Aktuelle Nachrichten – Europa
14.12.2009
Kopenhagen – Rückschlag für den Weltklimagipfel in Kopenhagen: Die Vertreter der Entwicklungsländer weigerten sich am Montag, an den Sitzungen der Arbeitsgruppen teilzunehmen. Sie wollen damit ihrer Forderung Nachdruck verleihen, dass die reichen Staaten ihre Ziele zur Senkung klimaschädlicher Treibhausgase höher stecken. Sie wollten erst wieder zu den Gesprächen zurückkehren, wenn dieses Problem gelöst sei, erklärten sie.
„Derzeit passiert hier nichts“, sagte Zia Hoque Mukta, ein Delegierter aus Bangladesch. Die Entwicklungsländer forderten Konferenzpräsidentin Connie Hedegaard auf, die Emissionsziele der Industrieländer ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen, bevor die Gespräche wieder aufgenommen werden können.
Deutschland ist unterdessen beim Klimaschutz im internationalen Vergleich zurückgefallen. Auf dem Klimaschutz-Index 2010 von Germanwatch rutschte die Bundesrepublik von Platz fünf auf Platz sieben ab, wie die Entwicklungsorganisation am Montag in Kopenhagen mitteilte. Ganz vorne liegt in diesem Jahr Brasilien – allerdings nur auf Platz vier, weil die Plätze eins bis drei gar nicht vergeben wurden.
„Erneut hat noch kein Land den Pfad zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels eingeschlagen“, erläuterte Klimaschutz-Experte Jan Burck. Kein einziges Land sei schon auf die Aufgabe vorbereitet, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten.
In Europa liegen Schweden und Großbritannien vor Deutschland. Schweden war immer besonders gut, doch unter den traditionellen Industrieländern war Deutschland noch 2007 Spitze – damals unter dem Eindruck des Klimaschutzprogramms der Großen Koalition. Nun sehen die Experten Rückschläge.
„Vor allem bei der Umsetzung der Meseberger Klimaschutzbeschlüsse von 2007 hat Deutschland bislang Schwächen gezeigt“, erklärte Germanwatch-Experte Christoph Bals. Er kritisierte auch eine deutsche Blockade-Politik auf EU-Ebene.
(Berlin) Alleingänge beim Klimaschutz könnten laut einer Prognos-Studie für Deutschland teuer werden. Bis zu 55.000 Jobs und zweistellige Milliardenbeträge bei der Wirtschaftsleistung stünden auf dem Spiel, wenn Deutschland und die EU einseitig vorpreschten, meldete das „Handelsblatt“ am Montag. Gibt es dagegen ein Klimaabkommen, das alle bindet, würde Deutschland stärker als andere Länder profitieren. Zu rechnen sei mit zehntausenden zusätzlichen Jobs.
Deutschland hat sich festgelegt, seine Emissionen bis 2020 um 40 Prozent unter den Wert von 1990 zu bringen – und zwar unabhängig vom Ausgang der derzeit in Kopenhagen laufenden UN-Verhandlungen über ein neues Klimaabkommen. Die Prognos-Studie wurde vom Energieversorger RWE in Auftrag gegeben. Andere Experten gehen davon aus, dass Deutschland in jedem Fall auch wirtschaftlich vom geplanten Klimaschutz profitieren würde, weil zum Beispiel weniger Geld für Energie ausgegeben werden muss. (AP)
Klima-Appell an Merkel: „Historische Verantwortung“
(14.12.2009)
Mehr Anstrengung der Schwellenländer beim Klimaschutz gefordert
(13.12.2009)
Entwurf für globales Klima-Abkommen stößt auf Kritik
(12.12.2009)
(31.03.2007)