Bern – Die Bauern in der Schweiz haben dank höheren Ernten und teilweise höheren Preisen im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld verdient als noch im Vorjahr. Gleich geblieben sind die Einnahmen aber bei der Milch. Der Bauernverband warnte vor zu grossem Enthusiasmus, da sich die guten und schlechten Jahre der Natur folgend abwechselten.
Die am Donnerstag von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon veröffentlichten Einkommen pro Familienarbeitskraft und Betrieb liegen zwar 500, respektive 600 Franken unter den provisorischen Zahlen vom April, aber immer noch deutlich über dem Einkommen des Vorjahres. So stieg der durchschnittliche Arbeitsverdienst je Familienarbeitskraft von 34.500 Franken im Jahr 2006 um 14 Prozent auf 39.500 Franken. Das landwirtschaftliche Einkommen je Betrieb betrug 61.100 Franken verglichen mit 52.900 Franken, was einem Anstieg von 16 Prozent entspricht. Im Vergleich zum Dreijahresmittel 2004 bis 2006 stieg das Einkommen um 9,4 Prozent.
Der Anstieg wird vor allem auf die starke Zunahme der Rohleistung zurückgeführt. Die mittlere Rohleistung je Betrieb nahm im Vorjahresvergleich um 7,0 Prozent zu. So stiegen einerseits die Produzentenpreise einzelner tierischer und pflanzlicher Produkte wie Rindvieh, Schweine oder Gemüse, andererseits wurden die Raps- und Zuckerrübenflächen ausgebaut. Zudem führten bessere Witterungsverhältnisse zu einem Anstieg der Ernte im Acker-, im Futter- und Obstbau. Die weiterhin gute Situation auf dem Holzmarkt schlug sich laut Agroscope ausserdem in einer leicht höheren Rohleistung aus dem landwirtschaftseigenen Wald nieder.
Unverändert blieb dagegen die Rohleistung bei der Milch, da die höhere Milchproduktion pro Betrieb den zeitgleichen Preisrückgang kompensiert. So konnte der Milchpreisanstieg gegen Ende Jahr den Preisabschlag zum Jahresbeginn nicht ausgleichen, weshalb im Vergleich zum Vorjahr ein Preisrückgang resultierte. Die Direktzahlungen je Betrieb nahmen in Folge der Einführung von Raufutterverzehrer-Beiträgen für Milchkühe zu.
Die Fremdkosten je Betrieb nahmen im Vorjahresvergleich um 4,3 Prozent zu. Dies ist laut der Forschungsanstalt im Wesentlichen auf vier Ursachen zurückzuführen. So führte der höhere Rindviehbestand zu steigenden Futtermittelkosten. Verbesserte Ferkelpreise und eine weiterhin positive Preisentwicklung beim Rindvieh verursachten zudem höhere Kosten beim Tierzukauf. Ausserdem schlug sich der vermehrt überbetriebliche Maschineneinsatz in höheren Kosten für Arbeiten durch Dritte nieder und die Gebäudekosten nahmen zu.
Der Bauernverband warnte in einer Mitteilung davor, das Ergebnis überzubewerten, da die Bauern von den Verbesserungen auf dem Papier nicht direkt profitierten. Die Landwirtschaft arbeite mit der Natur und dort wechselten sich gute und schlechte Jahre regelmässig ab. Es brauche noch viele weitere Jahre mit ähnlichen Einkommenssprüngen, um Bauernfamilien auch nur annähernd in die Höhe der in anderen Sektoren üblichen Einkommen zu bringen. Grosse Sorgen bereiteten der Landwirtschaft die aktuell explodierenden Kosten bei den Produktionsmitteln wie beispielsweise Treibstoff und Dünger. So seien die Produktionsmittelpreise innerhalb eines halben Jahres um 4,3 Prozent angestiegen. Es sei zu erwarten, dass ein Grossteil der für 2008 erwarteten Mehrerlöse durch die steigenden Kosten aufgefressen werde. (AP)
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