Menschen & Meinungen – Ein „unruhiger Alter“ wird 80 – Monika Ebitsch
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Ein „unruhiger Alter“ wird 80

Monika Ebitsch

18.05.2007

München – Ein „unruhiger Alter“ sei er geworden, sagt Dieter Hildebrandt über sich selbst. Es gebe kaum einen Tag, an dem er nicht irgendwas machen müsse. Allerdings finde er das wunderbar. Am (kommenden) Mittwoch feiert der dienstälteste Kabarettist des Landes seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar – von vielen als „Gewissen der Nation“ bezeichnet – hat keinen Respekt vor dem Alter: „Ich bin 80. Diese Zahl schreckt mich übrigens in keiner Weise.“

Der Terminkalender des Satirikers ist noch immer prall gefüllt: Zur Zeit tourt er mit dem Programm „Vorsicht Klassik!“ durch die Republik, anschließend geht er mit seinem neuen Buch „Nie wieder achtzig!“ auf Lesereise. Seine zweite Frau Renate Küster ist seine Managerin: Sie mache die Termine und dann fahre er dahin.

Seit mehr als 50 Jahren ist Hildebrandt beschäftigt, als Regisseur, Schauspieler, Publizist und Kabarettist scharfsinnige und -züngige Aufklärungsarbeit zu leisten. „Als Kabarettist ist man immer in der Opposition“, stellt er fest. Das sei mitunter eine regelrechte „Sisyphos-Arbeit“.

Hildebrandt wurde 1927 in Schlesien geboren. Im Krieg war er Flakhelfer, geriet in Kriegsgefangenschaft und lebte nach seiner Entlassung mit seinen Eltern in der Oberpfalz. Zum Studium der Theater- und Literaturwissenschaften ging er nach München und finanzierte sich mit der Arbeit als Platzanweiser im ersten Münchner Nachkriegskabarett „Die kleine Freiheit“. Dort, erzählt er, habe er all die großen Kabarettisten gesehen, Erich Kästner und sein Vorbild Werner Finck. Er habe sich gewünscht, „auch mal so zu sein“.

Also gründete er 1955 das Studentenkabarett „Die Namenlosen“ und ein Jahr später mit Sammy Drechsel die Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Von der kleinen Bühne in Schwabing aus ging es steil nach oben. Die Lach- und Schießgesellschaft wurde bald zu einer Institution und Hildebrandt ihre Galionsfigur. Die Zuschauer liebten den kleinen Mann mit der Brille, dessen Markenzeichen das gekonnte Stottern und Verhaspeln wurde. Nach der Auflösung des ersten Ensembles 1972 blieb er dem „Laden“ als Autor und Regisseur treu. Als Kabarettist war er, unter anderem mit Werner Schneyder, später auch mit Gerhard Polt und der Biermösl-Blosn, auf wechselnden Bühnen zu sehen – und natürlich im Fernsehen.

Auch als Schauspieler und Autor aktiv

Von 1973 bis 1979 moderierte Hildebrandt die Serie „Notizen aus der Provinz“, die in regelmäßigen Abständen Proteste aus dem konservativen Lager nach sich zog. Noch bis vor wenigen Jahren war er im 1980 ins Leben gerufenen „Scheibenwischer“ zu sehen, jener legendären Kabarettsendung, der Franz Josef Strauß „politische Giftmischerei“ vorwarf. Zu giftig waren Hildebrandt und seine Mitstreiter auch für den Bayerischen Rundfunk, der seinen Zuschauern 1986 eine Folge über Tschernobyl vorenthielt, indem er sich aus dem ARD-Senderverbund ausklinkte. Der Aufruhr war groß: Tausende empörte Zuschauer beschwerten sich, einige marschierten gar zum Sendehaus und bombardierten es mit Eiern.

Hildebrandt machte weiter – auch als Schauspieler in „Kehraus“, „Kir Royal“ oder im Kinofilm „Wir Enkelkinder“. Seine Bücher wurden von der ersten Veröffentlichung „Was bleibt mir übrig“, dem ersten Teil seiner Autobiografie-Reihe, bis heute Publikumserfolge. Belohnt wurde Hildebrandts Arbeit mit Auszeichnungen, unter anderem den deutschen Kleinkunstpreis, vier Adolf-Grimme-Preisen und dem bayerischen Kabarettpreis „Der goldene Spaten“.

In der Rückschau auf ein erfolgreiches Leben schreibt Hildebrandt in seinem jüngsten Buch, er habe nicht vor, sich in nächster Zeit zur Ruhe zu setzen. Dazu ist er wohl noch nicht alt genug: „Man muss Geduld haben, bis man merkt, dass man alt ist.“ (AP)

 

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