Aktuelle Nachrichten – Deutschland
25.11.2009
Frankfurt/Main – Eingriffe in Familien kosten den Staat immer mehr Geld. Die Ausgaben für Jugend-Schutzmaßnahmen – darunter vor allem die „Inobhutnahmen bei Gefährdung des Kindswohls“ – stiegen 2008 um 23 Prozent auf 118 Millionen Euro, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Außerdem greifen die Ämter immer häufiger ein – zuletzt 32.300 Mal – und nehmen dabei zunehmend jüngere Kinder in Obhut. In den vergangenen Jahren hatten immer wieder Fälle von extremer Vernachlässigung oder tödlich endender Misshandlung für Schlagzeilen gesorgt.
Auch die Kinder- und Jugendhilfe insgesamt kostete Bund, Länder und Gemeinden 2008 deutlich mehr Geld. Die Ausgaben stiegen um 7,9 Prozent auf 24,6 Milliarden Euro. In die Kindertagesbetreuung floss mit 14,5 Milliarden Euro mehr als die Hälfte der Bruttoausgaben, 59 Prozent.
Für Erziehungshilfen gaben die öffentlichen Träger mit insgesamt 6,4 Milliarden Euro gut ein Viertel des Geldes, 26 Prozent aus. Davon entfielen 3,7 Milliarden Euro auf die Unterbringung junger Menschen außerhalb des Elternhauses in Vollzeitpflege, Heimerziehung oder in betreutem Wohnen.
Die Ausgaben für Kinder-Schutzmaßnahmen stiegen von 96 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 118 Millionen Euro 2008 (plus 23,1 Prozent). Die Zahl der Inobhutnahmen stieg 2008 laut den neusten Angaben auf 32.300, das waren rund 14 Prozent mehr als 2007 und 26 Prozent mehr als 2005. Davor war die Zahl derartiger Eingriffe in Familien über Jahre gesunken. Auch werden die Kinder jünger: Der Anteil der unter Dreijährigen an den in Obhut genommenen Minderjährigen verdoppelte sich von 5 Prozent im Jahr 2000 auf 10 Prozent 2008.
Von „Inobhutnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls“ spricht man, wenn Minderjährige auf Initiative von Polizei oder Erziehern oder auch auf eigenen Wunsch für einige Tage oder auch länger in eine Einrichtung kommen. Einen kleineren Anteil machen Herausnahmen gegen den Willen der Eltern aus. Bei 7.700 Kindern und Jugendlichen, die 2008 aus Familien herausgeholt wurden, waren Vernachlässigung beziehungsweise Anzeichen für Misshandlung oder für sexuellen Missbrauch festgestellt worden. Meistgenannter Anlass für eine Inobhutnahme ist aber eine Überforderung der Eltern (44 Prozent).
Für die sozialpädagogische Familienhilfe erhöhten sich die staatlichen Ausgaben im Jahr 2008 um 21,3 Prozent auf rund 542 Millionen Euro. Für Jugendarbeit – zum Beispiel außerschulische Jugendbildung, Kinder- und Jugenderholung oder Jugendzentren – wurden 1,5 Milliarden Euro oder 6,3 Prozent der Gesamtausgaben aufgewendet.
Aus der Kinder- und Jugendhilfe erzielte der Staat auch Einnahmen, wobei diese nur einen kleinen Teil der Kosten deckten. Die Einnahmen vor allem aus Gebühren und Teilnahmebeiträgen lagen bei 2,3 Milliarden Euro. Damit wurden für die Kinder- und Jugendhilfe netto rund 22,3 Milliarden Euro aufgewendet (plus 8,3 Prozent gegenüber 2007).
http://www.destatis.de (AP)
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