Aktuelle Nachrichten – CHINA MONITOR
03.10.2008
Peking – Im Skandal um verseuchte Milchprodukte in China haben Eltern eines erkrankten Babys Klage gegen den Milchpulver-Hersteller Sanlu eingereicht. Das Gericht in der Provinz Henan werde in der kommenden Woche darüber entscheiden, ob der Fall angenommen werde, erklärte der Anwalt der Eltern, Ji Cheng, am Donnerstagabend. Soweit bekannt ist es das erste Mal, dass Eltern wegen des Skandals vor Gericht gehen.
Die Eltern fordern nach Angaben des Anwalts von Sanlu 150.000 Yuan (15.500 Euro) Schadensersatz für Behandlung, Reisekosten und andere Ausgaben. Ihr 14 Monate altes Kind leide unter Nierensteinen. Es wurde nach einem Bericht der Wirtschaftszeitschrift „Caijing“ von Geburt an mit Milchpulver von Sanlu gefüttert. Mit der Chemikalie Melamin verseuchte Babymilch wird für die Erkrankung von rund 50.000 Kindern verantwortlich gemacht, mindestens vier starben bereits.
Nach neuesten Erkenntnissen sind mindestens 20 chinesische Firmen in den Skandal verwickelt. Einige der Hersteller bringen Milchpulver auf den Markt, in weiteren Fällen wurde Melamin in Molkereiprodukten für Erwachsene nachgewiesen.
Der Skandal betrifft auch Produkte, die in Deutschland und anderen europäischen Ländern verkauft werden. Der baden-württembergische Verbraucherminister Peter Hauk (CDU) nannte als mögliche betroffene Produkte Milchbonbons, Milchschokolade und sogar Frühlingsrollen. In Baden-Württemberg wurden verseuchte Bonbons sichergestellt, auch in Hamburg und Brandenburg gab es erste Verdachtsfälle. Die Behörden kündigten weitere Kontrollen an. (AP)
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