Aktuelle Nachrichten – Europa
12.01.2012
Athen – Die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt der privaten Investoren für Griechenland steuern griechischen Regierungskreisen zufolge auf eine Einigung zu. Bis Ende kommender Woche könnte das Abkommen stehen, sagte ein Gewährsmann aus dem Athener Finanzministerium am Donnerstag, nachdem Ministerpräsident Lukas Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos ihre Gespräche mit Charles Dallara und Jean Lemierre vom Internationalen Bankenverband (IIF) vorerst ohne größeren Durchbruch beendet hatten.
Der IIF gab sich am Donnerstag weit weniger zuversichtlich. Bei mehreren Schlüsselthemen gebe es noch keine Einigung, teilte der Bankenverband nach dem Ende des Verhandlungstages mit. "Die Diskussionen in Athen werden morgen weitergehen, aber die Zeit, eine Einigung zu erreichen, wird knapp." Ein hochrangiger griechischer Regierungsvertreter bezeichnete die Gespräche hingegen als "positiv" und "konstruktiv". Finanzminister Venizelos hatte bereits am Mittwoch erklärt, die Verhandlungen seien an einem "guten Punkt" angelangt. Am (morgigen) Freitag sollten die Verhandlungen fortgesetzt werden.
Die griechische Regierung erhofft sich einen Schuldenerlass von 50 Prozent bei den Privatinvestoren, um Forderungen von EU, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank zu erfüllen. Regierungssprecher Pantelis Kapsis äußerte sich zuversichtlich, dass "relativ bald" eine Einigung erzielt werden könne. Dem Radiosender Real FM sagte er am Donnerstag, er könne keine Vorhersagen treffen, es sei aber eine "Sache der kommenden paar Wochen".
Eine Einigung gilt als Voraussetzung für weitere Hilfen, die notwendig sind, um Griechenland vor einer Staatspleite zu bewahren. Diese droht dem Land, wenn es ihm nicht gelingt, insgesamt 14,5 Milliarden Euro an Staatsanleihen, die am 20. März fällig werden, zu refinanzieren. Der Schuldenschnitt soll auch helfen, die Staatsverschuldung Griechenlands von 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2020 auf 120 Prozent zu reduzieren. Parallel zu den Gesprächen in Athen kamen in Brüssel Vertreter der Euro-Gruppe zusammen, um über den Schuldenschnitt zu beraten.
Allerdings haben auch einige Investoren Interesse daran, die Chancen auf eine Einigung zum Schuldenschnitt zu verhindern. Immer mehr Hedgefonds wollen billige griechische Staatsanleihen aufkaufen, um bei einem Scheitern der Einigung eventuell den vollen Preis wieder zurückzukommen, sagte der New Yorker Anwalt Jon Henes, der Hedgefonds berät, der Nachrichtenagentur AP. Der IIF, die mit den Griechen verhandelt, repräsentiert aber vor allem Banken und Versicherungsunternehmen, die eher auf einen freiwilligen "haircut" hinarbeiten, der sie bei einer griechischen Staatspleite vor weit größeren Verlusten schützen würde.
(dapd)
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Schlagworte