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Warten auf Nobelpreise Ein Anruf aus Stockholm

Karl Ritter

02.10.2009

Chinesische Menschenrechtler haben dieses Jahr gute Chancen den Friedensnobelpreis zu erhalten. Hier im Bild Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng, links, und Bürgerrechtler Hu Jia. (Mit freundlicher Genehmigung von www.gao-zhisheng.de)
Chinesische Menschenrechtler haben dieses Jahr gute Chancen den Friedensnobelpreis zu erhalten. Hier im Bild Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng, links, und Bürgerrechtler Hu Jia. (Mit freundlicher Genehmigung von www.gao-zhisheng.de)
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Stockholm – Von diesem glorreichen Augenblick träumen Wissenschaftler, Schriftsteller und Friedensaktivisten in aller Welt. Die wenigen Auserwählten erreicht kommende Woche der ersehnte Anruf aus Skandinavien, der Ruhm und eine Millionensumme verheißt. Die anderen müssen mit der Enttäuschung leben, dass das Nobelpreiskomitee sie wieder einmal übergangen hat. Als Favoriten für den Friedensnobelpreis gelten in diesem Jahr chinesische Regimekritiker. In der Sparte Literatur ist unter anderen Bob Dylan nominiert.

Von Montag an geben die sechs Nobel-Komitees bekannt, wer die angesehensten Auszeichnungen für herausragende Leistungen auf den Gebieten Medizin, Chemie, Physik, Literatur und Wirtschaftswissenschaften sowie zur Förderung des Weltfriedens erhält. Jeder Preis ist verbunden mit zehn Millionen Kronen (rund 980.000 Euro) und einer Reise nach Stockholm oder Oslo, wo die Ehrungen traditionell feierlich verliehen werden.

Dylan als Dichter nominiert

Bis zum Moment der Bekanntgabe ist das Auswahlverfahren streng geheim. Beraten wird hinter verschlossenen Türen. Selbst die Nominierungen sind vertraulich, wenn nicht gerade jemand seinen Kandidaten ausplaudert. So machte dieses Jahr die dänische Literaturprofessorin Anne-Marie Mai publik, dass sie Dylan vorgeschlagen hat, weil sie sich voriges Jahr dermaßen über abfällige Äußerungen eines Jurors über die amerikanische Literatur geärgert hatte. „Bob Dylan zeigt, dass amerikanische Kunst und Literatur des Preises würdig sind“, sagte Mai. Für sie zähle er zu den führenden Künstlern der Dichtung.

Der Musiker, Dichter und Maler soll schon mehrfach nominiert gewesen sein, passt aber nicht so recht in das Klischee eines Literaturnobelpreisträgers. Er schreibt vor allem Liedtexte, und er ist ein Star – was ihm zum Nachteil gereichen könnte bei der Schwedischen Akademie mit ihrer Vorliebe für Autoren, die kaum einem Durchschnittsleser bekannt sind. So waren 2004 selbst manche Literaturwissenschaftler verblüfft über die Auszeichnung der Österreicherin Elfriede Jelinek. Ein schwedisches Gremienmitglied hielt diese Wahl für so absurd, dass er den Beratungen seither fernbleibt.

Dieses Jahr sind für den Preis unter anderen auch der israelische Schriftsteller Amos Oz, die US-Autoren Joyce Carol Oates und Philip Roth sowie der syrische Dichter Adonis im Gespräch.

Politischer „Tritt vors Schienbein“

Nicht selten wird unterstellt, dass die Auswahl tendenziös ist. Besonders der Friedenspreis wird durch die politische Brille betrachtet, weil das Komitee – nach Vorgabe des Stifters Alfred Nobel – aus Mitgliedern des norwegischen Parlaments besteht. In seltener Offenheit erklärte 2002 der Komiteevorsitzende, die Auszeichnung des früheren US-Präsidenten Jimmy Carter für dessen internationalen Vermittlungsbemühungen könne gern als „Tritt vors Schienbein“ der Regierung Bush wegen des Irak-Krieges verstanden werden. Diesmal könnte das Gremium nach Vermutung von Experten Peking einen Rüffel verpassen und 20 Jahre nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz chinesische Dissidenten und Menschenrechtler auszeichnen.

Die Preise für Physik, Chemie und Medizin sind gewöhnlich auf politischer Ebene nicht so umstritten, doch unter Wissenschaftlern sorgen sie durchaus mal für hitzige Debatten. So brach voriges Jahr die Diskussion über die Entdeckung des Aids-Virus wieder auf, nachdem die französischen Wissenschaftler Francoise Barre-Sinoussi und Luc Montagnier, nicht aber der Amerikaner Robert Gallo ausgezeichnet wurden.

Neue Preise für neue Zeiten?

Gelegentlich wird gefordert, die seit 1901 verliehenen Preise zu modernisieren und der Entwicklung im 21. Jahrhundert anzupassen. So warben diese Woche zehn Wissenschaftler bei der Nobel-Stiftung dafür, neue und praxisorientierte Preise für Umwelt und Gesundheitswesen auszuschreiben. Die Chancen dafür scheinen gering, da sich die Stiftung strikt an Nobels Vermächtnis hält. 1968 hatte sie immerhin die Schaffung eines Preises für Wirtschaftswissenschaften genehmigt. Gestiftet von der schwedischen Notenbank, zählt er nicht zu den eigentlichen Nobelpreisen, wird aber vom schwedischen König zugleich mit den originalen Auszeichnungen übergeben.

Der Preis in der Sparte Medizin wird am Montag bekanntgegeben, gefolgt von Physik am Dienstag, Chemie am Mittwoch und Literatur am Donnerstag. Der Friedensnobelpreis ist am Freitag an der Reihe. Den Abschluss bilden die Wirtschaftswissenschaften am Montag dem 12. Oktober. Übergeben werden die Auszeichnungen sämtlich am 10. Dezember, Nobels Todestag.

http://nobelprize.org/ (AP)

 

 

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