Menschen & Meinungen – Ein magischer Tag zum Heiraten – Inge Treichel
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Ein magischer Tag zum Heiraten

Inge Treichel

29.06.2007

Ein Datum unvergesslich - hoffentlich auch die Hochzeit. (Foto: FETHI BELAID/AFP/Getty Images)
Ein Datum unvergesslich - hoffentlich auch die Hochzeit. (

Foto: FETHI BELAID/AFP/Getty Images)

Frankfurt/Main – Im siebten Himmel sein und die Glückszahl dreifach im Hochzeitsdatum verewigen: Kein Wunder, dass der Heiratstermin 7.7.2007 auf Paare eine magische Anziehungskraft ausgeübt hat. Außerdem fällt er auf einen Samstag, was die Organisation der Partys erleichtert. Die Standesämter haben ihre Termine in der Regel schon vor sechs Monaten an heiratswillige Paare vergeben. Bestimmte Unterlagen seien nur ein halbes Jahr gültig, erklärten sie die generell geltende Frist. Die Standesbeamten werden durchweg doppelt so viele Paare verehelichen wie an einem normalen Tag.

Auf Sylt wird auf eine dreifache Schnapszahl angestoßen: „Eine Braut hat am 7. 7. Geburtstag, und auch ihre Tochter ist am 7. 7. geboren“, sagte die Standesamtsleiterin Gabriele Bastians. Das Paar hatte Glück: Eigentlich war es zu spät dran, aber dann sagte ein anderes ab. Insgesamt werden 19 Paare getraut, sieben auf dem Leuchtturm Hörnum und zwölf im Rathaus in Westerland. Auch die Leuchttürme auf Pellworm und Falshöft bei Schleswig sind ausgebucht. Wer jetzt schon den Hochzeitstermin für den 8. 8. 2008 reservieren möchte, ist in Westerhever, berühmt durch seinen „Postkarten-Leuchtturm“, schon zu spät dran. „Auch dann sind wir schon bis unters Dach ausgebucht“, sagte Standesbeamtin Gitta Wöhst.

Für Hamburg bedeutete der 7.7. Ausnahmezustand: „Normalerweise gibt es samstags keine Eheschließungen in Hamburg, aber an diesem Tag haben alle Standesämter geöffnet“, sagte die Leiterin des Standesamts in Altona, Ute Behr.

In Berlin werden sich einige der 45 beim Standesamt Charlottenburg-Wilmersdorf angemeldeten Paare unter dem Motto „Auf Wolke sieben schweben“ im Funkturm-Restaurant auf 55 Metern Höhe oder unter dem Motto „Sich im siebten Himmel fühlen“ in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg trauen lassen, wie die Leiterin Sylvia Brenke berichtete. Schon an normalen Terminen sind Eheschließungen im Kino, auf dem Schiff, im Opernpalais oder in einem Helikopter möglich.

In Wuppertal sind die Schwebebahn, das romantische Henkelsschlösschen und der Botanische Garten beliebte Orte zum Ja-Sagen. Das Standesamt schiebt Sonderschichten: Mehr als 50 Trauungen stehen dort an, das Fünffache des Üblichen, wie der Leiter Thomas Piqué berichtete. In Bonn werden 42 Paare, drei mal so viele wie normalerweise, heiraten.

Von einem wahren Run auf die Standesämter berichtet auch die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden. Sechs Paare fahren mit der seit 1888 betriebenen Zahnradbahn den Neroberg „bis an den Punkt hinauf, wo die Passagiere den schönsten Blick über Wiesbaden haben“, erklärte Abteilungsleiterin Edeltraud Lier. Dort werde eine mit Blumen dekorierte „Haltestelle Standesamt“ eingerichtet.

In Frankfurt werden 32 Ehen und gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften geschlossen, zur Hälfte im Römer und im Bolongaro-Palast in Frankfurt-Höchst. Standesamtsleiter Peter Dommermuth sagte, den leer ausgegangenen Paaren werde vom 20. bis 24. August im Palmengarten eine „weiße Woche“ angeboten.

In Erfurt, wo ebenfalls 32 Paare getraut werden, gibt es ein extra Hochzeitshaus: ein Renaissance-Gebäude aus dem 16. Jahrhundert.

Auf den Spuren des Märchenkönigs

In der Stuttgarter Innenstadt ist die Nachfrage mit 22 Eheschließungen nicht herausragend hoch. Wie Standesamtsleiterin Verena Rathgeb-Stein berichtete, heirateten am 7.7.1977 noch 19 Paare, am 8.8.1988 waren es aber bereits 37 und am 9.9.1999 sogar 41.

In München haben die Standesbeamten am 7. Juli dagegen gut zu tun. 42 Paare werden den Bund fürs Leben schließen. „Wer am 7.7. heiratet, stürzt sich ins Chaos“, warnte der Leiter des Nürnberger Standesamts, Reinhold Vogt. „Da ist Großkampftag für Standesbeamte.“ Doch den Nürnberger Brautpaaren scheint das egal zu sein. Insgesamt 69 Paare heiraten dann. Sie hatten sich rechtzeitig am 8. Januar angestellt. „Die ersten waren um 06.00 Uhr morgens da, und bis 11.00 Uhr waren die ersten 30 Trauungen weg“, berichtete Vogt. Auch am Hochzeitstag seien Verspätungen nicht drin; auch bei Staus und Parkplatzsuche werde nicht gewartet, schließlich müsse er alle 15 Minuten ein Paar trauen.

Glanzvoll dürfte es auf Schloss Stein bei Nürnberg zugehen. Dort heiraten die Schauspielerin Mariella Ahrens und Patrick Graf von Faber-Castell.

In Feldafing am Starnberger See verschlägt es acht Paare am 7. Juli auf die Insel. Ein Fährmann wird sie und ihre Gäste auf die Roseninsel im See schippern, wo sie in der Inselvilla, dem so genannten Casino, inmitten eines Rosengartens getraut werden. Schon der bayerische „Märchenkönig“ Ludwig II. flanierte dort mit Kaiserin Elisabeth „Sissi“ von Österreich. „Die Nachfrage war sehr groß“, berichtet die Leiterin des Feldafinger Standesamtes, Miriam Witzan. Doch mehr als acht Paare wollte sie nicht trauen: „Jeder soll es genießen können und nicht das Gefühl einer Massenabfertigung haben.“

Nahe Augsburg können sechs Hochzeitspaare beim Altstadtfest in historischen, barocken Kostümen im Rittersaal des Schlosses Friedberg heiraten. Bürgermeister Peter Bergmair hatte die Idee dazu und wird sich passend für die Trauung kostümieren. Ein Paar wird nach Angaben der Standesamtsleiterin Ottilie Mayer in Friedberg schon um 07.07 Uhr getraut.

Ähnlichen Hochbetrieb erwarten die Standesämter bereits für Freitag, den 20.07.2007. (AP)

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