Aktuelle Nachrichten – Kultur
16.06.2011
Foto: Jason Wang/The Epoch Times
„Ich habe noch nie einen Menschen betrogen“, das mag im privaten Bereich manchem leicht von den Lippen gehen; im heutigen Geschäftsleben, wenn es sich um Bankgeschäfte oder um die Übernahme von Unternehmen handelt, dann ist das nicht immer so aufrichtig zu vernehmen und so glaubwürdig wie bei Jörg Woltmann. Er ist nicht nur ein ehrenwerter Bankier und war mit 32 Jahren schon Gründer einer eigenen Bank; er ist auch Unternehmer: seit fünf Jahren Besitzer der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin und in dieser Eigenschaft sogar sein eigener Mäzen. Zwar würde er auch für dieses Unternehmen lieber schwarze Zahlen in den Büchern sehen, aber es ist noch nicht ganz so weit, denn die Finanzkrise beutelte auch die finanzkräftige Kundschaft, die man für Luxusgüter braucht.
Trotzdem sagt er im Gespräch lächelnd: „Seit ich die KPM habe, weiß ich, Geld macht nicht glücklich.“ Für ihn ist die Königliche Porzellan-Manufaktur ein Kulturgut, das man bewahren, beschützen und langfristig sichern muss.
Drohende Insolvenz für die „Königliche“
Immerhin wurde sie eine „Königliche“ durch das Engagement Friedrichs des Großen (Friedrich II.), der die Porzellan-Manufaktur im Jahr 1763 von dem Berliner Kaufmann Johann Ernst Gotzkowsky übernahm. Seitdem wurden alle Erzeugnisse der Manufaktur mit dem königsblauen Zepter gestempelt und sie blieb in königlichem Besitz bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918, als Kaiser Wilhelm II. abdankte. Sie wurde zur Staatlichen Porzellan-Manufaktur, fiel nach 1945 dem Land Berlin als Eigentum zu, wurde 1988 zwar wieder in „Königliche“ umbenannt, aber als Kulturgut durfte sie damals unter glücklosen Geschäftsführern auch noch Verluste machen. Seit 2004 drohte jedoch die Insolvenz und nach einem geschäftlichen Fehlschlag bei der Übernahme durch den Prinzen von Preußen wurde sie von Jörg Woltmann Anfang 2006 gekauft – ohne Wenn und Aber.
Die preußischen Tugenden
Finanzberater empfahlen ihm, erst die Insolvenz abzuwarten und dann ein schuldenfreies Unternehmen zu niedrigem Preis zu erwerben. „Ich gebe zu, dass ich eine Stunde lang darüber nachgedacht habe, aber auch nicht länger“, gesteht Woltmann, „dann stand für mich fest: Als Berliner lässt man eine ‚Königliche Porzellan-Manufaktur‘ nicht in die Insolvenz gehen.“ Dieses „lässt man nicht“ zeugt von den einst bewunderten Tugenden in Preußen, wenn ehrenwerte Bürger oder Adlige nicht den eigenen Vorteil an die erste Stelle setzten, sondern etwas, das dem Allgemeinwohl oder dem Ansehen zugute kam.
Jörg Woltmann bezeichnet sich schlicht als Berliner mit Herzblut, aber die besten Seiten des Preußentums schimmern in allem durch, was er sagt oder tut.
Angesprochen auf das mittlerweile sehr beschädigte Ansehen der Bankiers lächelt er fein: „Ja, es gibt aber auch da ‚sone und solche‘, den Schaden müssen wir allerdings alle mittragen. Ich habe ein reines Gewissen, mein Geschäftsmodell für die Bank war immer solide und durchschaubar. Und ich habe meinen Kunden nie Papiere verkauft, die ich selbst nicht verstehen konnte. Leider gibt es in dem Bereich momentan sehr viele Menschen, die ihre Intelligenz falsch nutzen. Sie bekommen dann die Halskrankheit, sie kriegen den Hals nicht voll genug.“ Ruhig schaut er auf, er hat schon viel gesehen und erlebt, was er selbst nie tun würde. Aber er gestattet sich auch nicht, über die Zeitläufte zu lamentieren. Mit 32 Jahren gründete er eine Bank für Angestellte und Beamte des Öffentlichen Dienstes, eine Marktlücke hatte er entdeckt und sie dann mit Solidität gefüllt. Heute kann er froh und stolz auf dieses und andere Unternehmen blicken, die es ihm ermöglichen, sein eigener Mäzen zu sein.
