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Bevorstehender Winter Energiekosten auf Rekordkurs

Berrit Gräber

22.09.2011

Der Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen, Roland Pause, rechnet mit 10 bis 15 Prozent höheren Energiekosten in der bevorstehenden Heizsaison – sollte der Winter mild ausfallen. Foto: Winfried Rothermel/dapd Photo
Der Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen, Roland Pause, rechnet mit 10 bis 15 Prozent höheren Energiekosten in der bevorstehenden Heizsaison – sollte der Winter mild ausfallen.

Foto: Winfried Rothermel/dapd Photo

Berlin – Pünktlich zur neuen Heizsaison müssen sich Millionen Bundesbürger wieder auf Rekordkosten für Energie gefasst machen. Nicht nur der Gaspreis schnellt im Herbst hoch. Auch die Preise für Heizöl und Fernwärme haben angezogen. Und zum Jahreswechsel werden die Stromversorger voraussichtlich wieder an der Preisschraube drehen, zum elften Mal in Folge, wie Energieexperten erwarten.

Mindestens 10 bis 15 Prozent Mehrausgaben für Energie sollten für diesen Winter jetzt schon einkalkuliert werden, schätzt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher. Allein für Gas können bei einen Vier-Personen-Haushalt im Schnitt 144 Euro an Extra-Belastung anfallen.

Dabei ist der vergangene lange Winter schon so teuer wie selten zuvor zu stehen gekommen. Heizöl verteuerte sich in dieser Zeit um fast 20, Gas um rund 4, Fernwärme um 6 und Strom um etwa 9 Prozent. Unzählige Mieter kämpfen in diesen Tagen noch mit happigen Nachforderungen von mehreren hundert Euro für die "zweite Miete" aus 2010, wie die Vorsitzende des Mietervereins München, Beate Zurek, erläutert. Da stehen auch schon die höheren Vorauszahlungen für die kommenden Wintermonate an.

Ein echter Teufelskreis für den Geldbeutel, wie Hermann-Josef Wüstefeld vom Deutschen Mieterbund sagt. Fast jeder stecke mittlerweile in der Nachzahlungs- und Vorauszahlungs-Bredouille. Ganz gleich, ob Mieter oder Eigentümer.

Strom kostet in Cent so viel wie 1998 in Pfennig

Auch der Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen, Roland Pause, rechnet mit 10 bis 15 Prozent höheren Energiekosten in der bevorstehenden Heizsaison – sollte der Winter mild ausfallen. Nicht nur die Gaskunden in Deutschland sind von den davongaloppierenden Energiepreisen auf breiter Front betroffen. Auch Verbraucher mit leeren Heizöltanks im Keller müssen jetzt wohl noch einmal tiefer in die Tasche greifen.

Seit August stieg der Heizölpreis um knapp fünf Prozent auf gut 83 Euro für 100 Liter, wie Experte Oliver Klapschus vom Online-Portal Heizoel24 vorrechnet. Bei steigender Nachfrage in der kalten Jahreszeit klettere auch der Preis weiter, so die Faustregel. Die Entwicklung beim Strom lasse ebenfalls auf weiter steigende Preise zum Jahreswechsel schließen, sagt Pause. Seit dem Jahr 2000 seien die Energiepreise fast "schnurstracks" nach oben gegangen. "Strom ist heute in Cent so teuer wie 1998 in Pfennig, kostet also 100 Prozent mehr", betont Pause.

Die Kostenspirale sei kaum zu stoppen, kritisiert Peters. Und das, obwohl die Bürger in der Regel deutlich sparsamer als früher im Verbrauch sind. Was Verbraucher jetzt tun sollten, um der neuen Teuerungswelle paroli zu bieten, sind in erster Linie Anbieterwechsel bei Gas und Strom, raten Verbraucherschützer.

Bis zu 380 Euro Ersparnis seien allein schon drin, wenn Kunden von der Grundversorgung zu einem günstigeren Gasversorger wechseln, hat Check24 berechnet. Nach Angaben der Bundesnetzagentur stecken nach wie vor 90 Prozent der 20 Millionen Gaskunden in zu teuren Tarifen.

Vermieter zum Wechseln auffordern

Problemlos geht das aber nur für den, der in den eigenen vier Wänden wohnt oder eine Gasetagenheizung hat. Knapp neun Millionen Haushalte sind dagegen auf den guten Willen ihres Vermieters angewiesen. Sie wohnen in Mehrparteienhäusern, in denen die Heizkosten meist über einen einzigen Zähler abgerechnet und umgelegt werden.

Aber auch sie könnten gegensteuern, ihren Vermieter oder Hausverwalter zum Umstieg auf einen günstigeren Anbieter auffordern und sich auf geltendes Recht berufen, sagt Zurek. Denn: Betriebskosten müssen laut Paragraf 560 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) niedrig gehalten werden. Dem gleichen Grundsatz sind auch Vermieter von ölbeheiztem Wohnraum verpflichtet.

Wichtig ist auch, das eigene Verhalten immer wieder auf Einsparmöglichkeiten beim Verbrauch abzuklopfen. Wer die Temperatur in seinem Kühlschrank um nur ein Grad drosselt, kann bis zu sieben Prozent Energie einsparen, sagt Pause. Hersteller geben Kühltemperaturen von etwa vier Grad Celsius vor, fünf bis sieben Grad reichten dagegen meist aus. Selbst Kleinigkeiten wie die Waschmaschine nur voll beladen laufen lassen oder den Kühlschrank regelmäßig abtauen, bieten großes Einsparpotenzial.

(dapd)

 

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