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04.11.2009
Und Dave sagte: „Lass es dort Licht werden."
Dr. Dave Irvine-Halliday erinnert sich, dass er bei seiner Trekking-Tour über schneebedeckte Berge im Thorung La-Pass in Nepal von der Armut mehr betroffen war als von der Schönheit der Natur. Die Dorfbewohner lebten sehr einfach und altertümlich. Die Menschen waren überarbeitet, unterernährt und hatten nur wenige Möglichkeiten. Es überrascht daher vielleicht auch nicht, dass viele von ihnen älter aussahen als sie waren.
Als Professor für Elektrotechnik stellte er auch noch etwas anderes fest. „Ich sah in das Fenster eines Schulhauses, und es war einfach so dunkel", erinnert sich Irvine-Halliday Zuhause in Calgary „Ich fragte mich, wie die Kinder lesen und lernen konnten." In dieser entlegenen Gegend lebten die Dorfbewohner mit wenig Geld und hatten keine Elektrizität. Sie verließen sich auf schwache Petroleumlampen, deren Nachfüllung teuer war und die giftige Dämpfe abgaben. Deshalb machte sich Irvine-Halliday auf den Weg um zu helfen; er wollte unbedingt eine sichere und bezahlbare alternative Lichtquelle für diese nepalesischen Dorfbewohner finden. Was er nicht wusste, war, dass er sich bald auf einen größeren Weg begeben würde, um Entwicklung und Befähigung zu ermöglichen.
Nachdem er zwei Jahre mit Versuchsreihen verbracht hatte reiste er nach Nepal zurück, um ein solarbetriebenes weißes LED-Lichtsystem zu testen, das er entwickelte, um die Bedürfnisse der verarmten Gemeinden zu decken. Die Erprobung wurde sofort zu einem Erfolg. Nach langer Zeit genossen die Ortsansässigen etwas, das sie noch nie zuvor gesehen hatten - die Innenraumbeleuchtung.
„Die Reaktion war unglaublich", sagt Irvine-Halliday, „die Menschen weinten und baten uns, die Beleuchtung nicht wieder wegzunehmen." Zum ersten mal konnten die Kinder nachts lernen, ohne von den Petroleumdämpfen krank zu werden. Die Eltern konnten den ganzen Tag über arbeiten, denn sie wussten, dass sie nicht vor Sonnenuntergang kochen und den Haushalt machen mussten. Das verfügbare Einkommen konnte für Lebensmittel anstatt für das Nachfüllen dieser schmutzigen Petroleumlampen verwendet werden. Das Leben änderte sich im wahrsten Sinne des Wortes auf Knopfdruck.
So nahm „Light Up the World" seinen Anfang, eine Organisation, die von Irvine-Halliday gegründet wurde und deren Zweck es war, Licht in das Leben von 1,6 Milliarden Menschen zu bringen, die keine Elektrizität hatten. Seit diesen ersten Tests in Nepal wurden in 17.000 Wohnungen in 51 Ländern Beleuchtungen angebracht. Tatsächlich findet man Irvine-Hallidays weiße LED-Lichter heutzutage von Afghanistan bis Sambia.
Man kann sich kaum vorstellen, was dies eigentlich bedeutet. Für die meisten von uns ist die Innenraumbeleuchtung einfach selbstverständlich. Aber jemandem, der so etwas noch nie hatte, eröffnet sie eine ganz neue Welt.
Light Up the World-Projekte werden von Dorfbewohnern oft mit Gesang und Tanz begrüßt und damit von Menschen, die überglücklich sind endlich „Augen zu haben", wie es jemand ausdrückte. In einem Waisenhaus in Tibet mussten die Organisatoren ihre neuen Beleuchtungen ausschalten, weil die Kinder davon so fasziniert waren, dass sie nicht schlafen wollten.
Irvine-Halliday sagt: „Es ist so bewegend; auf fast jeder Reise reibst du dir die Augen und dein Herz schlägt schneller."
Aber Light Up the World ist keine Wohlfahrtsorganisation, sondern sieht eine zunehmend innovative Entwicklungsform vor, bei der die Empfänger keine Prospekte erhalten, sondern zu aktiven Teilnehmern werden sollen.
Die Dorfbewohner kaufen ihre Beleuchtungen für nur 150 US-Dollar. Das erscheint teuer, aber wenn man bedenkt, dass Familien in Entwicklungsländern ein Drittel oder mehr ihres Einkommens für das Petroleum ihrer Lampen ausgeben können, sind die solarbetriebenen weißen LEDs eine willkommene finanzielle Erleichterung. In zwei oder weniger als zwei Jahren können die Dorfbewohner ihre Beleuchtungen mit dem Geld bezahlen, das sie beim Petroleum sparen. Und weil kein weiterer Brennstoff mehr gekauft werden muss, können nach der vollständigen Bezahlung der Beleuchtungen noch über eine lange Zeit Ersparnisse angehäuft werden.
Darüber hinaus bildet Light Up the World die Ortsansässigen darin aus die Beleuchtungen zu installieren und zu reparieren, was dort Arbeitsplätze schafft, wo es bisher nur wenige gab. „Wir müssen erreichen, das sich diese Dörfer selbst mit Beleuchtungen versorgen," sagt Irvine-Halliday. „Schließlich muss es eine marktorientierte Lösung sein."
Dieser Ansatz, dessen Pionier Nobelpreisträger Muhammad Yunus ist, wird zur Zeit in der ganzen Welt kopiert. Partnerschaften wie diese geben verarmten Dorfbewohnern ein Gefühl von Stolz, Befähigung und die Kontrolle über ihre eigene Zukunft - etwas, das durch reine Hilfeleistungen nicht erreicht werden kann. Am wichtigsten ist, dass es zeigt, dass weltweite Armut nicht einfach ein Mangel an Einkommen ist. Es ist ein Mangel an Möglichkeiten.
In diesen Tagen konzentriert sich Irvine-Halliday auf die Verbesserung seiner Technologie der weißen LEDs. Er hat sogar eine Firma in Indien gegründet, wo immerhin 400 Millionen Menschen ohne Elektrizität leben. Er hofft, dass sie noch bessere Beleuchtungen zu halben Kosten herstellen wird.
Trotz seines Erfolgs klingt er mehr wie ein Mensch, der gerade damit anfängt. Er sagt: „Ich hoffe, dass ich das solange tue, bis ich eines Tages sterbe. Sobald man darüber als Mensch nachdenkt, kommt man auf die Idee. Für wenige Dollar, die an der richtigen Stelle und auf die richtige Weise ausgegeben werden, kann man das Leben der Menschen verändern."
Chris Mallinos ist ein Journalist aus Toronto, dessen Arbeit auf sechs Kontinenten und in sieben Sprachen erschienen ist. Sie können ihn erreichen unter www.chrismallinos.com.
Originalartikel aus Englisch: A Brighter Path to Development
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