Berlin – „Jeder Mensch beginnt im Negativen, aber mit jedem Schritt voran gelangt er ins Positive.“ An dieser alten keltischen Weisheit orientiert sich das Strategiespiel „Keltis“, das am Montag in Berlin zum Spiel des Jahres 2008 gekürt wurde. „Keltis“ sei spannend und habe kurze, eingängige Spielregeln, hieß es in der Jurybegründung. Autor Reiner Knizia konnte sich doppelt freuen. Sein elektronisches Brettspiel „Wer war's?“ für Kinder gewann die Auszeichnung für das beste Kinderspiel 2008.
„Keltis“ ist ein Wettlauf auf fünf verschiedenen Rennbahnen. Wer am Ende seine Spielsteine auf den verschiedenen Bahnen am weitesten nach vorn gebracht hat, gewinnt. Dazu müssen Karten in den Farben der Steinpfade ausgespielt werden. Je weiter die Figuren kommen, desto mehr Punkte bringen sie am Ende ein. Jedes Mal muss entschieden werden, ob eine Kartenreihe fortgeführt, eine neu zu begonnen oder eine Karte abgeworfen wird. Man muss aber aufpassen, denn die abgeworfenen Karten können den Mitspielern nutzen.
Das Spiel dauert 30 Minuten und ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Jurysprecher Stefan Ducksch erklärte, auch wenn Grafik und Spieltitel ein Spiel mit Geschichte versprächen, stecke doch ein einfaches abstraktes Spiel für mehrere Generationen drin.
Der begehrte Kritikerpreis wurde zum 30. Mal seit 1978 verliehen. In die Endauswahl waren fünf Spiele gelangt. Neben „Keltis“ (Kosmos, 27 Euro) waren „Blox“ (Ravensburger, 30 Euro), „Stone Age“ (Hans im Glück, 34 Euro), „Suleika“ (Zoch, 30 Euro) und „Wie verhext!“ (alea/Ravensburger, 20 Euro) nominiert. Ducksch bezeichnete die Auswahl als ausgeglichen und sehr vielfältig.
Den Sonderpreis „Komplexes Spiel“ erhielt „Agricola“ (Heidelberger Spieleverlag, 40 Euro) von Uwe Rosenberg. Dieses Entwicklungsspiel ist für Jugendliche ab zwölf Jahren geeignet und dauert zwei Stunden. Die Spieler werden ins 17. Jahrhundert versetzt: Tiere müssen gehütet, Zäune und Ställe gebaut, Äcker bestellt werden. Das Spiel stelle wegen seiner Materialfülle und der ausführlichen Regeln hohe Ansprüche an die Spieler. Sie würden dafür in jeder Partie aufs Neue mit einer faszinierenden Spielewelt belohnt, erklärte die Jury.
Technik spielt im Kinderspiel des Jahres eine große Rolle. „Wer war's“ (Ravensburger) sei ein spannendes Abenteuer mit sprechenden Tieren und einer elektronischen Schatztruhe, begründeten die Juroren ihre Wahl. Schon fünfjährige Kinder ließen sich gebannt auf „dieses kooperative Detektiv-Abenteuer“ ein und erlebten in der Gruppe Erfolg oder Misserfolg. Geeignet ist das Spiel für zwei bis vier Kinder. Es dauert 30 Minuten und kostet 35 Euro.
Die Mitspieler sind aufgerufen, in einem Schloss das Geheimnis der sprechenden Tiere zu lüften und einen Dieb zu finden. Es herrscht große Aufregung, da der magische Ring des Königs gestohlen wurde. Dieser Ring beschützt das Königreich vor dem bösen Zauberer. Die Tiere des Schlosses haben den Dieb beobachtet. Aus der Truhe sprechen sie und können Hinweise zu seinem Aussehen geben. Die Mitspieler müssen zusammenhalten – nur so können sie den magischen Ring wiederfinden.
Der Kinderspielpreis wurde zum achten Mal verliehen. Neben dem Sieger waren die Spiele „Capt'n Sharky – Abenteuer auf der Schatzinsel“ (Coppenrath, 25 Euro), „Didi Dotter“ (Zoch, 32 Euro), „Fluss der Drachen“ (Kosmos, 30 Euro) und „Geisterjäger“ (Haba, 25 Euro) nominiert. Juror Wieland Herold sagte, niemals zuvor sei die Qualität bei den Kinderspielen so hoch gewesen. Alle fünf Spiele böten einen leichten Zugang. Layout und Gesamtgestaltung ließen sie zu Spielerlebnissen werden.
Jedes Jahr werden Gesellschaftsspiele besonderer Qualität mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet. Eine originelle Spielidee, Verständlichkeit des Regelwerks, Layout und Design sind die entscheidenden Kriterien für die Preisvergabe.
(AP)
http://www.spiel-des-jahres.com/
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