Kultur – Ein Haus im Zaubergarten mit einer Kuh auf dem Dach – Reinhold Hügerich
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Magier der Vegetation Ein Haus im Zaubergarten mit einer Kuh auf dem Dach

Reinhold Hügerich

17.02.2010

Die außergewöhnliche Architektur erfreut sich bei den breiten Massen großer Beliebtheit. Foto: Eckehardt Schulz/AP Photo
Die außergewöhnliche Architektur erfreut sich bei den breiten Massen großer Beliebtheit.

Foto: Eckehardt Schulz/AP Photo

Frankfurt/Main (apn) Sein ganzes Leben war er unterwegs auf der Suche nach dem Menschlichen und nach den Wurzeln der Kreativität. Auf einer Reise ist Friedensreich Hundertwasser dann auch gestorben. Vor zehn Jahren, am 19. Februar 2000, erlag der Künstler an Bord des Kreuzfahrtschiffes Queen Elizabeth II. einem Herzversagen.

Auf den Wellen verstarb er und unter einem Tulpenbaum liegt er begraben. Bestattet wurde der „Magier der Vegetation“, wie er sich selbst nannte, nackt und ohne Sarg auf seiner Farm in Neuseeland. Dort in einem Garten am anderen Ende der Welt ist Hundertwasser wieder eingegangen in den von ihm so vielbeschworenen Kreislauf der Natur.

In die Welt gekommen ist er am 15. Dezember 1928 als Friedrich Stowasser in Wien. Mit Glück überleben er und seine Mutter das Naziregime, viele ihrer jüdischen Verwandten wurden damals deportiert und ermordet. Nach einer nur kurzen Visite an der Kunstakademie bildet er sich auf langen Reisen durch Europa und Nordafrika selbst zum Künstler.

Seine Werke zeichnet er fortan mit dem Pseudonym Friedensreich Hundertwasser. Aus den beiden japanischen Schriftzeichen für Friedrich, die auch als „Frieden“ und „reich“ gelesen werden, bastelt er sich den Vornamen. Eine neue Vorsilbe für seinen Nachnamen findet er im russischen Wort „Sto“, das Hundert bedeutet.

Geschickte Vermarktung

Seine farbenprächtigen Bilder sind inspiriert von der Ornamentik des Wiener Jugendstils und der magischen Welt der naiven Kunst. Die immer wiederkehrenden Grundformen von Spirale und Labyrinth strukturieren seine Gemälde. Aus Wegen und Stegen spinnt Hundertwasser verträumte Zaubergärten, fast schon abstrakte Paradiese in denen nur noch wenige Reste wie Häuser und Bäume in der Realität ankern.

Mit seinem unverwechselbarer „Hundertwasser-Stil“ feiert er Erfolge bis nach Japan und durch eine geschickte Vermarktung erreicht er eine enorme Popularität. Der Tausendsassa gestaltet Poster, Briefmarken, Uhren und sogar Jetons für ein Spielkasino. Der Ruhm ermöglicht es ihm, ab den 80er Jahren auch seine architektonischen Ideen umzusetzen.

Engagiert für den Umweltschutz

Seit seinen Anfängen engagiert sich der Künstler für den Umweltschutz und für eine menschenfreundliche Stadt. Hundertwasser verteufelt den seelenlosen Beton und die „gottlose Gerade“. Er entwirft knallbunte Häuser ohne Ecken und Kanten. Auf ihren Dächern sollen Bäume wachsen und Kühe grasen. Pflanzen überwuchern die Etagen und die welligen Fassaden zieren goldene Säulen und farbige Keramikbänder. Diese außergewöhnliche Architektur erfreut sich bei den breiten Massen großer Beliebtheit. Das Hundertwasserhaus in Wien zählt inzwischen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Doch die Umsetzung seiner bisweilen esoterischen Fantasien in die Praxis ist auch umstritten. Das Konzept ist nicht immer schlüssig und einige der Bauten wirken überschminkt. Das Wiener Kraftwerk Spittelau bleibt auch nach seinem Umbau eine konventionelle Müllverbrennungsanlage, nur eben mit einem hübschen Zwiebelturm. Mit seinem Einsatz für die Umwelt und dem Ruf nach dem menschlichen Maß hat Hundertwasser früh wichtige Diskussionen angestoßen. Die Bilder seiner dunkelbunten Welt gehören längst zum festen Inventar der Nachkriegskunst. (AP)

 

 

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