Den eigenen Stempel aufdrücken
Zu meiner Überraschung erzählt er, dass er vor seinem Kaufentschluss die Manufaktur noch nie „von innen“ besichtigt hatte und dass er mit offenem Mund durch die Fertigungshallen gegangen sei. Denn 85 Prozent der Fertigung sind immer noch Handarbeit – mit der Hand – manu – gemacht – factum. Was er sehr bald anordnete, war, dass am Telefon und bei allen Kontakten nur noch von der „Königlichen Porzellan-Manufaktur“ gesprochen werden durfte, nicht von der KPM. Außerdem drückte er dem Porzellan – natürlich auf der Rückseite – seinen Stempel auf. Immer noch das traditionelle blaue königliche Zepter, aber ein sehr viel feinerer und klarer Schriftzug darunter für KPM. Konsequent siedelte er die Marke weltweit im obersten Luxussegment an.
In seinem Büro werden wir mit Kaffee in dem feinem Kurlandservice bewirtet. „Keine Angst“, sagt Woltmann, „KPM-Porzellan ist eins der härtesten, das kann man wirklich ohne Scheu benutzen. Auch wenn es teuer ist in der Anschaffung, so ist es doch auch ungewöhnlich haltbar.“ Auf meinen Einwand, dass man heute auch gern spülmaschinentauglich kauft, lacht er nur: „Lassen sie das Spülmittel weg und geben sie das Geschirr sofort in die Maschine. Heißes Wasser schadet nicht und auch nicht das heiße Trocknen. Das Geschirr ist ja schon gebrannt.“ In diesem Licht bekommen auch die neueren farbigen Bürotassen etwas Verlockendes.
Das Unternehmen saß immer mit am Tisch
Die Frage liegt nahe, ob jemand, der so zielstrebig, aber gleichzeitig selbstverständlich in die Spitzen des Unternehmertums aufgestiegen ist, mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde. „Nein, davon kann nicht die Rede sein, aber ich bin mit sehr viel Liebe aufgewachsen. Meine Mutter musste meine Schwester und mich nach dem Krieg allein erziehen. Sie verdiente ihr Geld in der Damenkonfektion, die sie selbst herstellte. Zunächst in unserer Wohnung und später in einem Haus in Lichterfelde. Wir erlebten das Berufsfeld der Mutter mit und waren gleichzeitig behütet, aber das Unternehmen saß immer mit am Tisch.“
Obwohl er gerne Unternehmer ist und auch schon viele Unternehmen begleitet hat, war es für ihn selbstverständlich, dass es ein bis eineinhalb Jahre dauern würde, bis er die Geschäftsbereiche der Königliche Porzellan-Manufaktur erfasst, durchdrungen und auf eine Linie gebracht hatte. Seinen Arbeitstag teilt er zwischen Bank und Manufaktur und hat Freude daran.
Klare Ziele – nicht wackeln
Angesprochen auf die Perfektion, mit der in dem etwas versteckt liegenden Areal der KPM in der Wegelystraße im Bezirk Tiergarten nahe der Straße des 17. Juni und ihrem berühmten Wochenend-Flohmarkt, die Schätze präsentiert werden, sagt Woltmann nur trocken: „Ich mache etwas ganz oder gar nicht.“ Woltmann wurde 2007 zum Berliner Unternehmer des Jahres gekürt und erhielt im Januar dieses Jahres das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Er hält es für selbstverständlich, dass er sich auch in anderen Organisationen engagiert, etwa bei den Freunden der Staatsoper e.V., den Freunden der Nationalgalerie e.V., den Freunden der Preußischen Schlösser und Gärten e.V., in der Stiftung Zukunft Berlin sowie beim Stiftungsrat des Bröhan-Museums. Als Mitglied des Lions Clubs Berlin setzt er sich für sozial schwache Menschen ein – und er ist Schirmherr für die Sponsorengemeinschaft Diakonieladen.
