Braucht es, knapp 18 Jahre nach dem Mauerfall, eigentlich noch einen Roman über eine Liebe zwischen Ost und West? Über die umstrittene Treuhand, die DDR-Bestand nicht immer ohne Kritik verwertete? Einen Wende-Roman? Die Antwort ist ein Ja – jedenfalls dann, wenn es sich um ein Werk von der Güte handelt, wie es die Berlinerin Nicki Pawlow mit ihrem Debütroman „Die Frau in der Streichholzschachtel“ jetzt vorgelegt hat. Mit Witz und Liebe zum Detail erzählt Pawlow temporeich eine Geschichte, die gleichermaßen anrührt und aufregt.
Es ist die Geschichte von Franziska Kling, die noch vor der Wiedervereinigung in den Westen flüchtet und später dort als Pressereferentin der Treuhandanstalt arbeitet. Der Leser erfährt einiges von den politischen Zwängen, denen die „Treuhänder“ bei ihrer Arbeit ausgesetzt waren, liest von einem teils chaotischen Arbeitsalltag, der die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Wiedervereinigung widerspiegelt.
Parallel dazu baut Pawlow einen zweiten Erzählstrang auf, in dem Klings Liebe zu ihrem Jugendschwarm, dem West-Journalisten Wolfgang Kiefer, Platz findet. Kiefer ist ihr Star aus den Zeiten heimlichen Westfernsehen-Guckens. 1983 trifft sie ihn während eines politischen Seminars persönlich, 1990 kommt es zum großen Showdown in Berlin. Der Leser leidet schnell mit Franziska Kling, deren stürmische Liebesbekundungen auf einen unberechenbaren Mann treffen, der mal so, mal so argumentiert, der sich windet und weint, der Kotzbrocken und Kumpel ist.
Pawlow gelingt es meisterhaft, beide Stränge zu verwinden und eine tragisch-komische Geschichte zu erzählen, die nicht von ungefähr auch viele Details aus dem als Kind erlebten DDR-Alltag preisgibt. Denn, das verrät ein Blick in die Biografie der 1964 in Köthen (Sachsen-Anhalt) geborenen Autorin, es ist auch ihre Geschichte, die hier zumindest zum Teil wiedergegeben wird. Und so ist Pawlow nicht nur ein kurzweiliger Roman, sondern auch ein lesenswertes Zeitdokument gelungen. (Stefan Lange)
(Dittrich-Verlag, Juli 2007, ISBN 978-3-937717-25-0, 300 Seiten, 19,80 Euro) (AP)