Foto: Meilin Klemann
Nicht viele Menschen wissen, dass die neuere Geschichte Taiwans eng mit der von Japan verknüpft ist. Von 1895 bis 1945 war Japan Kolonialherrscher der Insel. Als Kolonie galt Taiwan erstrangig als Landwirtschafts- und Rohstoffquelle für Japan.
Taiwan wurde ein wichtiger Lebensmittellieferant für Japan. Gleichzeitig brachten die Japaner eine beträchtliche Menge ihrer eigenen Lebens- und Essgewohnheiten nach Taiwan. Seither hat sich neben den verschiedenen chinesischen Kochrichtungen auch eine eigenständige taiwanische Esskultur entwickelt – mit japanischen Einflüssen. Sushi und Sashimi werden oft in taiwanischen Restaurants angeboten und Miso wird als Zutat für Bouillons und Eintöpfe benutzt. Seetang ist in vielen Variationen zu genießen, getrocknet für Sushi und als Chips sowie gekocht als Rollen oder „Fusilli“ geformt.
In Taipeh findet man die edelsten japanischen Restaurants, wo der Chef höchstpersönlich seine Gäste mit den frischesten Zutaten anspruchsvoll nach traditionellen Methoden verwöhnt. Diese kosten meist nur einen Bruchteil dessen, was sie in Japan kosten würden.
"Süß, nicht scharf" - so schmeckt Tianbula
Eine ursprünglich japanische Kochmethode, die sich in Taiwan eigenständig etabliert hat, ist das taiwanische Tempura. Die Taiwaner nennen es „Tian Bu La“, was übersetzt „süß, nicht scharf“ heißt. Tianbula wird meist am Straßenrand verkauft. Eine ganze Palette verschiedenster Lebensmittel wird zur Auswahl angeboten, die dann in heißem Öl frittiert werden. Dann wird alles mit einer Salz- und Pfeffermischung und – wer es mag – mit Chilipulver bestäubt. Hähnchenteile, getrockneter Tofu, grüne Bohnen, Pommes frites aus Kartoffeln oder Süßkartoffeln, Schweineblut-Reiskuchen, Tintenfisch, Fisch-Bälle, Froschschenkel. Die Auswahl ist unendlich.
Meine Freundin lud uns zu einem „Kao Rou Dian“ ein. Dieses Grill-Restaurant hat seinen Ursprung in Japan. Die Taiwaner haben es aber nach ihrem Geschmack und ihren Gewohnheiten eingerichtet und umgestaltet. Auf dem Holzboden sitzend grillt man sein Essen selbst auf einem massiven Holzkohlegrill, der auf den Tisch steht.
Im Restaurant kann man für ungefähr 15 Euro „Chi Dao Bao“ wählen, das heißt „essen bis man satt ist“. Die Auswahl ist unglaublich. Wir bestellten frische Shrimps, verschiedene kleine Fische, hauchdünn geschnittenes Entenfleisch, Speck, Innereien, taiwanische Wurst, Zunge und natürlich Rindfleisch in mehreren Varianten: dünn geschnittenes fettiges sowie mageres Fleisch und marinierte Stückchen, die man in eine würzige braune Sauce tunkt und dann in einem Salatblatt umhüllt isst. Dazu noch Pilze, Paprika, Maiskolben und Kürbis sowie Enoki-Pilze und Spinat, die mit Butter und in Alufolie eingewickelt auf dem Grill geschmort werden. Nichtalkoholische Getränke so viel man trinken kann, stehen auch zur Verfügung und last, but not least zum Nachtisch gegrillter Moji und Eiscreme.
„Qing man yong“ – Guten Appetit!
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