Umwelt – Ein elektrisierendes Potenzial – Verena Schmitt-Roschmann
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Aktuelle Nachrichten – Umwelt

Ein elektrisierendes Potenzial

Verena Schmitt-Roschmann

08.10.2006

Berlin - Die beste Kilowattstunde ist die, die nie verbraucht wird. So sieht es auch die Bundesregierung. Denn gesparter Strom und nicht benötigte Heizwärme kosten nichts, sie machen keinen Dreck und machen unabhängig von zickigen Rohstofflieferanten und steigenden Preisen. Energieeffizienz heißt deshalb das Zauberwort. Beim zweiten Nationalen Energiegipfel am Montag bei Kanzlerin Angela Merkel soll es im Mittelpunkt stehen.

«Das klingt zwar nicht ganz so elektrisierend, aber es hat ein enormes Potenzial», kalauerte am Freitag Regierungssprecher Thomas Steg. Tatsächlich sind die Erwartungen an das Sparen als langfristige Energiequelle hoch. Energieeffizienz «wirkt dämpfend auf die Energiepreise, senkt die Importabhängigkeit, schont begrenzt verfügbare Ressourcen, erhöht die Versorgungssicherheit und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz», heißt es im Bericht der zuständigen Arbeitsgruppe für den Energiegipfel, der AP vorliegt.

Der Stromverbrauch ließe sich auch bei anhaltendem Wirtschaftswachstum bis 2020 um zehn Prozent senken, der Wärmebedarf von Gebäuden um 20 Prozent und der Energieverbrauch im Verkehr um fünf Prozent, heißt es unter Berufung auf Zahlen der Deutschen Energieagentur.

Werde das volle Potenzial ausgeschöpft, lasse sich das erklärte Ziel der Bundesregierung erreichen: Im Jahr 2020 soll je Einheit Bruttoinlandsprodukt nur noch halb so viel Energie verbraucht werden wie 1990 - die Energieproduktivität soll verdoppelt werden. Um dies zu schaffen, muss Deutschland allerdings Tempo machen. Zuletzt wuchs die Energieproduktivität um ein Prozent pro Jahr. Nötig seien aber drei Prozent Steigerung, heißt es in dem Papier.

Helfen soll ein «Aktionsprogramm Energieeffizienz (APEE)», das auch von der EU gefordert wird und das die Bundesregierung im ersten Halbjahr 2007 vorlegen will. Die Vorschläge der Arbeitsgruppe reichen von Investitionsanreizen für den Mittelstand, Steuervorteilen, Modernisierung des Kraftwerksparks oder einer schadstoffabhängigen Kfz-Steuer. Zum Teil werden alte Projekte neu angekündigt.

Dazu zählt der «aussagekräftige Gebäudeenergieausweis», der Mietern oder Käufern verlässliche Auskunft geben und Hausbesitzern als Grundlage für eine sinnvolle Sanierung dienen soll. Dazu liegt seit dem Frühjahr ein Vorschlag von Wirtschafts- und Bauministerium vor, den das Umweltministerium aber für zu lasch hält. Aus Anlass des Energiegipfels appellierten nun noch einmal der Deutsche Mieterbund und der Deutsche Naturschutzring an die Regierung, den Ausweis schnell einzuführen und den objektiven Energiebedarf eines Gebäudes auszuweisen.

In Grundsatzfragen zerstritten

Umweltgruppen wie der BUND sehen ohnehin Nachholbedarf bei den Anstrengungen der Regierung. In einem «Stromsparpaket» warb der Verband unter anderem für einen Energieeffizienzfonds, aus dem die Markteinführung für sparsame Geräte gefördert werden soll. Außerdem hält der BUND eine bessere Verbrauchskennzeichnung und ein Verbot «überflüssiger» Stand-by-Schaltungen für nötig. Die Regierung solle zudem wie angekündigt den «Top-Runner-Ansatz» verwirklichen, das heißt das jeweils stromsparendste Gerät zum Standard erheben, der dann recht schnell auch für die Konkurrenz gilt.

Die Gipfel-Arbeitsgruppe bleibt in ihrem Arbeitspapier mehr im Ungefähren, zumal in ihr nicht nur Regierungs-, sondern auch Industrievertreter sitzen. Kritiker bemängeln an dem Konzept der Energiegipfel ohnehin, dass hier Manager etwa der großen Energieversorger bei Konzepten helfen sollen, die - Stichwort Senkung des Verbrauchs - ihren eigenen Geschäftsinteressen zuwider laufen könnten.

Dass sich der Streit in Energie-Grundsatzfragen in dem von Merkel gegründeten Dialoggremium fortsetzt, zeigt sich auch in den Berichten der anderen beiden Gipfel-Arbeitsgruppen. «Kontrovers wurde in der Arbeitsgruppe über die zukünftige Rolle der Kernenergie diskutiert», heißt es zum Beispiel im Papier «Nationale Aspekte».

Und so dürften die Streitpunkte der letzten Monate - Atomlaufzeiten, Preise, Wettbewerb auf dem Energiemarkt - wie schon beim ersten Energiegipfel im April auch diesmal wieder eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn man sich ausdrücklich die Themen «Effizienz» und «Internationale Aspekte» vorgenommen hat. Bei Vortreffen «ist deutlich geworden, dass natürlich kein Thema ausgeklammert wird», wie Regierungssprecher Steg sagte.

http://www.bundesregierung.de/

(AP)

 

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