Aktuelle Nachrichten – Deutschland
08.09.2010
Berlin/München (dapd). Die geplante öffentliche Koranverbrennung am 11. September in den USA sorgt für entsetzte Aufschreie auch in Deutschland. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, nannte den Plan der fundamentalistischen Kirchengemeinde in Florida "schrecklich und abstoßend". Auch der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, verurteilte den Plan des evangelikalen Pastor Terry Jones für den Jahrestag der Terroranschläge in den USA 2001. "Diese Aktion ist eine inakzeptable und in keiner Weise hinnehmbare Provokation einer winzigen Minderheit", sagte er am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd. Bekannt wurde zudem, dass Jones jahrelang eine freikirchliche Gemeinde in Köln geleitet hat.
Zollitsch sagte, er sei in großer Sorge, "dass mit solchen intoleranten Angriffen das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in vielen Teilen der Welt gefährdet wird". Auch der Vatikan hatte zuvor die geplante Koran-Verbrennung mit deutlich kritisiert.
Zentralratspräsidentin Knobloch sagte, der Terroranschlag am 11. September auf das World Trade Center sei ein Akt des Hasses gewesen und habe weltweit eine Vielzahl von Hass-Reflexen heraufbeschworen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass eine in bestimmten Kreisen praktizierte, oft subtile und fast immer stillschweigend akzeptierte Angst- und Hass-Politik unvermindert fortgesetzt wird und Früchte trägt", mahnte sie. Was mit geistiger Brandstiftung anfange und den Weg über tatsächliche Brandstiftung im Wortsinne nehme, münde schließlich in Mord, warnte Knobloch. Sie erinnerte an die Bücherverbrennungen durch Nationalsozialisten im Jahr 1933.
Heinrich Heine habe schon 1820 den "prophetischen Satz" formuliert: "Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen." Die uneingeschränkte Achtung der menschlichen Würde sei in freiheitlich-demokratisch organisierten politischen Systemen die oberste Prämisse, betonte Knobloch und fügte hinzu: "Ich hoffe, dass sich die Vernunft und der Geist der Freiheit am Ende durchsetzen."
Kritik kam auch von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Auslandsbischof Martin Schindehütte sprach von einer "unerträglichen Provokation", die mit dem christlichen Zeugnis nicht vereinbar seien "und in keiner Weise dazu beitragen, Probleme zu lösen und Vertrauen zu schaffen". Gerade zum Ende des Fastenmonats Ramadan, den Muslime in aller Welt in diesen Tagen begingen, diene dies nicht der Verständigung, sondern gebe radikalen Positionen und Reaktionen neuen Nährboden. Christen seien verpflichtet, mit Muslimen in guter Nachbarschaft zu leben und zum Frieden beizutragen, sagte Schindehütte. Bei der Christen-Gruppe handelt sich nach seinen Angaben um Aktivisten des Dove World Outreach Centers in Gainesville/Florida. In einem Land wie den USA, das der religiösen Überzeugung einen sehr hohen Wert beimesse, sollte mit Respekt mit den grundlegenden Schriften anderer Religionen umgegangen werden, forderte Schindehütte.
Zuvor hatte auch der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog mitgeteilt, jede Religion mit ihren heiligen Büchern, ihren Kultstätten und Symbolen habe das Recht, respektiert und geschützt zu werden. Alle religiösen Autoritäten und alle Gläubigen seien aufgerufen, jede Form von Gewalt zu strikt zu verurteilen, vor allem jene, die im Namen der Religion verübt werde.
Der Fundamentalist Jones hat die "Christlichen Gemeinde Köln" 1982 auf göttliche Inspiration gegründet und bis vor wenigen Jahren geleitet, sagte Gemeindesprecher Thomas Müller der Nachrichtenagentur dapd. Die Glaubensgemeinschaft distanzierte sich gleichzeitig entschieden von den Plänen ihres Gründers zur Koran-Verbrennung. "Wir sind absolut bestürzt darüber. Das ist völlig unchristlich", sagte Müller. Die Pläne von Jones seien eine Gefahr für die Christen in aller Welt. "Er hat ein übersteigertes Geltungsbedürfnis. Nur daraus kann ich mir diese Aktion erklären", fügte er hinzu. Müller betonte, die Gemeinde mit ihren rund 100 Mitgliedern habe sich schon vor zweieinhalb Jahren von Jones getrennt. Es habe Differenzen über die christliche Lehre gegeben. Außerdem sei seien Jones damals finanzielle Unregelmäßigkeiten zur Last gelegt worden. Vor seinem Aufenthalt in Köln habe Jones bereits in einer Gemeinde in München gepredigt, sagte Müller. (AP)
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