Aktuelle Nachrichten – Forschung
15.06.2007
New York – Viele Menschen leiden an chronischen Schmerzen wie etwa ständigen Rückenproblemen. Kennzeichen der Dauerbeschwerden ist, dass das Schmerzgefühl auch dann noch andauert, nachdem die eigentliche Verletzung längst verheilt ist. Der Grund dafür ist offenbar, dass an chronischen Schmerzen andere Gehirnareale beteiligt sind als an akuten Beschwerden. Wie Mediziner der Northwestern Universität in Chicago herausfanden, ist bei chronischen Schmerzen insbesondere der präfrontale Kortex aktiviert, der auch an Emotionen und Lernen beteiligt ist. Offenbar hält diese Hirnregion die Erinnerung an das Schmerzgefühl wach.
Je länger ein Mensch an chronischen Schmerzen leidet, desto stärker ist der präfrontale Kortex den Forschern zufolge involviert. Offenbar kann das Gehirn die Erinnerung an dieses Gefühl, das die Wissenschaftler emotionalen Schmerz nennen, nicht mehr abstellen. Von dem sensorischen Schmerz, der von einem bestimmten Körperteil herrührt, ist dieser emotionale Schmerz demnach unabhängig.
Wie die Forscher nun in der Zeitschrift „Pain“ berichten, kann ein Wirkstoff, der in der Vergangenheit gegen Phobien eingesetzt wurde, diese Erinnerungsspuren im präfrontalen Kortex offenbar löschen. Ratten mit chronischen Schmerzen schienen nach einer 30-tägigen Gabe des Mittels D-Cycloserin schmerzfrei. Zwar nahm der physische Schmerz dem Bericht zufolge nur um 30 Prozent ab, der emotionale Schmerz verschwand dagegen nach Angaben der Forscher offenbar vollständig. Basierend auf diesen Ergebnissen sollen nun klinische Studien mit dem Mittel am Menschen folgen.
(Quelle: „Pain“, Online-Vorabveröffentlichung) (AP)
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