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Eine Kuppel, zwei Minarette und zahlreiche Ängste

Nicole Lange

26.07.2007

Die vom Architekturbüro Paul Böhm zur Verfügung gestellte Zeichnung zeigt das Gebäude der geplanten neuen Moschee in Köln-Ehrenfeld. (AP Photo/Architekturbüro Paul Böhm)
Die vom Architekturbüro Paul Böhm zur Verfügung gestellte Zeichnung zeigt das Gebäude der geplanten neuen Moschee in Köln-Ehrenfeld. (AP Photo/Architekturbüro Paul Böhm)

Köln – Eine Kuppel, zwei Minarette und zahlreiche Ängste: Der geplante Bau einer Groß-Moschee erhitzt in Köln seit Monaten die Gemüter. Der türkische Religionsverband Ditib will auf seinem Gelände im Stadtteil Ehrenfeld ein neues Gebetshaus bauen. Doch vor allem die geplante Größe des Gotteshauses stößt auf Widerstand.

Eine Entscheidung über die Ausmaße sei aber längst nicht getroffen, sagte eine Sprecherin der Stadt Köln der Nachrichtenagentur AP: „Wir stehen noch ganz am Anfang.“ Etwas anderes habe man jedoch bereits geschafft: „Die Diskussion ist endlich in der Bevölkerung angekommen.“

Die Stimmung im Stadtteil Ehrenfeld ist nicht grundsätzlich ablehnend. In einer Umfrage sprachen sich vor einer Weile viele Kölner grundsätzlich für den Moscheebau aus. Auf Bedenken stieß allerdings die Dimension des geplanten Gotteshauses mit einer wuchtigen Kuppel und 55 Meter hohen Minaretten. Viele Anwohner wünschten sich das Gebäude etwas kleiner. Das griff auch Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) auf und verlangte von dem Bauherrn – dem eng mit dem türkischen Staat verbundenen Religionsverband Ditib – die Bedenken der Menschen ernst zu nehmen.

Darauf hat der Bauherr nun reagiert: Zurzeit werde die Minaretthöhe der Moschee überprüft, erklärte Ditib-Sprecherin Ikbal Kilic auf Anfrage: „Und ab dem 20. August wird die Ditib das Ergebnis dieser Überprüfung der Öffentlichkeit mitteilen.“ Im Gespräch sollen unter anderem 45 bis 50 Meter hohe Minarette sein.

Zur Form der geplanten Moschee stehe man nach wie vor: „Die Kuppel wurde auf Wunsch der Ditib mit sehr viel Glas besetzt, um der Transparenz sowie Offenheit des Vereins und der Gemeinde auch symbolisch Ausdruck verleihen zu können. Zur Dimension des Komplexes sagte sie, die Größe sei für die Integrationsarbeit wichtig: Man habe habe schließlich Abteilungen für interreligiösen Dialog, biete Jugend-, Frauen-, Bildungs- und Sozialarbeit sowie Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung an.

Der Architekt der geplanten Moschee, Paul Böhm, hält eine markante Größe des Baus trotz aller Bedenken für nötig – schon wegen des nach seiner Meinung schwierigen städtebaulichen Umfeldes. „Diese Ecke braucht schon eine gewisse Kraft, um gegenüber den vorhandenen Bauten zu bestehen und ein – bisher nicht vorhandenes – städtebauliches Gleichgewicht herzustellen“, sagte er kürzlich dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Eine „kölsche Moschee“

Böhm empfindet seinen Entwurf als „kölsche Moschee“ und wehrt sich gegen Vorwürfe, er orientiere sich zu sehr am traditionellen Moscheebau. Allerdings solle das Gebäude auch anzeigen, was darin passiere: „Ich glaube, dass es auch für Nicht-Muslime ganz wichtig ist, zu sehen, dass eine Bevölkerungsgruppe, die seit 40, 50 Jahren hier lebt, auch kulturell bei uns angekommen ist.“

Mit den Diskussionen über Größe und Gestaltung des Bauwerks scheint die Debatte auf eine neue Ebene zu wechseln, nachdem sie sich lange auf teils wuchtige Äußerungen beschränkt hatte. So hatte sich der Schriftsteller Ralph Giordano deutlich gegen den Moscheebau ausgesprochen und von einer „sakralen Monstranz“ gesprochen, die eine gelungene Integration vortäusche. Die rechtspopulistische „Bürgerbewegung Pro Köln“ organisierte eine Anti-Moschee-Demo mit rund 150 Teilnehmern. Gleichzeitig demonstrierten aber mehrere hundert Befürworter für den Bau der Moschee.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sagte im Juni im Deutschlandfunk auf die Frage, ob er die Ängste der Nachbarn vor dem Moscheebau teile: Ich habe ein ungutes Gefühl.“

Ditib-Sprecherin Kilic betonte jetzt, einige Moschee-Kritiker seien kaum über die Fakten informiert. Man lade daher aktiv zu Veranstaltungen ein, um falschen Informationen entgegenzuwirken. Erst dann sei es möglich, auf sachlicher Ebene über die Bedenken der Bürger zu sprechen: „Der Dialog ist uns sehr wichtig.“

Die neue Moschee, so wünscht sich der Religionsverein, soll ein Zeichen für die Integration werden. „Menschen, die seit über 40 Jahren in Deutschland leben, werden nicht länger in Kellern oder alten Fabrikhallen beten müssen, die in Gebetsräume umfunktioniert worden sind.“ (AP)

 

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