Aktuelle Nachrichten – Erneuerbare Energie
08.11.2011
Lubmin – Die Verlegung des ersten, 1.224 Kilometer langen Strangs der Ostseepipeline begann Anfang April 2010. Etwa 13 Monate später, am 5. Mai 2011 gegen 02.13 Uhr, schweißte die Besatzung des italienischen Spezialschiffs "Castoro 6" vor der schwedischen Insel Gotland das letzte Rohrsegment an den Strang, verschloss es mit einer Endkappe und versenkte die Leitung auf den Meeresgrund. Doch bis das erste Gas aus Sibirien nach Lubmin floss, vergingen noch mehrere Monate Vorbereitungszeit.
Denn zunächst lagen auf dem Ostseegrund nur drei Einzelstränge, die von drei Spezialschiffen verlegt worden waren und nun zusammengefügt werden mussten. Bevor das geschah, wurden die im Finnischen Meerbusen, in der zentralen Ostsee und vor der deutschen Küste liegenden Leitungen jeweils 24-stündigen Drucktest unterzogen und dabei gleichzeitig gereinigt. Dazu musste Meerwasser in die geschlossenen Systeme gepresst werden. Anschließend wurden vier Inspektionsgeräte, sogenannte Molche, mit einer Geschwindigkeit von zweieinhalb Kilometern pro Stunde durch die Rohrleitung geschickt.
Als die Ingenieure Gewissheit darüber hatten, dass die Leitungsabschnitte dicht sind, schickte das Baukonsortium das norwegische Spezialschiff "Skandi Arctic" zum Unterwasserschweißen auf See. Zunächst mussten etwa 675 Kilometer vor der russischen Küste die beiden Rohre in 80 Metern Tiefe miteinander verbunden werden.
Dazu seien zwei jeweils bis 150 Tonnen hebende Haltevorrichtungen auf die beiden Leitungen gesetzt worden, erklärt Projektleiter Georg Nowack. "Anschließend wurden die Rohrenden, überwacht von französischen Spezialtauchern, angehoben, auf Maß gekürzt und zum Verschweißen in Position gebracht." Die sogenannte goldene Schweißnaht wurde dann in einer mit Luft gefüllten Spezialkammer gezogen, die zuvor über die beiden Rohrenden aufgesetzt wurde. Die gleiche Prozedur wiederholte sich später in 110 Metern Tiefe vor Gotland.
Anschließend wurde der zwischenzeitlich mit dem russischen Festlandsnetz verbundene Leitungsstrang ausgepumpt und getrocknet. Ende August zogen am Lubminer Ufer Schweißer die wirklich letzte Naht und schlossen die Trasse an die Ostseepipeline-Anbindungsleitung (OPAL) an. Das erste Gas, das durch die deutsch-russische Leitung strömte war Stickstoff, ein nicht brennbares Gas, das als Puffer zum später folgenden Erdgas diente, um Explosionen zu verhindern.
17 Monate nach dem Baustart ließ der russische Regierungschef Wladimir Putin am Startpunkt der Leitung in Portowaja bei Wyborg (Russland) schließlich den Gashahn aufdrehen. Vier Tage später hatte das erste Gas die 1.224 Kilometer passiert, war in Lubmin angekommen und hatte den Stickstoff aus der Leitung verdrängt.
Daraufhin wurden alle Ventile geschlossen, sodass das als technische Gas genutzte Gemisch nun in der Leitung komprimiert wurde. Es dauerte noch einmal fast einen Monat, bis der für die kontinuierliche Gaslieferung erforderliche Druck von 70 bis 75 Bar aufgebaut wurde.
(dapd)
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Schlagworte