Aktuelle Nachrichten – Umwelt
06.10.2008
Washington – Wissenschaftler in aller Welt haben die erste umfassende Studie über die Verbreitung von Säugetieren auf der Erde seit mehr als einem Jahrzehnt erstellt – und das Ergebnis ist für die Artenvielfalt nicht gut: Eine von vier Säugetierarten ist vom Aussterben bedroht, bei jeder zweiten nimmt der Bestand ab, heißt es in der Studie der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources – IUCN) aus dem schweizerischen Gland.
Das Ergebnis fünfjähriger Arbeit von mehr als 1.700 Wissenschaftlern in aller Welt wurde vom Magazin „Science“ zur Artenschutzkonferenz veröffentlicht, die am Montag in Barcelona beginnt. „Ich denke, im Endeffekt geht es darum, was für eine Welt wir unseren Kindern hinterlassen wollen“, sagte einer der mehr als 100 Koautoren, der amerikanische Professor Andrew Smith, in einem Telefoninterview. „Wie arm wäre die Welt, wenn wir ein Viertel der Säugetiere verlieren.“
IUCN-Generalsekretärin Julia Marton-Lefevre erklärte: „Innerhalb unserer Lebenszeit könnten hunderte Arten als Ergebnis unserer Taten verloren gehen – ein furchterregendes Zeichen für das Ökosystem, in dem wir leben.“
Die IUCN beschreibt sich als ältestes und größtes globales Umweltnetzwerk. Ihr gehören mehr als 1.000 Organisationen mit fast 11.000 freiwilligen wissenschaftlichen Mitarbeitern in mehr als 160 Ländern an. Der Bericht aktualisiert die Rote Liste der IUCN für bedrohte Tierarten. Darin werden 44.838 Arten erfasst, von denen 16.928 von der Ausrottung bedroht sein sollen. Davon sind 3.246 in der höchsten Stufe – kritische Bedrohung -, 4.770 sind sehr gefährdet und 8.912 gefährdet.
Besonders betroffen sind generell Primaten: In Afrika werden sie wegen ihres Fleisches gejagt, in Südostasien verlieren sie ihren Lebensraum, erklärte Smith, der an der Staatsuniversität von Arizona lehrt. Ferner sind Tapire, Flusspferde und Bären akut bedroht, wegen des Klimawandels auch zunehmend Eisbären und Sattelrobben, die auf große Eisflächen angewiesen sind.
Es gab aber auch einige wenige gute Nachrichten. Obwohl die meisten Teile der Welt erschlossen sind, wurden 5.487 neue Tierarten entdeckt – ein Anstieg von 19 Prozent seit 1992. Und fünf Prozent der derzeit als gefährdet geltenden Arten zeigen Zeichen der Erholung – darunter der Schwarzfußiltis in den USA und Wildpferde in der Mongolei. Diese galten in den 90ern schon fast als ausgestorben.
http://www.sciencemag.org
http://www.iucn.org (AP)