Kultur – Ein Ehrenplatz für Nofretete – Holger Mehlig
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Neues Museum in Berlin präsentiert Menschheitsgeschichte Ein Ehrenplatz für Nofretete

Holger Mehlig

15.10.2009

Die Büste der Nofretete im "Neuen Museum" in Berlin. (AP Photo/Markus Schreiber)
Die Büste der Nofretete im "Neuen Museum" in Berlin. (AP Photo/Markus Schreiber)

Berlin – Sie ist der unumstrittene Star. Die Büste der Nofretete hat einen eigens reservierten Ehrenplatz mitten im Nordkuppelsaal des Neuen Museums in Berlin erhalten – einem majestätischen Oktogon, überwölbt von einer Kuppel, die dem Pantheon in Rom nachempfunden ist. Hier erstrahlt die rätselhaft Schöne, blickt durch die Säle bis in die Südkuppel, blickt zur hier thronenden Statue des Sonnengottes Helios – die sich ihrerseits in den Scheiben der meterhohen Vitrine Nofretetes spiegelt.

Es ist das Konzept des Museums, Zeiten zu verknüpfen und Verbindungslinien zu ziehen. In dem prächtig vom Architekten David Chipperfield sanierten Ausstellungshaus sind auf diese Weise Tausende Jahre Menschheitsgeschichte zu erfahren. Erzählt werden Geschichten vom Ursprung der Menschheit, von der Blüte des alten Ägyptens bis hin zur Entwicklung der Altertumswissenschaften.

Es treten elegant in Szene gesetzt aber nicht nur Exponate wie die Nofretete-Büste und Helios, ein Objekt der Antikensammlung aus dem Themenbereich Römische Provinzen, in Dialog. Genauso eindrucksvoll und Emotionen schürend ist das Wechselspiel zwischen Räumen und Ausstellungsstücken, die gleich aus drei bedeutenden Sammlungen stammen: dem Ägyptischen Museum, dem Museum für Vor- und Frühgeschichte sowie der Antikensammlung.

Spuren der wechselvollen Geschichte

Bei den sechs Jahre dauernden Restaurierungsarbeiten des im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstörten klassizistischen Hauses von Friedrich August Stüler ging es Chipperfield darum, das Originalmaterial zu erhalten, aber auch die Zerstörungen wie Einschusslöcher oder die durch Wind und Wetter entstandene Schäden sichtbar zu lassen. Nur unwiederbringlich verloren gegangene Teile des Museums ersetzte er durch moderne Elemente. Gelungen ist Chipperfield ein Meisterwerk, das die Narben der wechselvollen Geschichte zeigt, ohne dem Gebäude jedoch seinen Glanz zu nehmen.

So sind beispielsweise im „Ägyptischen Hof“ Fragmente von 14 Bildern zu sehen, die Tempel zeigen. In dem Raum stehen Sarkophage, auf die von allen Seiten Licht strömt. Genau zwei Stockwerke darüber schwebt gleichsam eine Plattform, in dem Porträtköpfe der Königsfamilie um Echnaton und seiner Frau Nofretete präsentiert werden. Der „Vaterländische Saal“ mit seinen Wandbildern aus der germanischen Sagenwelt bildet dagegen den Rahmen für die Einführung in die Vor- und Frühgeschichte.

Karg und streng statt Pracht und Glanz

Imposant ist die Eingangshalle, die durch Bomben fast vollständig zerstört war. Einst sorgten hier kunstvolle Wandgemälde und prächtig verzierte Treppenläufe für Glanz. Heute führt in karger Strenge eine Betontreppe bis in die zweite Etage, die Wände bestehen aus Rohziegeln, unter der hohen Decke sind mächtige dunkle Holzbalken eingezogen.

Insgesamt werden auf vier Ebenen rund 9.000 Exponate präsentiert. Auf diese Weise gibt es unter anderem Einblick in den Wandel altägyptischer Kultur über vier Jahrtausende. In wiederaufgebauten Opferkammern werden Reliefkunst und Grabarchitektur präsentiert.

Im zweiten Obergeschoss führt der Weg in die früheste Menschheitsgeschichte: Von der Steinzeit mit den Funden des Neandertalers aus Le Moustier geht es weiter bis in die Bronzezeit. Besonders faszinierend ist hier der rund 3.000 Jahre alte Goldhut, aus dessen geheimnisvoller Symbolik hervorgeht, wie genau bereits damals kalendarisches Wissen existierte. Bestandteil der Ausstellung ist auch die Troja-Sammlung des Archäologen Heinrich Schliemann, der diese den Berliner Museen schenkte. Das älteste Objekt ist ein 700.000 Jahre alter Faustkeil.

„Jenseits und Ewigkeit“

Am (morgigen) Freitag wird das Museum mit einem Festakt eröffnet. Die Eröffnung markiert auch einen wichtigen Schritt zur Realisierung des Masterplans, nach dem die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Museumsinsel bis 2028 modernisiert wird.

Als nächstes soll bis 2013 ein neues Eingangsgebäude entstehen. Von dort werden die Häuser des Areals durch eine sogenannte unterirdische archäologische Promenade erschlossen. Ziel ist es, die Museen inhaltlich miteinander zu verknüpfen. Der erste Abschnitt der Promenade ist im Neuen Museum zu sehen – hier gibt es bereits Themenräume wie „Jenseits und Ewigkeit“, „Weltordnung“ und „Gott und Götter“.

http://www.museumsinsel-berlin.de/

http://www.smb.museum/neuesmuseum (AP)

 

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