Befragt nach seinen Unternehmensprinzipien, sagt er: „Klare Ziele – klare Strategien und klare Preispolitik – und nicht wackeln.“ Und zur Unternehmenskultur? „Wir brauchen den Geist eines Familienunternehmens. Die Geschäftsführung legt die Geschäftspolitik fest – aber sie muss für jeden klar erkennbar sein. Die Mitarbeiter werden beteiligt am Erfolg – aber es wird auch ihr voller Einsatz erwartet. Grundlage ist der respektvolle Umgang miteinander.“
Eine Welt der Sorgfalt
Auf dieser Grundlage arbeiten nicht nur die 170 Mitarbeiter, sondern sie wird auch spürbar für die Besucher der Dauerausstellung KPM-WELT in der noch von früher bestehenden Produktionsstätte. Man wird durch einen Teil des Gebäudekomplexes geführt und kann an kostbaren Porzellanen in liebevoll dekorierten Vitrinen die Entwicklung durch 250 Jahre KPM betrachten.
Im Jahre 2003 hat das Hamburger Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) mit der Sanierung der historischen Ringkammerofenhalle von 1871 die Voraussetzung für die heutige museale Inszenierung geschaffen. In der restaurierten Industriearchitektur wird Schritt für Schritt die aufwendige Herstellung des edlen Porzellans dargestellt. Staunend kann man in eine Welt der Sorgfalt und des Qualitätsbewusstseins eintauchen. Höhepunkt der Führung ist zweifellos die Schauwerkstatt, wo man nicht nur einer Malerin bei ihrer detailgetreuen Arbeit zuschauen kann.
Jörg Woltmann hat mit seiner Wertschätzung und Liebe für ein Kulturgut und auch mit einem Einsatz von vielen Millionen seines Privatvermögens ein großartiges Kleinod erhalten, beschützt und für die Zukunft gesichert – und das vor unser aller Augen. Man kann es anschauen, anfassen und erwerben in der KPM WELT und Verkaufsgalerie von Montag bis Samstag von 10 – 18 Uhr.
www.kpm-berlin.de/Öffnungszeiten:
KPM WELT und Verkaufsgalerie: Montag bis Samstag 10 – 18 Uhr
KPM Café: Montag bis Sonntag 10 – 18 Uhr
Führungen:
Ohne Voranmeldung
Öffentliche Führungen jeden Samstag um 15:00 Uhr
Mit Voranmeldung
Kinderführungen jeden Samstag um 11:00 Uhr (inkl. Bemalen eines Tellers in der Schauwerkstatt)
Exklusive Führungen
Führungen zu Sonderthemen (z.B. Brenntechnik - gestern und heute)
Eintrittspreise:
Eintritt: 10 €
Ermäßigt: 5 € (Kinder 13-18 Jahre, Studenten, Behinderte ab 50%)
Kinder bis 12 Jahre in Begleitung eines Erwachsenen: frei
Audioguide: Deutsch und Englisch 2 € (zzgl. Eintritt)
Öffentliche Führungen: 12 € pro Person, ermäßigt: 7 € pro Person
Kinderführungen: 20 € pro Person
Exklusive Führungen: 10 € pro Person plus Führungspauschale ab 45 €
Führungen zu Sonderthemen: 12 € pro Person, erm. 7 €
Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin GmbH
Wegelystraße 1
D - 10623 Berlin
Fon +49 30 39009-0
Fax +49 30 39009-299
kpmwelt@kpm-berlin.de
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