Aktuelle Nachrichten – Verbraucher
09.07.2008
Berlin – Verbraucher müssen sich auf eine weitere Verschärfung der Energiepreiskrise einstellen. Nicht nur die Strompreise sollen weiter steigen, wie der Energieriese EnBW am Mittwoch ankündigte. Auch Bier, Brot und Margarine könnten als indirekte Folge der Energieknappheit teurer werden.
Darauf wiesen mehrere Herstellerverbände hin. Ihre Begründung: Die „Konkurrenz zwischen Teller und Tank“ – also die verstärkte Nutzung von Biomasse für Kraftstoffe – führe zur Verteuerung ihrer Rohstoffe. So erklärte der Zentralverband des Bäckerhandwerks, Backwaren seien bereits um sechs bis zehn Prozent teurer geworden und mit weiteren Erhöhungen sei zu rechnen.
Gleiches erwartet der Deutschen Brauerbund. Ein Kasten Bier sei bereits um 50 Cent bis einen Euro teurer geworden, nächstes Jahr könnten noch einmal 25 bis 30 Cent draufkommen. Der Preis für einen 500-Gramm-Becher Markenmargarine könnte nach Schätzung der Deutschen Margarineindustrie von 1,20 Euro auf bis zu 1,50 Euro steigen. Die Verbände forderten eine Abkehr von der Förderung von Biosprit, der aus Nahrungsmittelpflanzen gewonnen wird.
Auch bei den Energiepreisen selbst könnte den Verbrauchern noch Schlimmeres ins Haus stehen. Bislang dämpfe der hohe Eurokurs die Folgen des Ölpreisanstiegs, erklärte das Hamburgische Welt-Wirtschaftsinstitut. Die letzten Erhöhungen des Ölpreises seien noch nicht bei Gas- und Stromkunden angekommen. Und es dauere ein bis zwei Jahre, bis die höheren Energiekosten auf die Preise von Alltagsprodukten überwälzt würden.
Auch der Bund der Energieverbraucher erklärte, die Verknappung fossiler Energie wie Öl, Gas oder Kohle werde die Preise anhaltend nach oben treiben. Verbandschef Aribert Peters sprach von einer Katastrophe für viele Verbraucher. Bereits im laufenden Jahr bedeuteten die Aufschläge bei Gas, Strom und Öl etwa 300 Euro Mehrkosten pro Haushalt.
Auch für Betriebe werde die Preisexplosion zur Existenzbedrohung, beklagte der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft. Bis zu 200.000 Arbeitsplätze seien in Gefahr.
Allerdings sind sich Experten völlig uneins über Lösungsvorschläge. Mittelstands-Vertreter Mario Ohoven forderte eine Senkung der Energie- und der Mehrwertsteuern, längere Atomlaufzeiten sowie eine Entflechtung des Gas- und Strommarkts. Nur beim letzten Punkt stimmte Peters zu, weil die Energiepreissprünge Folge von „Wucher, Marktmachtmissbrauch und staatlicher Ohnmacht seien“. Eine Senkung der Steuern hält Peters hingegen für ebenso sinnlos wie längere Atomlaufzeiten.
Ob eine Abkehr vom Atomausstieg Verbrauchern etwas brächte ist auch bei anderen Experten heftig umstritten. Nach einer Rechnung des Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) bedeuten um 20 Jahre verlängerte Laufzeiten eine Entlastung um mindestens 50 Milliarden Euro. Denn dann müssten keine anderen teuren Kraftwerke gebaut werden, wie die „Bild“-Zeitung berichtete.
Das Öko-Institut erwartet hingegen fast keine Auswirkungen auf den Strompreis. Stattdessen brächten nach dieser Analyse um nur acht Jahre längere Laufzeiten den Stromkonzernen mehr als 60 Milliarden Euro Gewinn, wie „Zeit online“ meldete.
EnBW-Chef Hans-Peter Villis erteilte Vorschlägen eine Absage, mit Gewinnen aus der Atomkraft den Strompreis zu senken oder zu stabilisieren. Auch Sozialtarife für Bedürftige lehnte er ab.
http://www.energieverbraucher.de/ (AP)
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