Forschung - Aktuelle Nachrichten und Erkenntnisse – Erfolgreicher Start der „Urknall-Maschine“ – Alexander Higgins
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Aktuelle Nachrichten – Forschung

Teilchenbeschleuniger Erfolgreicher Start der „Urknall-Maschine“

Alexander Higgins

10.09.2008

Start der Urknall-Maschine. (AP Photo/Fabrice Coffrini, Pool)
Start der Urknall-Maschine. (AP Photo/Fabrice Coffrini, Pool)

Genf – Der größte Teilchenbeschleuniger der Welt hat einen Bilderbuchstart hingelegt. Forscher der Europäischen Organisation für Kernforschung, CERN, schickten am Mittwoch erfolgreich die ersten Protonen-Strahlen durch den 27 Kilometer langen Tunnel bei Genf, von dem die Physiker Antworten auf grundlegende Fragen nach der Entstehung und dem Aufbau des Universums erwarten.

Im Large Hadron Collider, LHC werden in den kommenden Monaten die Bausteine der Materie auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und kontrolliert zur Kollision gebracht. Dabei entsteht ein Zustand wie unmittelbar nach dem Urknall, als das Universum entstand.

Der vier Milliarden Euro teure LHC ist eine der komplexesten jemals gebauten Anlagen – entsprechend groß waren Freude und Erleichterung nach dem gelungenen Auftakt. „Das war ein Bilderbuchstart“, sagte Projektleiter Lyn Evans. Bei einer so komplizierten Maschine könne immer etwas schiefgehen. „Gut gemacht“, lobte CERN-Generaldirektor Robert Aymar, der im nächsten Jahr von dem Deutschen Rolf-Dieter Heuer abgelöst wird.

Behutsam wurde zunächst ein Protonen-Strahl „ohne Gegenverkehr“ mit geringer Energie von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt durch den auf minus 271 Grad heruntergekühlten Ring geschickt. Gewaltige supraleitende Magnete halten die Teilchen auf ihrer Bahn. Fast eine Stunde dauerte es, bis der Strahl im Uhrzeigersinn erstmals eine Umdrehung vollendet hatte: „Da ist er“, freute sich Evans, als laut CERN um 10.28 Uhr zwei weiße Punkte auf einem Computerbildschirm den Erfolg anzeigten. Fünf Stunden später gelang ein Umlauf in Gegenrichtung.

Mit Beifall quittierten die Wissenschaftler im Kontrollraum und in vielen weltweit per Satellit zugeschalteten Forschungszentren den erfolgreichen Start. Er sei begeistert, wie schnell die Maschine zum Laufen gebracht werde, sagte Heuer vom Deutschen Elektronen-Synchrotron, DESY, in Hamburg.

Weltuntergangs-Szenario zurückgewiesen

Die Forscher erhoffen sich Aufschlüsse über Materie und Antimaterie und mögliche neue Dimensionen von Raum und Zeit. Als erstes wird der LHC ein rätselhaftes Teilchen suchen, das sogenannte Higgs-Boson, dem die Elementarteilchen der geltenden Theorie zufolge ihre Masse verdanken.

Gelingt die Entdeckung dieses „Gottesteilchens“, kann sich der britische Physiker Peter Higgs Hoffnungen auf den Nobelpreis machen. Mit einem Nachweis sei 2010 oder 2011 zu rechnen, sagte die Heidelberger Physikerin Johanna Stachel, die an einem der zentralen Experimente des LHC beteiligt ist.

Die CERN-Physiker verwahrten sich noch einmal gegen Weltuntergangs-Spekulationen, wonach bei den Teilchen-Kollisionen im LHC winzige Schwarze Löcher entstehen, die Materie und letztlich die ganze Erde verschlingen könnten.

Es sei höchst unwahrscheinlich, dass überhaupt Schwarze Löcher entstünden. Und falls doch, dann dürften sie nach Berechnungen des britischen Physikers Stephen Hawking so schnell zerfallen, dass sie gar keine Zeit zum Wachsen hätten. Und schließlich simuliere der LHC nur, was ständig passiere, wenn kosmische Strahlung auf die Atmosphäre trifft.

Weltuntergangs-Szenarien seien daher Unsinn, sagte CERN-Sprecher James Gillies. Die LHC-Kritiker um den Chaosforscher Otto Rössler appellierten am Mittwoch aber noch einmal an das CERN und das Nobel-Komitee, die Teilchenkollisionen nicht zu starten.

http://www.cern.de/ (AP)

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