig hatte Effenberg immer wieder versprochen, eine andere, erfolgsorientierte Denkweise in den Verein zu bringen. Er wisse, wie sich Erfolge anfühlen und was man investieren müsse, um Titel zu gewinnen. "Falls ich Sportdirektor werden sollte und zwei, drei Jahre so an den Zielen vorbeifahre wie die aktuelle Führung, stehe ich von selbst auf und sage: Das war es. Dann mache ich Platz für jemand anderen", sagte der ehemalige Nationalspieler. Doch dazu kam es erst gar nicht. Effenberg musste in Gladbach seinen Hut nehmen, bevor er ihn überhaupt richtig auf hatte.

Favre kam extra aus der Schweiz

Die Abstimmung wurde entgegen erster Vermutungen nicht geheim, sondern offen per Stimmkarte durchgeführt. Das freute vor allem den Gladbacher Trainer Lucien Favre, der von den Fans als Vater des Erfolges gefeiert wurde. Vor Favres Verpflichtung hatte die Borussia scheinbar aussichtslos am Tabellenende gelegen. Doch der neue Coach machte das Wunder möglich, so jedenfalls die Meinung der meisten Mitglieder. "Ich bin heute Morgen um vier Uhr aufgestanden und extra aus der Schweiz angereist. Ich will rechtzeitig wieder bei meiner Familie sein", sagte Favre, der sich über das doch relativ schnelle und vor allem eindeutige Votum freute. (dapd)

 

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